F.A.Z. Podcast für Deutschland

F.A.Z. Podcast für Deutschland

Transkript

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00:00:03: Wir erzählen hier in unserer kleinen Serie zwischen den Jahren und auch nach Silvester besondere Geschichten aus der Redaktion.

00:00:12: Nicht erwartbare Geschichten, keine große Weltpolitik, vielleicht scheinbar kleinere Randthemen, die aber, wenn man genau drauf schaut, auch große Erkenntnisse bringen können und manchmal auch große Gefühle.

00:00:27: Als ich im Frühsommer dieses Jahres mal wieder in unserem Berliner Büro war, ich kann mich gar nicht mehr an den Grund erinnern, da stand plötzlich ein Kollege vor mir, den Sie wahrscheinlich auch alle kennen, entweder aus dem FAZ Föhton

00:00:41: als

00:00:41: langjährigen Spanien-Korrespondenten oder durch seine unfassbar coole Stimme im Bücher-Podcast oder auch durch seine Bücher, zahlreiche Romane, die er geschrieben hat, also vor mir stand dieser Paul Ingenday.

00:00:54: Und als er da so im gleißenden Licht war, so frisch und kraftstrotzend, wie ich ihn eigentlich vorher noch nie gesehen hatte, nahezu das Glück in Tüten, da erzählt er mir auch direkt warum.

00:01:04: Er kam gerade vom Jakobsweg und würde außerdem Ende dieses Jahres, also jetzt, in den Ruhestand gehen.

00:01:12: Und da wusste ich schon genau, ja, mein Interview kurz nach Weihnachten, das wird mit ihm einen besonderen Wegbegleiter, der gleich mehrere besondere Geschichten zu erzählen hat.

00:01:23: Also, lang genug vorgeredet, freue mich jetzt sehr, hallo lieber Paul.

00:01:27: Hallo Andreas, vielen Dank für die Einladung.

00:01:29: Weil ich zuerst ja mit dir über den Jakobsweg, deine Pilgerwanderung sprechen möchte, mal kurz die Frage vorweg, welche Bedeutung hatten Weihnachten für dich, glauben?

00:01:39: Glauben ist eine offene Frage, aber eine, die mich sehr interessiert.

00:01:43: Ich bin also vor vielen, vielen Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten.

00:01:48: Aber das liest dann nicht nach das Interesse an Glauben und Religion.

00:01:53: Also ich befasse mich viel damit.

00:01:55: Aber ich bin nicht Mitglied einer Kirche.

00:01:57: Ich gehe immer wieder im Kirchen.

00:01:59: Ich empfange nicht die Kommunion, wie ich es ja auch nicht soll oder darf.

00:02:03: Aber ich nehme immer wieder an Gottesdiensten teil und mich interessieren beide Kirchen, die sehr verschieden sind.

00:02:09: Aber da du gerade den Bogen gespannt hast zum Jakobsweg, möchte ich dazu unbedingt was sagen, um keine falschen Erwartungen zu wecken.

00:02:17: Nämlich, ich hatte gedacht, ich würde auf dem Jakobsweg, achthundertdreißig Kilometer in Spanien an der Nordküste entlang, ich würde irgendwelche spirituellen Erlebnisse haben.

00:02:28: Und das war nicht der Fall.

00:02:30: Es war fast eine rein atletische und Landschaftserfahrung.

00:02:36: Und das hat mich selber überrascht und ich wurde so angefixt von der rein physischen Anstrengung und der Aufgabe, dass ich daran nicht nur gewachsen bin, sondern einfach einen gigantischen Spaß daran hatte, sodass ich beschlossen habe letztes Jahr im Juni war es auf dem Jakobsweg selbst schon, dass ich viele Jakobswege gehen will.

00:02:56: Das ist für mich ganz klar und es ist ein unglaubliches Gemeinschaftserlebnis und eben ein sportliches, wie ich schon sagte, aber auch natürlich Land und Kultur und Leute.

00:03:05: Ja, guck mal, jetzt hast du am Anfang gesagt, das war nur sportlich, jetzt hast du schon auf das Gemeinschaftserlebnis doch... Absolut.

00:03:13: ...was du weiter aufgemacht.

00:03:14: Aber vielleicht noch mal, fangen wir noch mal ein bisschen früher an zu deinem Verhältnis zur katholischen Kirche.

00:03:18: Du warst ja, wenn ich das richtig sehe,

00:03:20: als

00:03:20: Schüler auf einem katholischen Internat in der niedereinischen Tiefebene.

00:03:26: Hat dich das geprägt?

00:03:27: Ja, das war schon... Es hat mich enorm geprägt.

00:03:29: Ich kann das überhaupt nicht trennen, nicht nur von meinem Leben danach, sondern auch von meinem... Berufsleben, von meinen Interessen, von meinen Leidenschaften, also es hat mich zum Bücherleser gemacht und es war damals und das ist eine Sache, die ich noch nie irgendwo so erklärt bekommen habe.

00:03:44: Bücher waren für mich auch eine Flucht und das muss ja nicht unbedingt was Gutes sein.

00:03:49: Also als Kind in diesem Internat?

00:03:50: Als

00:03:50: Kind, denn ich habe mich tatsächlich die ersten paar Jahre, die fürchterlich waren, ich bin mit zehn Jahren dahin gekommen und es war etwas, was man als Schwarze Pädagogik bezeichnen kann.

00:04:00: Wir sprechen jetzt von dem Jahr, neunundsiebzig.

00:04:03: Knaben-Internat, fantastische Schule, humanistische Bildung, griechisch, Latein und dergleichen.

00:04:09: Keine Mädchen natürlich.

00:04:11: Und Religion, sehr großgeschrieben.

00:04:13: Und das war eine eiserne Zucht dort und ich kam aus einem liberalen Elternhaus.

00:04:18: Das war für mich ein Horror.

00:04:21: Ja, das ist eine tiefe Frage und die würde, glaube ich, ein Abend füllen, lieber Andreas.

00:04:25: Aber ich kann ganz kurz zusammenfassen, dass Ich glaube, dass mein Vater die vier Brüder waren, wir in Sicherheit bringen wollte, weil die Ehe zu viel.

00:04:37: Das war nicht in jedem Fall eine tolle Idee.

00:04:39: Vielleicht hätte es auch andere Möglichkeiten gegeben.

00:04:42: Aber so war es nun mal und wir waren alle vier da und jeder von uns vier, also vier Brüder, die ganz dicht beieinander liegen im Alter.

00:04:49: Jeder hat eine sehr eigene Internat-Erfahrung und würde einen anderen Roman schreiben.

00:04:53: Ich habe einen geschrieben und die drei würden einen jeweils völlig anderen schreiben.

00:04:58: Warum du mich verlassen

00:04:59: hast, heißt deiner.

00:05:00: Warum du mich verlassen hast, heißt das Buch aus dem Jahre.

00:05:05: Und das war prägend in den ersten Jahren wegen eines großen Heimwes nach Köln einerseits.

00:05:13: und nach einem verlorenen Elternhaus, von dessen kaputt gehen, ich eigentlich noch nichts genau wusste.

00:05:20: Das spielt auch in dem Buch eine Rolle, deswegen verrate ich hier keine Geheimnisse.

00:05:24: Aber die Sache, die ich gerade erzählen wollte mit den Büchern, weil du mich darauf ansprachst, ich habe mich wirklich geflohen und ich könnte mir denken, ich habe fast den Verdacht bei mir, dass in anderen Lebenssituationen ich mich ebenso.

00:05:39: in Bücher geflohen habe, wenn ich nicht genau wusste, was ich mit der Wirklichkeit anfangen wollte.

00:05:43: Also ich habe manche Dinge nicht getan, auch als junger Mensch, als Student, weil ich die Bücher so als Haltetau in der Wirklichkeit empfunden habe.

00:05:54: Dadurch habe ich unfassbar viel gelesen und das würde ich nicht als Leistung bezeichnen.

00:05:57: Ich möchte einfach sagen, das war auch eine Anomalie, eine Merkwürdigkeit.

00:06:03: Ja, die hat mich aber auch prädestiniert dann, dass ich irgendwann mit Büchern und mit der FAZ zu tun habe.

00:06:09: Und ja, es war eine Flucht.

00:06:12: Du hast es völlig richtig gesagt auch.

00:06:14: Und ich finde das schillernd.

00:06:15: Das würde ich zumindest mal hier so hinstellen.

00:06:18: Ich finde es interpretierwürdig und bedürftig und nicht einfach sagen, oh, toll, was da für eine Bildung sich drauf geschaufelt hat.

00:06:26: Nein, es hat auch eine Nachtseite.

00:06:30: Das war nötig sozusagen, aber man kann doch auf jeden Fall zusammenfassen, besser als Alkohol oder andere Drogen.

00:06:37: Na ja, das macht ja ein Zehnjähriger nicht, ne?

00:06:40: Aber du hast ja gesagt später, ist es dich ähnlich verhalten?

00:06:43: Ich hatte mich später ähnlich verhalten und ich hatte tatsächlich auch als Achtzehnneunzehnjähriger schon so eine Art nostalgischen Blick zurück.

00:06:51: Und so richtig gut ging es mir eher ab dreißig.

00:06:55: Und dann hat mir eine wunderbare FAZ-Assistentin in der Literaturredaktion, die noch Reichranicki kannte, Frau Kunz.

00:07:04: Als ich dann dreißig wurde, ging ich zu Frau Kunz und sagte, Frau Kunz, können Sie mir sagen, warum man mit dreißig besser drauf ist als mit zwanzig?

00:07:12: Und dann sagte sie, ja, man, man kapiert doch noch nichts, wenn man so jung ist.

00:07:16: Und ich habe das mit vierzig nochmal gedacht.

00:07:19: Jetzt geht es richtig toll los und es hat ein paar Jahre länger gedauert.

00:07:23: Und ich habe mich dann immer gefreut, wenn mir das andere Menschen auch später erzählt haben.

00:07:28: Sowohl Frauen wie Männer sagen manchmal, dass das eine schwierige Zeit war.

00:07:32: Und wenn ich heute junge Menschen in den Zwanzigern sehe, dann freue ich mich eigentlich immer, wenn ich die fröhlich sehe und erlebe.

00:07:41: Denn ich glaube, was wir mit uns selbst zu tun haben in diesen Jahren, kann höllisch sein.

00:07:47: Kann ich bestätigen.

00:07:50: Wollen wir da hingehen jetzt, gerade Andreas?

00:07:52: Lass uns den Jakobs Weg zumindest noch mal in Erinnerung.

00:07:55: jetzt gehen, weil, aber vielleicht von dem Punkt aus gehen.

00:07:58: Das war aber, war das auch eine Art Flucht für dich?

00:08:01: War das ein Moment, als du entschieden hast?

00:08:03: Ich habe natürlich auch deinen Text dazu gelesen, stand aber nicht so richtig da drin.

00:08:08: Du hast völlig recht.

00:08:09: Ich habe es da verschwiegen, weil ich eher so eine Art Tipp pragmatisch eine Anleitung geben wollte, weil ich glaube, ich brauche ein Buch dafür.

00:08:17: Du hast das richtig erkannt, dass der Artikel, auch wenn er lang war.

00:08:20: Schön auch.

00:08:21: Das eigentlich verschweigt, wie tief das denn ging.

00:08:26: Da hast du völlig recht.

00:08:27: Da haben die Bücher nicht mehr gereicht, da musste der Jakobsweg her.

00:08:30: Ich hatte einen langjährigen Plan, als schon als ich in Spanien wohnte.

00:08:33: Ich habe insgesamt achtzehn Jahre in Spanien gewohnt.

00:08:36: Eigentlich wollte ich den Jakobsweg immer gehen.

00:08:38: Sowohl aus Wanderbegeisterung, weil ich gerne in die Höhe steige, weil ich mit meinem Sohn Wanderung gemacht habe.

00:08:45: die hoch gingen, aber nie fünf Wochen.

00:08:48: Und ich habe mir ein Sebertical genommen dafür und es hatte zwei Ziele, also vier Monate weg, einmal den Jakobsweg gehen, das andere war ein Buch zu finden, nämlich eines zu schreiben, darüber können wir nachher noch reden.

00:09:02: Und das war ein Plan... Seit mein Sohn mir ein paar Jahre vorher erzählt hatte von seinem Jacobsweg.

00:09:08: Ach, der

00:09:09: hat ihn vor dir schon gemacht.

00:09:10: Ja, mit sieben Euro in der Tasche und Zelt und Kocher

00:09:15: ist

00:09:16: der durch die Felder.

00:09:21: Er ist einer, der sich im Grunde von Käfern und der Rinde ernähren kann.

00:09:25: Es ist Wahnsinn, was er in der freien Natur kann.

00:09:28: Das hat mich immer sehr beeindruckt, dass er absolut bedürfnislos Dinge tun kann, auch mit Entbehrungen.

00:09:35: Aber er war so begeistert und er war spiritueller als ich drauf.

00:09:39: Und er hat mir auch von einzelnen Orten erzählt und von der Erfahrung übrigens auch von einer, die ich sehr wichtig finde.

00:09:45: Er sagte, Papa, wenn du dann mal irgendwann im Regen liegst und du weißt, du bist die ganze Nacht in diesem Regen und du weißt, es geht dann nicht weiter runter.

00:09:57: Du bist Elend da draußen und allein im Wald.

00:10:03: Aber ich dachte, man schläft

00:10:03: dann nachts in Herbergen eigentlich.

00:10:06: Das hat er nicht immer getan, er hat sich das gespart.

00:10:10: Ich habe Folgendes gemacht, um den Hörern einen Begriff zu geben, diese Herbergen kosten zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig Euro, je nachdem welcher Standard und ob öffentlich oder privat.

00:10:20: Ich habe zwei Drittel meiner Nächte in Herbergen verbracht und ein Drittel in Kleinst-Pensionen, um auch mal Abstand zu kriegen.

00:10:28: Ich kann die Herbergen nicht missen von diesem Abenteuer, denn da findet die Gemeinschaft statt, von der wir vorhin gesprochen haben.

00:10:35: Und dann läuft man am nächsten Tag auch mal zusammen, wenn man sich abends gut verstanden hat, oder?

00:10:39: Bist du lieber alleine gelaufen?

00:10:42: Sowohl als auch.

00:10:43: Ich habe immer wieder kleine Wegstrecken oder auch größere Mitmenschen gemacht.

00:10:48: Ich habe auch viele wieder gesehen und habe noch von einem halben Dutzend Menschen die Telefonnummern.

00:10:54: Bin auch lose in Kontakt mit ein paar.

00:10:57: Aber ich wollte immer im Prinzip alleine gehen und das habe ich auch meistens so gehalten.

00:11:03: Das fand ich einfach besser.

00:11:06: Ich war konzentrierter.

00:11:07: Das geht aber vielen so auf dem Jakobsweg.

00:11:09: Also die Gruppe ist eher die Ausnahme.

00:11:12: Die Paare kommen vor und ein, sage ich mal, Ehe oder sonstiges Paar, also aus romantischer Neigung Paar, wer das kann, den Jakobsweg, der ist gut.

00:11:25: Der lebt noch lange zusammen

00:11:26: wahrscheinlich.

00:11:27: Das fordert sehr, sehr viel ab.

00:11:28: Und ich habe ein paar Paare gesehen, ich fand das ganz toll.

00:11:31: Und ich sehe mich in so einem Abenteuer eher nicht, da sehe ich mich eher als Einzelperson.

00:11:37: Aber das Ganze in seiner Mischung aus, was ich ja schon sagte, diese gewisse Entbehrung und auch das.

00:11:43: und jetzt kommt dieser Teil mit dem Sportlichen.

00:11:47: Ich hatte nie die Erfahrung gemacht, was es heißt, wenn du fünf Wochen lang trainierst und zwar immer weiter aufbaust in der fünften Woche.

00:11:54: Warte, witter als am Anfang, also nicht Platz, sondern...

00:11:57: Ersten zwei, drei Tage waren deswegen hart, weil diese elf, zwölf Kilo auf dem Rücken schon drücken.

00:12:02: Und es tut weh, du kriegst Muskelkater und denkst, oh, vielleicht habe ich mich verletzt.

00:12:07: Das war aber keine Verletzung.

00:12:08: Und ab dem vierten Tag war es dann okay.

00:12:11: Und nach sieben, acht Tagen war ich dann voll drin.

00:12:14: Aber in der fünften Woche ist dieser Rucksack wie eine zweite Haut.

00:12:18: Also dir fehlt fast etwas, wenn du ihn nicht trägst.

00:12:21: Und ich konnte vierzig Kilometer laufen und ich hätte auch noch weiterlaufen können und das könnte ich jetzt nicht.

00:12:28: Also nach einigen Monaten im Büro kann ich das nicht so einfach.

00:12:32: Aber nach fünf Wochen da draußen, da kann man viel mehr als man glaubt.

00:12:36: Und das ist natürlich im Grunde ein Bild für alles im Leben.

00:12:40: Du kannst sehr viel aufbauen und du kannst von jedem von jeder Ebene aus aufbauen.

00:12:46: Also ich habe Menschen gesehen, die älteste Frau war dreieinachtzig.

00:12:50: eine Kolumbianerin, die sich mit einer etwa siebzigjährigen Französin zusammengetan hat.

00:12:57: Und das war ganz süß.

00:12:59: Es waren mehr Frauen, die einzeln gingen, als Männer, die einzeln gingen.

00:13:05: Das ist für mich auch eine sehr sichere Angelegenheit, auch wenn es dann natürlich ein paar Horrorgeschichten gegeben hat in der Vergangenheit, die man auch irgendwo lesen kann.

00:13:15: Aber ich habe wirklich nur positive Erfahrungen gemacht.

00:13:19: Und zumal mit der Gemeinschaft, die es dann in den Herbergen gab, also der Austausch.

00:13:24: Weißt du, Andreas, wenn man sowas macht, muss man einen Grund haben.

00:13:29: Und du kannst jetzt verschiedene Podcasts machen mit der Frage, warum habt ihr es gemacht?

00:13:36: Und die Geschichten, die ich eingesammelt habe, die Gründe, warum die Leute das gemacht haben, verlorene Liebe, verlorene Gesundheit, enttäuschte Hoffnungen, neues Lebensprojekt, nachdenken, in sich gehen.

00:13:48: oder Gott suche, auch das gab's.

00:13:51: Alle diese Gründe sind so stark und die Menschen erzählen davon auf eine andere Weise als im Büro, dass das tatsächlich eine sehr tiefe Erfahrung war und die möchte ich öfter haben.

00:14:04: Ich weiß von anderen... Freunden, Bekannten, die den Weg gegangen sind, dass ich dich zuerst fragen sollte.

00:14:09: Das habe ich jetzt nicht geschafft zuerst, aber ich baue es jetzt mal ein.

00:14:12: Welche Route war das denn?

00:14:14: Wie viele Kilometer insgesamt?

00:14:16: Wie viele Tage?

00:14:17: Also so, hau doch mal die Fakten auf dem Tisch.

00:14:19: Ja, das ist eine sehr schöne Frage, weil sie auch tatsächlich Klarheit schafft.

00:14:23: Die Jakobswege gehen ja durch ganz Europa auf Santiago de Compostela zu in Nordwestspanien und einige, die ich getroffen habe, haben es sogar in Belgien an ihrem Haus angefangen.

00:14:34: oder einer hat schon tausend Kilometer in Frankreich gehabt, bevor er die Grenze überschritt.

00:14:39: Ich selber hatte nur fünf Wochen und habe die auch, also ein dreißig Tage habe ich dann auch geschafft.

00:14:45: Ich bin losgelaufen an der spanisch-französischen Grenze in Baskenland, bin dann über San Sebastian Bilbao an der Nordküste entlang, die hinreißend ist und dann gibt es nach etwa neunzehn Stationen eine Gabelung.

00:14:59: Da kann man entweder an der Küste bleiben und dann später runterstechen nach Süden, nach Santiago, oder man geht durch die asturischen Berge.

00:15:08: Und das habe ich gemacht, weil dieser Weg steil nach oben geht und ich liebe die Berge.

00:15:13: Und ich hatte das Riesenglück, dass in diesem späten Mai, als ich dort ging, das Wetter fantastisch war, die Sicht war klar.

00:15:21: Denn da oben ist es kühl, es gibt oft Nebel.

00:15:25: Und es ist auch etwas gefährlicher, weil die Wegmarken schlechter zu erkennen sind.

00:15:30: Es war wunderbar, dass wir mit ganz wenigen Leuten da nur rumgelaufen sind, da oben.

00:15:35: Und das war auch ein Privileg dieses weite Land in Spanien und die Stille, die ich beim Laufen hatte.

00:15:44: Ich brauchte keine Unterhaltung von irgendwas.

00:15:47: Ich habe am Ende wirklich nur die Stöcke, das Gepäck, den Körper und laufen laufen.

00:15:53: Und man pendelt sich auch dann ein, was man zu sich nimmt, was man trinken muss, wie viel man trinken muss, was gute Nahrung ist für einen, was schlechte.

00:16:03: Am Ende, das kann ich mal sagen, habe ich die billigste Lösung gehabt, die es überhaupt geben könnte.

00:16:08: Ich habe wirklich immer ein halbes Kilo Haferflocken dabei gehabt und habe jeden Morgen auch in der abgeranztesten Herberge ein bisschen Wasser drauf, ein bisschen Quellen lassen.

00:16:20: Boah, Haferflocken

00:16:21: mit Wasser, das ist aber echt mutig.

00:16:23: Schaufeln, ja.

00:16:25: Und Haferflocken sind einfach unendlich viel besser als Brot und anderes.

00:16:30: Zumal es in Spanien ja vor allen Dingen Weißbrot gibt.

00:16:34: Und das kriegt man so über.

00:16:36: Und der Luxus war, wenn auch noch ein bisschen Milch da reinkam.

00:16:39: Das war dann tolle Haferflocken oder sogar, ich hatte ein paar Früchte, aber das hatte ich nicht immer.

00:16:44: Aber morgens um fünf zum Beispiel sich Haferflocken mit Wassermann war.

00:16:49: war die Sache und der Körper schreit danach.

00:16:53: Und die andere Sache ist, und das geht manchen vielleicht anders, dass ich dann auch Coca-Cola trinken wollte über den Tag, eine Plurre, die ich das Jahr nicht anrühre, aber der Körper schreit so nach Zucker, wenn er weitere Energien braucht, dass ich es geliebt habe, Cola mit Zitrone und Eishoffeln in irgendeiner Bar.

00:17:12: Aber um jetzt auch die Wege kurz zu bezeichnen, die gehen ja sternförmig auf Santiago zu.

00:17:18: Und der Camino del Norte, wie der heißt, dieser Küstenweg oben.

00:17:24: Das ist einer, der ist eben achthundertdreißig Kilometer lang von der Grenze zu Frankreich aus.

00:17:30: Und das habe ich also gemacht, dieser achthundertdreißig.

00:17:32: Und ähnlich lang ist der, den Habe Kerkeling gegangen ist.

00:17:36: Der ist durch Kastilien zweihundert Kilometer weiter runter.

00:17:40: Und der sogenannte französische Weg.

00:17:43: Das ist aber auch der überlaufende, also über die Hälfte aller Jacobswegläufer.

00:17:48: sind dort anzutreffen.

00:17:50: Und das würde ich nur im frühen Frühling laufen, wenn es noch kalt ist und wenig Leute da sind.

00:17:57: Das wäre mir einfach zu voll.

00:17:58: Aber es gibt dann eben auch den portugiesischen Weg, der von Porto dann nach Santiago geht.

00:18:04: Oder es gibt den englischen Weg, der geht oben vom obersten Galizien.

00:18:09: Das ist ein kurzer Weg.

00:18:11: Der ist nur hundertzwanzig Kilometer lang.

00:18:13: Man kann also sowohl die Längen wählen, wie auch die Wege selber wählen.

00:18:17: Und die Landschaftsform wählt man sich dadurch mit.

00:18:20: Und das Schöne ist natürlich, dass man in jedem Fall Pilger ist, wenn man hundert Kilometer hat.

00:18:26: Die kann man sich dann auch beglaubigen lassen.

00:18:28: Man hat einen kleinen Pilgerpass, mit dem man überhaupt erst in die Herbergen reinkommt.

00:18:32: Das ist ganz wichtig zu sagen.

00:18:34: Ohne Pilgerpass muss man in die Hotels gehen.

00:18:37: Aber die Echten,

00:18:39: ja.

00:18:39: Ja, und wenn du es jetzt nochmal machst, dann wird es aber einen anderen Weg gehen als

00:18:42: den.

00:18:43: Das ist eine gute Frage.

00:18:44: Ich hätte größtelus denselben nochmal zu gehen, tatsächlich.

00:18:48: Aber ich will sie eigentlich alle gehen.

00:18:50: Also die spanischen Wege meine ich jetzt damit.

00:18:52: Das wären sechs.

00:18:53: Und wer dann avanciert wird und sagt, ich bin ein ganz harter Junge, der sagt sich, ich gehe den Kamino der Blatter, der geht von Andalusien runter auf dem alten Römerweg, wo das Silber transportiert wurde, deswegen der Name.

00:19:09: Und da sind Leute... über tausend Kilometer und dann auch entsprechend eher sieben, acht Wochen unterwegs.

00:19:16: Das wollte ein Jakobswegfreund von mir auch machen.

00:19:21: Der wurde aber dann durch eine familiäre Sache abgehalten.

00:19:23: Aber das wollte der unbedingt tun, weil ihm dennoch fehlte.

00:19:27: Und eigentlich habe ich vor, das alles zu machen.

00:19:29: Und bevor ich dich jetzt zu sehr hier voll quatsche mit Jakobswegdingen, eine Sache möchte ich sagen, eine kleine Erinnerungsnotiz an einen deutschen ich glaube, er ist Josef, den ich dreimal überholte.

00:19:47: Und ich mich fragte, wie macht der Kerl?

00:19:48: Das ist ja wie der Hase und der Igel.

00:19:51: Der tauchte immer wieder vor mir auf, der war aber rundlich und ging langsam.

00:19:55: Und dann habe ich ihn mal dritten mal überholt und wir haben es kaputt gelacht, als ich dann wieder an ihm vorbeisträbte.

00:20:01: Und dann sind wir ein Stückchen zusammen gelaufen.

00:20:02: und dann meinte Josef, weißt du, ich bin jetzt Rentner seit fünfzehn Jahren.

00:20:09: Und ich gehe jedes Jahr zwei Wege.

00:20:13: Und ich bin diesen Weg schon ein paar Mal gelaufen.

00:20:14: Ich kenne jede Abkürzung, jede.

00:20:16: Und ich wusste, dass du da vorne die Höhe gewählt hast, die ich nicht wollte.

00:20:20: Und ich bin lieber hier unten durchgelaufen und war schneller.

00:20:24: Und dann dachte ich mir, dass Rengner da sein, mit Sechsensechzig.

00:20:28: Der wirkte sehr zufrieden.

00:20:29: Aber der sagte, das brauche ich jedes Jahr.

00:20:33: Und ich dachte, das würde man vielen wünschen.

00:20:36: die in den Siebzigern sind, der war gar nicht supersportlich.

00:20:40: Der hat sich da reingefuchst in das Laufen, der hatte gute Schuhe und der war fröhlich.

00:20:46: Und der strahlte was aus, was man nicht in allen alten Menschen findet.

00:20:51: Und ich dachte eigentlich so wie Josef, ohne Bauch.

00:20:54: jetzt würde ich auch gerne

00:20:55: gehen.

00:20:57: Ich seh dich ja auch gerade vor mir.

00:20:58: Ich kann allen Hörern und Hörern versichern.

00:21:01: Da ist kein Bauch bei Paul Ingenei.

00:21:05: Vielleicht noch mal so.

00:21:05: eine letzte Frage jetzt.

00:21:06: Wie war denn der letzte Tag, als du wusstest, ich habe es geschafft?

00:21:11: Ein

00:21:11: Traum.

00:21:12: Es war ein Traum.

00:21:13: Aber du wusstest doch auch, es ist vorbei.

00:21:16: Ja, das habe ich dann tatsächlich erst in Santiago gemerkt.

00:21:18: Und das, was nicht kam, war das, wovon ich immer gelesen habe und wovon fast alle erzählen.

00:21:25: Tränen an der Kathedrale von Santiago, zusammenbrechen praktisch vor Rührung und Glaubensgewissheit oder Erleuchtung.

00:21:35: Nichts davon bei mir.

00:21:36: Aber ich will dir sagen, was ich gemacht habe.

00:21:38: Ich bin in den letzten Tagen auf dem Weg, dachte ich, ach, lass es ein bisschen langsamer angehen.

00:21:43: machst du mal zwanzig Kilometer nur, schläfst mehr.

00:21:46: und ich merkte, ich wollte gar nicht.

00:21:48: Ich wollte durchlaufen und deswegen die forty vier Kilometer, die ich vorhin erwähnt hatte.

00:21:53: Und dann hatte ich die forty zwei gelaufen, war schon halb praktisch in Santiago und hatte ich Lust auf meine Cola und einen Salat.

00:22:04: Und ja, dann habe ich mich hingesetzt.

00:22:06: Dann sah ich eine eine Cafeterie im Schatten.

00:22:08: Es war wirklich heiß.

00:22:10: Und dann kam nach einer halben Stunde ein Kumpel von mir.

00:22:13: mit dem ich öfter gelaufen war.

00:22:15: Und dann sind wir fast Hand in Hand nach Santiago eingelaufen und haben uns dann eingemietet in einem Priester-Seminar, einem Ehemaligen auf dem Hügel.

00:22:27: Da muss man sehr schnell wieder hoch, also das hatten wir nicht gewusst und wir hatten nicht darüber nachgedacht, dass man da nochmal hoch muss.

00:22:33: Aber dieses Priester-Seminar ist eben ausgestorben als Priester-Seminar und ist umgewandelt in eine große Pilger.

00:22:41: Geschichte sogar mit Einzelzellen.

00:22:44: Und ich hatte eine Einzelzelle und war seelig.

00:22:47: Und da trafen sich dann einige der Gänger wieder, die sich auf dem Weg auch kennengelernt hatten.

00:22:53: Also ich sah eine Kanadierin, die diverse Iron Man gemacht hatte und sagte, sie wollte unbedingt.

00:23:01: Die war auch über siebzig.

00:23:02: Die wollte unbedingt den Jakobsweg noch gehen.

00:23:04: Und diese Begegnungen dann nach vier, fünf Wochen sind was.

00:23:09: Ganz toll ist Andreas.

00:23:11: Ja, ich will das wieder haben aus aller Herren und Frauenländer.

00:23:17: Und irgendwann schreibe ich ein Buch.

00:23:20: Jetzt kann man sagen, jeder schreibt ein Buch, aber nicht jeder schreibt meins.

00:23:26: Du hast gerade das Stichwort... Rentner da sein Vorbilder gesagt.

00:23:31: ich hatte er schon letzte Woche als wir uns hier in Frankfurt vor dem Tower gesehen haben.

00:23:35: Alter siehst du gut aus.

00:23:37: Wir sind sechzig im fünften Januar fünfundsechzig und der lebende Beweis das Schaffenskraft nicht mit einer Zahl.

00:23:44: Endet schon mal gar nicht, ne?

00:23:46: Also Paul, was ist denn dein Geheimnis?

00:23:49: Also

00:23:49: Andreas, auch bei dir habe ich keinen Bauch gesehen, wenn ich das jetzt unseren Hörern auch mal sagen darf, weil die Hörer hören dich dauernd, aber sehen dich ja wenig.

00:23:57: Aber

00:23:58: die stellen sich mich ganz anders vor, immer, also immer wenn ich Hörer treffe, sagen die alle, oh, das hätte ich ja nicht gedacht, dass sie...

00:24:05: So jung.

00:24:06: Ja, danke.

00:24:08: Ja,

00:24:08: wegen der Reife.

00:24:09: Kompliment.

00:24:10: Nein, wegen der tollen Stimme.

00:24:12: Andreas ist es so.

00:24:13: Nein, das Wort Rentner ist nicht so, dass ich es abwehren würde, aber es trifft nicht zu.

00:24:18: Es ist anders.

00:24:20: Ich habe bei der FAZ eine Alltagszeitregelung gemacht.

00:24:23: Das heißt, ich bin noch auf der Payroll, bleibe es bis August, sieben, zwanzig.

00:24:28: Aber ich höre, wie du auch sagst, in wenigen Monaten auf und habe dann Mehrfreiheit, meine Eigensachen zu schreiben.

00:24:35: und kann dann aber auch wieder mit der Zeitung zusammenarbeiten.

00:24:39: Und das möchte ich ja auch.

00:24:41: Darüber reden wir dann, wenn es so weit ist, wenn die Kollegen Lust haben, ich habe Lust, dann wählen wir das tun.

00:24:46: Aber es gibt so viel zu schreiben und so viel zu wandern und so viel zu tun, so viel zu reisen, dass ich mich wirklich auf diese fünfzehn Monate besonderer Zeit freue, in denen ich nicht journalistisch arbeiten werde.

00:25:00: Und das finde ich jetzt auch mal toll, zurückzutreten.

00:25:03: Und im Grunde war das Sebertical vom letzten Jahr eine kleine Übung dafür.

00:25:09: Nämlich mal zurücktreten, in sich gehen, gucken, was mache ich da überhaupt die ganze Zeit.

00:25:14: Aber das Bücherschreiben ist tatsächlich eine Sache, die dann für mich mehr Platz haben wird.

00:25:21: Und ich freue mich außerordentlich darauf.

00:25:23: Ich meine, wir haben in diesem Jahr, ich weiß nicht, ob du als Föhn-Donist die wirtschaftlichen Rentendiskussion auch verfolgt, weil eine voll zweifelte Nummer im Jahr zwanzig, fünfzwanzig, wer das denn für dich, wenn du jetzt doch bis siebzig arbeiten würdest, müsstest, so wie es ja wahrscheinlich unseren Kindern und Kindeskindern blühen wird, aber... Wenn ich dich so sehe, ist das kein Problem, oder?

00:25:47: Nein, es wäre überhaupt kein Problem.

00:25:49: Es gibt eine Sache, die ich jetzt sagen kann, weil ich so weit fortgeschritten bin in den Jahren, die hätte ich so vor zwanzig Jahren nicht formuliert.

00:25:57: Ich habe mit achtundzwanzig oder siebenundzwanzig nicht den Sprung gemacht zu sagen, ich will Schriftsteller sein und als solcher Leben, nämlich Freelance, ich habe nicht auf diese Karte gesetzt.

00:26:07: Ich kenne Leute, die das getan haben, mit großem Mut.

00:26:11: Nicht allen ist es gut gegangen.

00:26:13: Aber einigen wohl.

00:26:14: und wer wirklich was zu sagen hat in der Kunst, der kommt auch durch.

00:26:18: Der hat die Power dafür, der hat das Talent.

00:26:21: Ich habe die zweitschönste Sache gewählt, nämlich die FHZ.

00:26:25: Ich könnte mir für mich keine andere Zeitung vorstellen.

00:26:27: Ich passe nirgendwo anders hin als hier.

00:26:30: Und das geht, glaube ich, manchen so bei uns im Föhturm.

00:26:34: Wir sind also froh, dass wir, einerseits, froh, dass wir genommen wurden, aber andererseits auch froh, dass wir diesen Freiraum haben und hatten.

00:26:42: Und das ist für mich gigantisch.

00:26:43: Das ist also schon das nächste an der Kunst, was man in Journalismus haben kann.

00:26:49: Und ich habe in der Tat natürlich die Zeit, nebenher Bücher zu schreiben, also in Urlauben und an freien Wochenenden, einige Bücher entstanden und ich will es nur intensivieren und von daher ist es ein Luxus.

00:27:01: Du hast aber recht mit der Sache, unsere Nachfahren werden länger arbeiten müssen.

00:27:07: Bei mir ist die Lust gar nicht weg.

00:27:09: Die ist überhaupt nicht weg, am Schreiben schon gar nicht.

00:27:12: auch nicht mit den Kollegen.

00:27:13: Die eine Sache, die wir alle erlebt haben, und das ist natürlich positiv, ist eine gewaltige Digitalisierungsleistung der FVZ.

00:27:22: Besonders mit der Pandemie.

00:27:24: Mit diesem Datum praktisch ist ein Schub durch das Ganze gegangen.

00:27:30: Und auf allen Ebenen haben wir neue Softwares, neue Techniken, neue Digitalisierung kennengelernt.

00:27:35: Und da sind wir gerade drin.

00:27:36: Das merkt ja jeder von uns.

00:27:37: Und manche Ächzen, ich gehöre zu denen, die mitarbeiten und sich die größte Mühe geben, aber gelegentlich auch echten.

00:27:45: Ist ja auch nicht einfach, so ein Wandel.

00:27:48: Ist aber im Übrigen für andere Medienhäuser glaube ich auch nicht einfach, aber für die alte Tante FAZ vielleicht, die sich ja nicht gerne schnell bewegt, sondern lieber die richtigen Wege einschlägt, langsam, vielleicht besonders schwierig.

00:28:04: Unsere Geschäftsführung über die ich sonst niemals öffentlich rede.

00:28:08: Ich finde ihr sehr nett und die haben aber tatsächlich auch einen Ton gefunden in der Ansprache im Erklären der Dinge und auch natürlich mit jungen Mitarbeiterinnen, die uns die Softwares erklären.

00:28:20: Ich hatte ja solche Lehrgänge.

00:28:22: Das war schon die sanfteste Tour, die man sich vorstellen kann und es hat es mir leicht gemacht.

00:28:27: Danach kommen das technische Lernen, dass sich vertun, dass sich vergreifen, dass nicht ganz intuitive was ich vielleicht mitbringe, aber ich gebe mir Mühe und ich muss aber Das nicht so haben die ganze Zeit und schon gar nicht noch fünf, sechs Jahre, weil ich ja anders angefangen habe.

00:28:44: Also je älter die Kollegen sind, desto länger haben sie eine ganz andere FAZ gehabt, die reiner Print war, reines Schreiben und wenig Verwaltung.

00:28:55: Und das hat natürlich zugenommen und es geht gar nicht anders.

00:28:57: Und was ich aus anderen Häusern höre, ist zum Teil so albtraumhaft, dass ich diesen Beruf nicht... mehr ergreifend würde, wenn es bei anderen Medienhäusern wäre.

00:29:10: Das würde ich nicht machen.

00:29:11: Das wäre nicht meins.

00:29:13: So, genug Lob für die FHZ.

00:29:15: Genau.

00:29:15: Ja.

00:29:16: Aber wenn du sagst, alte Techniken, wir können ja mal zu deinem neuen Buchprojekt kommen.

00:29:21: Ich weiß nicht, wie viel du da verraten willst, aber vielleicht die Frage vorweg, wie schreibst du das denn auf der alten Schreibmaschine noch dann, oder?

00:29:27: Na,

00:29:27: Gottes Willen.

00:29:29: Ich liebe schon den Computer als Schreibgerät, aber ich mache sehr, sehr viel handschriftlichen Notizen.

00:29:34: Ich führe ein Kalender handschriftlich.

00:29:37: Ich schreibe auch mal größere Stücke handschriftlich.

00:29:40: Ich schreibe auch noch Briefe.

00:29:41: Du schreibst für die

00:29:42: Zeitung Stücke handschriftlich?

00:29:45: Nein, für die Zeitung nicht.

00:29:47: Das würde ich nur in der Not tun und die Not kommt ja nicht oft vor.

00:29:50: Nein, da nur am Computer.

00:29:52: Aber ich bin ein großer Fan des haptischen und des physischen und auch des handschriftlichen.

00:29:57: Ich habe diverse Füller.

00:29:58: Ich liebe Füller und Tinte und alles das.

00:30:02: Aber was das Buch betrifft, kann ich sagen, geschrieben wird es, was das technische betrifft, in Ferien, an Wochenenden, an Abenden.

00:30:11: Das habe ich halt ein bisschen lernen müssen, weil es ja neben der Zeitung gar nicht anders geht, denn ich bin eben kein freier Autor und kann also nicht sagen, ich habe jetzt fünf Monate.

00:30:22: Und bei meinem gegenwärtigen Buch, das jetzt im März erscheint, das heißt, Entscheidungen in Spanien, der große Kampf der Literatur, neunzehnt, dreißig bis neun.

00:30:31: dreißig, Handel vom spanischen Bürgerkrieg.

00:30:33: aus der Sicht von Künstlern, Intellektuellen, Fotografie, den Reportern usw.

00:30:38: Bei Beck.

00:30:40: Dieses Buch, das hat der Verlag mir sozusagen angeboten und abverlangt.

00:30:45: Sie haben es mir vorgeschlagen.

00:30:48: Das war direkt nach dem Jakobsweg.

00:30:49: Ich war voller Optimismus und voller Muskeln und habe es für möglich gehalten, weil kommt es ja ein Jubiläumsjahr, nämlich neunzig Jahre Bürgerkrieg in Spanien.

00:31:01: Statt findet.

00:31:03: Mir war klar, dass wir dieses Datum sozusagen mitnehmen und unterbieten müssen.

00:31:08: Und dann haben die mir gesagt, das ist das Buch, das du schreiben kannst.

00:31:13: Weil du so lange da warst, du kennst es so gut.

00:31:15: Du hast so viel darüber geschrieben und du kannst erzählen.

00:31:17: Also schreib es als Erzählung und nicht als dokumentarisch Roman.

00:31:22: Und du bist

00:31:23: kein Historiker.

00:31:24: Was muss man in Kurzform vielleicht über den Spanischen Bürgerkrieg wissen?

00:31:28: Warum ist es noch wichtig?

00:31:29: Warum ist es interessant?

00:31:30: Ja, das war eine tolle Frage, weil sie tatsächlich mich ja auch umgetrieben hat.

00:31:35: Ganz kurz vorweg, es hat mich in Spanien ewig begleitet, dass diesen Bürgerkrieg gab und dass die politischen Konflikte immer noch spürbar sind bis hin zu Aufarbeitungsdebatten, Gedenkdebatten, Totenexhommierungen, Streit links gegen rechts.

00:31:54: Der Spannenschwörgerig ist immer noch spürbar, weil er eine alte Rechts-Links-Trennung oder die großen totalitären Systeme, Faschismus, Kommunismus, wie in einer Nussschale zeigt.

00:32:07: Denn das war, man sagt ja gerne, das Vorspiel zum Zweiten Weltkrieg.

00:32:11: Also da haben die Nazis ihre Waffensysteme ausprobiert, da haben die Russen ihren Stalinismus ausprobiert in einem anderen Land.

00:32:20: Und da krachten diese beiden Systeme aufeinander und haben sich überboten in Grausamkeiten.

00:32:25: Es ist aber in Spanien natürlich sehr komplex, weil es auch echte gesellschaftliche Probleme gab zwischen Arm und Reich, Stadt und Land, katholisch und weniger oder säkular.

00:32:36: Und diese ganzen Konflikte sind ein großes Bündel.

00:32:39: Insofern ist die Geschichte nicht einfach, aber ich habe versucht, sie aus subjektiven Perspektiven zu erzählen.

00:32:46: Und dann kommt man natürlich oft fantastische Figuren wie Hemingway, George Orwell, Robert Kappa.

00:32:51: Aber auch, und die Namen muss ich jetzt nennen, die große Philosophin Simone Way, die so jung gestorben ist, weil die war nur ein paar Tage dort, dann hat sie sich den Fuß verbrüht an siebendem Öl im Feld, die war an der Front, und musste nach zehn Tagen eigentlich schon den Ort räumen und hat dann darüber geschrieben, dass ich es heute Neunzig Jahre später mit absoluter Ergriffenheit lese, so klug, nämlich, sie erzählt uns was über Gewalt als solche und was Gewalt mit uns macht.

00:33:21: Und dann, Andreas, ist bei solchem Schreiben der Ukrainekrieg im Hintergrund immer da.

00:33:29: Ich muss das Wort gar nicht hinschreiben.

00:33:31: Wenn du über Krieg und Gewalt sprichst, können wir aus unserer Geschichte nicht raus, der deutschen Geschichte.

00:33:36: Und dann kommen wir aus der Gegenwart nicht raus, die der Ukrainekrieg und... das fürchterliche Leid und diese immense Gewaltentfesselung ist.

00:33:44: Also im Grunde ist es auch für mich eine Reflexion über die Gegenwart.

00:33:49: Wie wären wir denn?

00:33:51: Und jetzt denkt mal an die Werbpflicht, die weder dich noch mich trifft.

00:33:54: Naja, mich hat es ja schon damals getroffen, aber ich habe halt Zivildienst geleistet.

00:33:59: Und ich auch.

00:34:00: Wir sind beide.

00:34:01: Würden wir heute dasselbe nochmal machen, darf ich dir das kurz fragen?

00:34:04: Würdest du noch mal verweigern wie damals?

00:34:06: Nein,

00:34:06: würde ich nicht.

00:34:07: Habe ich auch lange drüber nachgedacht, ist tatsächlich so, würde ich nicht.

00:34:10: Ich habe ja viele Stories inzwischen auch gemacht mit der Bundeswehr.

00:34:15: Ich war auf einem Flugzeugträger, der Amis im Krieg quasi.

00:34:19: Ich war in der Ukraine, ich war in Butcher, ich habe das alles gesehen und ich würde wahrscheinlich heute anders denken, aber ich bin auch heute keine neunzehn Jahre mehr alte.

00:34:30: Ja.

00:34:30: Ja, es geht mir, also beim Nachdenken geht es mir ähnlich.

00:34:33: Ich

00:34:33: habe mit neunzehn keine Verantwortung für das Land empfunden.

00:34:37: Wirklich nicht.

00:34:38: Und ich hatte keine Kinder.

00:34:39: Ich meine, du weißt es selber, wenn man Kinder hat, hat man nochmal eine ganz andere Verantwortung, die Freiheit, in der die leben zu verteidigen.

00:34:48: Also von daher, heute würde ich es anders machen, aber ob der neunzehnjährige Chrom auch das anders machen wird, weiß ich

00:34:53: nicht.

00:34:53: Wie ist bei dir?

00:34:54: Interessant, oder?

00:34:55: Ja, ich kann mich da auch wieder finden, mit dem was du sagst.

00:34:58: Ich würde heute nicht mehr so argumentieren wie damals.

00:35:01: Ich muss dazu sagen, dass ich damals, weil ich das Beispiel meines älteren Bruders vor mir hatte, der ist zweimal durchgerasselt bei dieser Befragung, diesem Gremium.

00:35:12: Und die haben ihm vorgeworfen, er habe politisch argumentiert und es musste religiös sein, wenn du dich erinnerst.

00:35:18: Absolut.

00:35:19: Ich hatte die Vorlagen, man bekam die ja nicht im Internet, das gab es damals noch nicht, sondern man bekam die dann von Freunden, musste, glaube ich, zehn Marktzahlen für so eine Kopie oder so.

00:35:29: Und dann musste man das quasi abschreiben, weil wenn man einen kleinen Fehler gemacht hat, war man drin.

00:35:34: Und ich habe was anderes getan.

00:35:36: Ich habe, ich weiß nicht auf wessen Empfehlung, einen Wochenende in einem Kloster eingelegt und mich briefing lassen von einem Mönch, der das öfter machte, um Leute vorzubereiten auf diese Prüfung, auf dieses Gremium, das einen ja da abfragt und auch aufs Glatteis führt.

00:35:53: Und da hatte ich dann die römische Bischofsynode und das zweite Vatikanum.

00:35:57: Ich hatte das drauf.

00:35:58: Die Augmentationslinien waren klar und ich konnte erkennen bei der Prüfung, dass die mich auch aufs Latteis geführt haben.

00:36:07: Also das war damals und ich vermute bei mir, ich verdächtige mich jetzt ein bisschen, dass ich damals auch deswegen nicht hin wollte, weil ich neun Jahre spinnt und Gemeinschaftsdusche hatte.

00:36:21: Ich brauchte nicht noch mehr davon.

00:36:23: Ich war durch.

00:36:24: Aber man hat nicht heute auch das Gefühl, dass die heutige Bundeswehr ne anderes als die zu der damaligen Zeit?

00:36:31: Ich kann das nicht sagen.

00:36:32: Ich kann das sagen.

00:36:33: Ich war oft besucht.

00:36:34: Ich bin oft den unterwegs gewesen und finde, dass das alles so viel moderner und offener geworden ist.

00:36:41: Natürlich auch mit vielen Frauen.

00:36:45: Das hat sich

00:36:47: schon sehr geändert,

00:36:49: muss man sagen.

00:36:50: Aber gut.

00:36:50: Es hat sich geändert.

00:36:51: Ich habe den größten Respekt vor denen, die das tun, weil es absolut wichtig ist.

00:36:55: Damit wir daran keinen Zweifel lassen.

00:36:57: Landesverteidigung ist eine Sache, die Opfer kostet.

00:37:00: Und das ist in jedem Land so.

00:37:02: Und deswegen finde ich auch so eine Totalverweigerung und sagen ohne mich, wie das jetzt aus AfD-Seite auch, glaube ich.

00:37:09: zu hören war.

00:37:12: Die würden rausgehen, dachte ich, ah, so ist das mit eurem Nationalismus, das hatte ich nicht gedacht.

00:37:18: Das war total

00:37:19: überraschend.

00:37:20: In der Prenzlau-Serie des Kollegen Simon Strauß kommt das ja genauso vor und sagt, Prenzlauer abgeordnete Teichner.

00:37:28: Richtig, richtig.

00:37:29: Und da habe ich es ja auch gehört und er hat das ja auch im Dialog mit ihm da rausgekitzelt und hat das ja sowohl im im Podcast, wie auch im Buch dann geschrieben.

00:37:39: Aber es wird schwierig, sich als Patriot zu verkaufen, wenn man der Erste ist, der weg ist.

00:37:44: Ja, das finde ich, das geht so nicht.

00:37:46: Das muss man irgendwie anders handhaben, also in meinen Augen.

00:37:49: Aber deine Eingangsfrage war ja, wie würden wir handeln, wenn wir neunzehn wären?

00:37:54: Das wissen wir nicht genau.

00:37:56: Aber tatsächlich habe ich beim Schreiben des Buches über Krieg diese Frage mir immer wieder gestellt, denn ich halbe einzelne Beispiele von So unglaublicher Tapferkeit.

00:38:07: Es gibt einige Spanier, die weniger bekannt sind in Deutschland.

00:38:11: Also die Namen wie Hemingway George Orwell, die kennt man natürlich Arthur Köstler.

00:38:16: Übrigens der junge Willy Brandt war siebendreißig in Barcelona während des Krieges und hat, der war dreinzwanzig, vierundzwanzig und hat den George Orwell kennengelernt.

00:38:25: Das war eine Sache, die ich vor zwei Jahren nicht wusste.

00:38:30: Das sind dann so Sachen, die man im Buch dann auch erzählen kann, oder dass die Kinder von Thomas Mann, Erika und Klaus, nach Spanien fahren drei Wochen an die Front und wollen mal gucken, wie es ist und haben natürlich voller antifaschistischem Glühn das Ganze verfolgt, haben die Lage aber komplett falsch eingeschätzt.

00:38:50: Und die Essays von denen, die ich natürlich gelesen habe, die verraten das, dass sie, die sind so überwältigt von dieser Ja, wie soll ich sagen, ist ein antifaschistischen Geist und die Stadt Madrid kann nicht untergehen, wird nie unter.

00:39:05: Ja, aber ein paar Monate später ist sie untergegangen.

00:39:10: Und das ist nicht allein der Geist, der da hilft, man muss ja die richtigen Waffensysteme haben, man muss die richtigen Schützengräben bauen und andere Dinge tun.

00:39:18: Und das war für mich tatsächlich auch eine, ich habe viel Militarier gelesen, also Militärgeschichte und andere Dinge über den Krieg.

00:39:27: Das war für mich auch eine große Lernerfahrung.

00:39:30: Und ich schaue seitdem anders auf diese Debatten.

00:39:34: Wird das Buch eigentlich auch in Spanien auf spanisch erscheinen?

00:39:37: Es gibt schon zwei Verlage, die sich interessieren, die sich das angucken wollen.

00:39:40: Aber ich bin tatsächlich in diesen Tagen an der letzten Korrektur der Umbruch-Fahne.

00:39:47: Und wenn die dann durch ist im Januar kriegen, diese Verlage kriegen die Fahne, dann können sie gucken.

00:39:53: Und ich würde mich natürlich freuen.

00:39:54: Ich könnte mir denken, dass es auch für Spanier interessant

00:39:57: ist.

00:39:58: Wer uns bis jetzt aufmerksam zugehört hat, der wird schnell merken, Jacobsweg, Spanien, Bürgerkrieg, Spanien, Korrespondent in Logisch, Spanien, fast, hast du es schon am Anfang gesagt, zwanzig Jahre Madrid.

00:40:11: Jetzt muss ich dir direkt eine Frage stellen.

00:40:13: Real oder Atlético?

00:40:14: Real.

00:40:15: Aber das hat ein... völlig irrationalen Hintergrund.

00:40:18: Also die meisten meiner Matriter Freunde sind Athletico-Fans, der König ist Athletico-Fan, einer der besten.

00:40:26: Weil

00:40:27: real ist doch eigentlich königlich Madrid, oder?

00:40:30: Ja, das ist ein bisschen ein Irrtum, weil das ist eine deutsche Sportschöpfung.

00:40:35: Das ist eine Aufklärung jetzt und für alle unsere Hörer und Hörerinnen, die das noch nie gehört haben, du hast recht, real heißt königlich.

00:40:45: heißt aber auch wirklich, aber in dem Fall heißt es königlich, aber viele, viele spanische Vereine haben dieses Wort vor dem Vereinsnamen.

00:40:52: Also Mallorca, Saar-Gossa und viele andere.

00:40:56: San Sebastian, also viele Vereine, aber nur Real Madrid wird königlich genannt und auch nur von der deutschen Sportpresse.

00:41:04: Nicht in England, nicht in Spanien selber.

00:41:07: Da nennt man sie Los Blancos, die weißen, weil sie in weißen Heimtrikos immer antreten.

00:41:13: Und das ist einfach eine Sache, die sich einschleicht im Journalismus.

00:41:17: Manchmal bleiben Begriffe hängen wie ein Wort, das kein Mensch auf der Welt damals verstanden hat, warum die Deutschen ihr Smartphone Handy nennen, aber so war es nun mal damals.

00:41:28: Wir erinnern uns ja und das ist natürlich irgendwann klebt das dann dran und bleibt für immer.

00:41:34: Also wieso jetzt irrational real?

00:41:35: Du musst das noch kurz erklären.

00:41:37: Ja.

00:41:37: Am Tag, als ich umzog, also im Auto ein Schlafsack und eine Zahnbürste praktisch, ich führte das Auto, ich führte das Auto von Frankfurt, wo ich meine Wohnung leergeräumt hatte.

00:41:51: Meine Frau und unsere kleine Tochter waren nach München, damit ich erst mal die ersten paar Tage das vorbereiten kann.

00:41:57: Ich habe das Auto überführt, erste Übernachtung und die einzige Übernachtung in San Sebastian, im Baskeland, und ich checke ein.

00:42:07: Und ich mache abends den Fernseher an, bin völlig erschöpft und da spielt im Endspiel Real Madrid gegen Juve.

00:42:13: Und gewinnt als Außenseiter eins zu null, Trainer, halte ich fest, Andreas, Jupp Heynckes, der danach gefeuert wurde.

00:42:21: Der

00:42:22: übrigens genauso vom Niederrhein kommt wie du.

00:42:24: Macht mich fertig.

00:42:25: Genau, Jupp Heynckes, der große Trainer, wird gefeuert nach einem Champions-League-Sieg, weil die Liga-Saison schwach war.

00:42:34: Abend des Vorgetages oder am Nachmittag komme ich in Madrid an, beziehe die Wohnung mit eben jener Zahnbürste und dem Schlafsack und gehe abends in die Stadt.

00:42:42: Und eine Million Menschen sind da, um mich zu begrüßen.

00:42:47: Aber es war natürlich um den Titel zu feiern.

00:42:49: Und ich habe es empfunden, wie eine Begrüßung und ein Omen.

00:42:53: Und tatsächlich war es ein Omen.

00:42:54: Es war der erste Champions League-Win seit vielen, vielen Jahren, seit Jahrzehnten.

00:42:59: Und er hat sich dann alle zwei Jahre für eine Weile wiederholt.

00:43:04: Also, ich dachte, das bin ich.

00:43:09: Ich bin Talisman für die.

00:43:11: Ich bin ins Stadion gegangen.

00:43:12: Ich habe darüber geschrieben.

00:43:13: Ich habe gegenüber Barcelona natürlich großen, respektfabelhafte Mannschaft.

00:43:19: Aber ich will das wir gewinnen.

00:43:23: Und ich freue mich über jede Niederlage von Barcelona.

00:43:28: Und ich leide mit meiner Mannschaft.

00:43:29: Hast du den

00:43:30: Klassikor auch im Stadion schon gesehen?

00:43:32: Ganz oft.

00:43:33: Ich bin oft nach Barcelona gefahren.

00:43:34: Ich habe die schrecklichsten Niederlagen übrigens.

00:43:37: Ich habe drei der schrecklichsten Real Madrid-Niederlagen im Stadion erlebt, das zero zu fünf in Barcelona, das zwei zu sechs in Bernabeu und ein weiteres zero zu vier.

00:43:49: Mit Messi sehr oft Ronaldinho.

00:43:51: Also ich sehe tatsächlich, wenn ich abends vor dem Einschlafen sehe, ich das Tor Wie Xavi, der große Mittelfeld, man auch mit einem Lupfer über Cassillas noch ein Tor schießt.

00:44:04: Also ich sehe diese Tore nicht alle, aber viele von ihnen.

00:44:06: Und das weiß ja jeder Fußballfan.

00:44:08: Wir haben ja auch schon mal im Podcast über Fußball geredet.

00:44:11: Jeder weiß, dass diese Tore sind.

00:44:14: Es ist ein bisschen wie für die Kinder.

00:44:16: Das sind die Träume der Kinder und die bleiben für immer.

00:44:20: Weit über unsere Kultur und unsere gebildeten Sachen hinaus bleiben die Tore.

00:44:25: Absolut.

00:44:29: Ich kann auch nicht weg davon.

00:44:30: Ich bin Köln Fan in Deutschland und ich bin Real Madrid Fan in Spanien und mit beiden Mannschaften leite ich.

00:44:35: Ich will jetzt auch gar nicht allzu viel mit dir über Fußball quatschen.

00:44:38: Könnte sein, dass wir beide uns darin verlieren.

00:44:41: Aber du hast gerade schon kurz angesprochen, wer dich noch nie im Bücher-Podcast gehört hat und sich für Fußball interessiert.

00:44:47: Also dem hänge ich eine Folge nicht nur ans Herz, sondern direkt in die Show Notes, in dem du nämlich mit dem Autor Javier Caférez, habe ich bestimmt falsch ausgesprochen, und ein bisschen falsch, sag es einmal richtig.

00:45:01: Kafferes und auch unserem Herausgeber Jürgen Kaubert, der ist übrigens auch so ein Fußball-Affizionale, wie du, über ein ganz besonderes Büchlein sprecht zusammen.

00:45:11: Magst du ganz kurzen Tieser geben?

00:45:13: Ja, hinreißen und zwar kann ich tatsächlich sagen aus der Frühzeit, weil ich neben diesem geschätzten Kollegen Kafferes ja oft an der Bar gesessen habe und er zeigte mir sein Notizbuch, wo er Fußballspieler, große Spieler animiert hatte ihr schönstes Tor zu zeichnen.

00:45:32: Und das trug er über Jahre mit sich und hat nach Interviews dann immer noch ein ganzes Zeichen hier ein bisschen.

00:45:38: Und die haben mal so, mal so reagiert.

00:45:40: Viele haben ihm das ins Bücheln gezeichnet.

00:45:43: Andere sagten, ich kann doch gar nicht zeichnen.

00:45:45: Wieder andere haben eine große Geschichte erzählt.

00:45:48: Langrede kurzer Sinn.

00:45:49: Er hatte nach über zehn Jahren eine schöne Sammlung.

00:45:53: Und ich sagte zu ihm, aber du musst ein Buch draus machen.

00:45:55: Und irgendwann hat er das Buch gemacht, das da heißt Tore wie gemalt.

00:46:00: Und ein Buch, das sowohl Zeichnungen wie Text vereint.

00:46:06: Und darüber haben wir damals im Podcast gesprochen.

00:46:08: Und er hat wirklich, er hat von Pele über Netzer und er hat ganz viele Leute bekommen.

00:46:15: Er hat leider nicht Messi und Ronaldo bekommen, an die war einfach nicht heranzukommen.

00:46:20: Aber er hat andere große legendäre Spieler, auch der Brasilialer, der Franzosen und so weiter.

00:46:26: Und das ist natürlich ein toller Zugang, denn er geht sofort in das Thema, was erinnern wir denn, wenn wir etwas Schönes und Erregendes und Großes erinnern?

00:46:37: Und die Geschichten dazu verraten immer etwas über die Persönlichkeit.

00:46:41: Ich mache nur ein Beispiel, weil es so charmant war.

00:46:45: Da hat einer der Elfmeterschützen Es ging um einen Elfmeter, das war das wichtigste Tor für ihn, nicht das Schönste, aber das Wichtigste.

00:46:52: Der hat das Tor ganz klein gezeichnet und den Torwart riesig.

00:46:56: Weil er dachte, das ist das Psychogramm des Elfmeterschützen.

00:47:00: Der sieht das Tor kaum.

00:47:02: Der sieht diesen Giganten auf der Linie, der seinen Ball halten will.

00:47:06: Und solche kleinen Einsichten sind in dem Buch, aber auch natürlich wunderbare Geschichte des Fußballs der letzten fünfzig Jahre.

00:47:14: Und Jürgen Kauber hat natürlich ein bisschen von Werder Bremen auch erzählt, aber auch von anderen.

00:47:19: Wir haben uns dann ja auch als Vorbereitung alte YouTube-Videos angeschaut und haben alle erkannt, dass wir uns auch manchmal falsch erinnern, Andreas.

00:47:33: So ist das.

00:47:35: Nicht nur Fußballstadien, muss man sagen, hast du besucht, sondern auch auf die Gefahr hin, dass du bei einigen die bisher erworbenen Sympathien leicht verspielst, Stierkampf erinn.

00:47:49: Das übt, hat ne, oder tut's immer noch, weiß ich nicht, große Faszination auf

00:47:53: dich ausgehübt.

00:47:54: Ja, das tut es und dazu muss man unbedingt vorausschicken, dass ich niemanden animieren will, etwas zu tun, was er oder sie nicht möchte.

00:48:03: Ich will also keinen überzeugen oder missionieren, sondern der Stierkampf ist einfach ein Kulturphänomen in der spanisch-sprachigen Welt, auch in manchen lateinamerikanischen Ländern.

00:48:14: Und als solches kann man ihn studieren, denn es hat natürlich sehr viel mit Regelwerk, mit Überlieferung zu tun, aber auch mit einem gewissen Ethos.

00:48:23: Und ich habe mich seinerzeit sehr gefreut, als Simon Strauss mich bat, auch mal im Podcast darüber zu sprechen.

00:48:31: Und wir haben auch dann Stilkampfleute ans Mikro bekommen, die davon erzählt haben.

00:48:38: Und das ist ein so eigenes Denken, das mag für ganz viele befremdlich sein.

00:48:42: Aber für mich hat einiges an Erfahrung dort, besonders auf der Stierkampf oder auf der Stierweide oder beim Züchter, der mit den Stieren arbeitet, die sie sehr lange pflegt.

00:48:56: Das hat mein Blick auf die Welt verändert.

00:48:59: Tatsächlich, es gibt ein Ethos dort, das ich bewundere.

00:49:04: Und es gibt auch eine Art von Tapferkeit und Mut bei Stierkämpfern, bei bestimmten Stierkämpfern, dass ich spüre und Das ist eine Sache, die mir so fern und so fremd ist, nämlich meine Haut zu riskieren vor diesen gigantischen Hörnern.

00:49:21: Das wäre jetzt abendführend, aber das soll es ja hier für uns heute nicht sein.

00:49:25: Nur eine Andeutung davon, dass ich weiß, dass einige Männer, einige Frauen davon sehr berührt werden.

00:49:32: Und wir wählen uns ja das nicht, was uns berührt wäre.

00:49:36: Das bei Wagner-Opern empfindet, der geht Wagner nach.

00:49:40: Und das mag jetzt merkwürdig klingen, dass ich es mit Kultur vergleiche.

00:49:45: Aber es ist natürlich eine Kultur und man könnte sogar argumentieren, es hat einen Nachhaltigkeitsaspekt, denn die Kampfstiere sind eine gezüchtete Form.

00:49:56: Diese Burschen dürfen fünf, sechs Jahre fantastisch leben auf der Weide.

00:50:01: Und ich glaube, die allermeisten Nutztiere des Menschen würden dieses Leben wählen.

00:50:09: Man kann auch argumentieren, warum muss es dann in der Arena so blutig zu Ende gehen.

00:50:13: Aber das sind die letzten, letzten zwanzig Minuten.

00:50:16: Ich argumentiere eher, dass die fünf, sechs Jahre ist der Stier wie ein König und ich kenne kein Tier, das besser lebt als der Kampfstier auf der Weide.

00:50:27: Meine älteste Tochter würde jetzt sagen, ist doch grausam Eintrittsgeld zu bezahlen, um zuzugucken, wie ein Lebewesen getötet wird.

00:50:35: Gut.

00:50:37: Das geht ja nicht nur darum.

00:50:37: Ich möchte immer dazu sagen, dieser Aspekt ist wichtig, den deine Tochter da sagt.

00:50:42: Und der ist absolut respektabel und steht dann neben den anderen Aspekten.

00:50:47: Wir haben ja doch manchmal Andreas Dinge, die nebeneinander stehen und die sich für den einen so toppen und für den anderen so.

00:50:56: Okay, Paul, wir beenden mal mal dritt.

00:50:59: Das hast du.

00:51:01: verlassen nach oder nicht?

00:51:03: Sechzehn war es, ne?

00:51:04: Zwei, sechzehn.

00:51:05: Also

00:51:06: achtzehn Jahre da.

00:51:07: Seitdem in Berlin, jetzt will ich gar nicht allzu lange mit dir über Berlin sprechen, sondern eher fragen, wo wirst du denn die nächsten Jahre verbringen?

00:51:15: Also ich werde sicherlich in Berlin bleiben, weil ich gute Freunde gewonnen habe, Teile meiner Familie hier leben und es gibt sehr, sehr gute Freunde hier zu bleiben.

00:51:27: Aber ich habe immer ein Herz sozusagen.

00:51:31: halb in Spanien und ich bin immer wieder dort und sehr gern dort.

00:51:36: Aber auch andere Reisen werde ich machen.

00:51:38: Und insofern, wenn man mich jetzt fragt, würde ich sagen, wenn in Deutschland irgendwo dann, würde ich doch sagen, am ersten in Berlin in dieser großen, etwas schmuddeligen, abgeranzten, aber dann auch wieder sehr weltoffenen Stadt.

00:51:53: Welcher ist dein Lieblingsstarteil da?

00:51:55: Ich wohne in Charlottenburg, weil ich ein Kind des Westens bin, des alten Westens.

00:52:00: Und mich hat es nicht so sehr in die neueren, sozusagen erschlossenen oder gentrifizierten Stadtheile gezogen, auch wenn ich oft dort bin, also in Mitte oder in Prenzlauer Berg.

00:52:11: Ich wollte immer in Charlottenburg wohnen, weil das Berlin ist, was ich mit fünfzehn kennengelernt habe, als es die Mauer gab.

00:52:18: Und ich habe einfach eine große Liebe zu diesen Straßen.

00:52:24: Ich hatte mir eigentlich noch die Frage aufgeschrieben, die hast du schon am Anfang beantwortet, ob du den ehemaligen FHZ-Literaturchef Marcel Reichranitzki noch persönlich kennengelernt hast.

00:52:34: Ja, da hab ich.

00:52:36: Das ist eigentlich, um es ganz kurz zu bündeln, die Tatsache, dass er in Ruhestand ging.

00:52:41: Und jetzt ist das Wort auch nicht angebracht, aber er ging in Ruhestand, er hat also offiziell aufgehört, er hat es an Frank Schirmacher übergeben.

00:52:48: Das war der Grund, dass ich in Kontakt mit der FAZ-Trat in Schirmacher suchte, Leute seiner Generation als freie Mitarbeiter.

00:52:57: So fing ich an, eher wirklich zwischen Tür und Angel, zufällig.

00:53:01: Und er hat mir dann auch wirklich per Telefonat den Job angeboten, wollen sie Redakteur werden.

00:53:08: Und ich sagte, ja, ich war in einer Münchner WG.

00:53:12: Und wir hatten zu vier Leuten so ein WG-Telefon.

00:53:15: Du wirst dich erinnern, Andreas, wenn es die Kabel waren, verknubbelt und verkrumpelt.

00:53:19: Und man schleifte sie acht Meter durch die Zimmer.

00:53:23: Und so habe ich meinen Job bei der FrZ angenommen.

00:53:26: Und ich habe, das kann ich dir jetzt bekennen.

00:53:29: Und also auch den Hörerinnen und Hörerinnen.

00:53:32: Ich habe in meinem Leben keine Bewerbung geschrieben.

00:53:34: Keine Einzige.

00:53:36: Wirklich.

00:53:36: Und kein Vorstellungsgespräch, doch eins bei der FHZ, bei allen Herausgebern.

00:53:41: Das

00:53:41: ist die Herausgeberrunde auf die Musee?

00:53:43: Die

00:53:43: Runde, die Runde.

00:53:45: Und da hat mir, weil ich das Werk von einem früheren Herausgeber namens Johann Georg Reismüller so genau nicht kannte, hat dieser Freund, der ein eifriger FHZ-Leser war, der hat mir den witzigen Tipp gegeben.

00:53:57: Denk immer an die kleinen Völker.

00:54:00: Ja, Reismüller mag die kleinen Völker, die sich wehren gegen den Hörer.

00:54:04: Und dann sah Reismüller in meinem Lebenslauf, dass ich ein Jahr in Irland studiert habe.

00:54:10: Und dann sagte er, ah, sie waren in Irland.

00:54:11: Dann sagte ich, ja, sehr kleines Volk, das sich immer aufgelehnt hat gegen die Britten.

00:54:17: Und dann hatte ich gewonnen.

00:54:18: Und so ging das dann durch die Herausgeberrunde morgens um acht im tiefsten Winter.

00:54:25: Und ein damaliger Geschäftsführer empfing mich wirklich im Dreirayer.

00:54:29: Fantastisch angezogen und so und gekämmt und mit Zigarre, morgens um acht.

00:54:35: Und das war crazy, das war die FAZ von damals.

00:54:38: Aber das ist der Grund, dass ich das... Und weil du nach ihm fragt, ist Reich Ranicki, der hat dich, glaube ich, über meinen allerersten Artikel als Redakteur aufgeregt, weil ich seinen geliebten John Abdike ein bisschen ironisch behandelt habe.

00:54:54: Aber nachher war es ganz... nett, wenn ich sogar süß mit ihm, weil er mich mal ins literarische Quartett einlut und wirklich wie ein Vater war, der wollte sich kümmern.

00:55:06: Der war der netteste von allen dort.

00:55:09: und dann hat er in den Wochen danach mich da und angerufen und sagt, wir haben wieder tausend Bücher mehr verkauft.

00:55:18: Also die Titel, die wir besprochen hatten, er wollte unbedingt natürlich Exemplare verkaufen und Das war ja fantastisch für die Buchindustrie.

00:55:27: Er war ja ein Segen.

00:55:29: Und leider ist eben das auf dem Niveau nicht mehr zu haben im deutschen Fernsehen.

00:55:33: Leider, leider.

00:55:36: Sein liebster Satz, also Reichranitzki, so hört man hier von anderen Elternkollegen, soll gewesen sein, es gibt gute Bücher und es

00:55:42: gibt schlechte

00:55:42: Bücher.

00:55:43: Wenn du dich jetzt als Literat und auch Literaturkritiker ... Lieber Paul, entscheiden müsstest drei Bücher auf die berühmte Inseln mitzunehmen oder jetzt zwischen den Jahren nochmal zu lesen oder dringend anzuempfehlen.

00:55:58: Das muss ich dich einfach fragen.

00:56:00: Und ich habe es dir auch.

00:56:01: Kann ich allen Hörerinnen verraten?

00:56:02: Ich habe dir das vorher nicht gesagt, dass ich dich das frage, um völlig aus deinem Gefühl heraus jetzt auch nur anfangen

00:56:08: zu

00:56:09: bekommen.

00:56:09: Du darfst auch von mir aus nur zwei oder vier nennen.

00:56:12: Nee, ich nenne drei und ich nenne zwei ewige und ein etwas Neures.

00:56:18: Erste Ewige ist mein Haus, Gottbrust.

00:56:20: Leider auf der Suche nach der verlorenen Zeit.

00:56:22: Leider sieben Bände, vierenhalb tausend Seiten, wenn sie mögen.

00:56:25: Und ich hoffe es am Ende meines Lebens sechs, sieben Mal gelesen zu haben.

00:56:29: Und ich bin bei Nummer vier beim Durchlauf, sozusagen.

00:56:31: Das ist aber... Das hat wie viel Zeit gesagt, sagst du noch mal?

00:56:33: Viertausend?

00:56:34: Vierenhalbtausend.

00:56:35: Aber das ist jetzt wirklich...

00:56:36: Das ist schon viermal gelesen.

00:56:38: Ich bin viermal.

00:56:38: Ich bin genau hin, was der Typ für ein Freak ist.

00:56:40: Aber Moment, ich hatte doch... Wir haben doch am Anfang gesagt, Flucht.

00:56:45: Ich habe es tatsächlich im Ende... Im Internat schon zweimal gelesen.

00:56:49: Flucht.

00:56:50: Und das ist nicht immer edel, sondern tatsächlich manchmal nur Flucht.

00:56:54: Das zweite Buch, das ich einer meiner absoluten Lieblingsromane neben den tollen Roman von Flo Bär und Tolstoy ist das Porträt einer Dame von Henry James.

00:57:03: Ich werde nicht müde, das wiederzulesen.

00:57:07: Das ist ein grandiose Roman.

00:57:08: Und das dritte Buch ist ein aktuelles Weil es wirklich erst vor wenigen Monaten neu erschienen ist, ein Buch aus dem Jahr, ich glaube, der letzten Jahrhunderts.

00:57:19: Aber eine neue Entdeckung für das deutsche Publikum.

00:57:23: Maria Giudite de Cavallo, leere Schränke, unter dem Titel findet man es ganz leicht.

00:57:29: Schmales Buch, Geschichte einer Portugiesin in den Sechziger Jahren unter der Diktatur, die entdeckt nach dem Tod ihres Mannes, dass er sie betrogen hat und die einfach ihr Leben anschaut.

00:57:41: Und das ist jetzt nicht sensationell als Handlung, wie die allermeisten Romane ja nicht sensationell als Handlung sind.

00:57:49: Es ist einfach fantastisch in der Sprache, sehr kunstvoll.

00:57:52: Und diese Frau, die viele Jahre in Frankreich gelebt hat, war für mich eine echte Entdeckung als Roman-Künstlerin.

00:58:00: Leider hat sie nur diesen eingeschrieben.

00:58:03: Was liest du gerade?

00:58:04: oder gehörst du zu den Menschen, die parallel immer mehrere Bücher gleich machen?

00:58:08: Ja, ich habe ein paar, aber ich bin wieder ein Junkie vom Bürgerkrieg, nur vom amerikanischen jetzt.

00:58:12: Ich lese gerade, die habe gerade als Hörbuch gehört, die Autobiografie von Grant, den großen General im amerikanischen Bürgerkrieg.

00:58:23: und dem amerikanischen Präsidenten übrigens und habe das dann kontrastiert mit dem gegenwärtigen Präsidenten und das ging nicht gut aus für den gegenwärtigen Präsidenten.

00:58:32: Aber ansonsten, ich lese gerade sehr viel über den amerikanischen Bürgerkrieg, weil ich offenbar gerade vom Krieg nicht los komme.

00:58:39: Jetzt, wo du das fragst, muss ich das sagen.

00:58:42: Ich komme offenbar vom Krieg nicht los.

00:58:44: Wir beide haben auch eine ganz spannende Sendung zusammengemacht.

00:58:47: Da hast du nämlich den

00:58:49: australischen,

00:58:51: wie nennt man ihn denn?

00:58:52: Sanitäter ist jetzt das falsche Wort, wahrscheinlich nicht.

00:58:54: Journalisten und Autoren würde ich mal sagen, der aber seit wie vielen Jahren im Ukraine-Krieg mitwirkt.

00:59:01: Der ist seit, ja du hast gute, gute Frage.

00:59:04: Ich glaube jetzt bald drei ist er aktiv als Sanitäter und ich wollte ihn auch in diesen Tagen.

00:59:10: ein gewisser Howard Hunt, genau, wir haben einen wunderbaren Podcast gemacht.

00:59:14: Er ist auch ein großer Entertainer und er ist einer von den Menschen, die als Schriftsteller dahin gehen, wo es gefährlich wird, weil sie sagen, das ist die Wirklichkeit, über die ich schreiben will.

00:59:25: Und das ist natürlich ein Impuls, den wir in der Geschichte immer wieder erleben, dass Leute nicht nur spanische Bürgerkriege, aber eben viele Kriege in die Autoren gehen, um sie zu erleben, weil sie sagen, das ist das, was jetzt gerade ansteht.

00:59:43: Und ich muss davon berichten.

00:59:44: Und er gehört zu denen.

00:59:46: Er ist natürlich mit der vollen Absicht gegangen.

00:59:48: dass er ein Buch schreibt.

00:59:50: Aber zunächst einmal hatte er eine knochenharte Sanitäterausbildung gemacht, hat sich in Gefahr begeben und begibt sich in Gefahr und bekommt extrem wenig Geld dafür.

01:00:01: Andreas, das will man sich gar nicht ausmalen.

01:00:04: Also auch diese Sendung hänge ich gerne noch mal in die Show notes, gerne noch mal zum Nachhören.

01:00:10: Also ich fand das damals super interessant.

01:00:13: Okay Paul, wir sind am Ende.

01:00:17: Angekommen.

01:00:18: Wir sind längst in der zweiten Halbzeit.

01:00:21: Andreas, ich danke dir sehr.

01:00:24: Danke dir auch von unserem gesamten Team übrigens, soll ich ausrichten, für deine Begeisterung fürs Podcast.

01:00:29: Ja und sag bitte deinem Team, ich liebe sie, sie sind ein tolles Team und mir macht natürlich auch die Zusammenarbeit gigantischen Spaß und ich wünschte, dass ihr größer und mächtiger und stärker werdet.

01:00:46: Man kann nie genug machen in der Richtung Audio.

01:00:49: Ich finde es ganz toll.

01:00:51: Wir werden dich vermissen.

01:00:52: Lass mal wieder von dir hören.

01:00:54: Irgendwann sehen wir uns wieder, Andreas.

01:00:57: Tschüss und alles Gute, lieber Pauline.

01:00:59: Ich

01:00:59: danke dir.

01:01:00: Tschau.

01:01:00: Tschüss, Andreas.

Über diesen Podcast

Der Nachrichten-Podcast der F.A.Z. mit exklusiven Interviews zu aktuellen Themen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft. Der Podcast für Deutschland bietet Montag bis Freitag um 17 Uhr hintergründige und kontroverse Diskussionen mit F.A.Z.-Redakteuren.

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von und mit Frankfurter Allgemeine Zeitung

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