00:00:04: Herzlich willkommen zum FAZ-Podcast für Deutschland.
00:00:07: Es ist endlich wieder Montag, Montag, der XXI.
00:00:11: Januar.
00:00:12: Und das bedeutet, dass ich mich wieder aus Berlin melde.
00:00:15: Korinna Budras ist mein Name.
00:00:18: Ja, und bevor wir gleich so richtig loslegen, darf ich hier nochmal kurz die Werbetrommel rühren für unseren Live-Podcast am zweiten Februar in der Frankfurter Bar Schuka.
00:00:29: Dort können Sie die beiden geschätzten Kollegen Livia Gerster und Timo Frasch kennenlernen und die beiden unterhalten sich mit der Autorin Hannah Lümann.
00:00:39: über Männlichkeitsrituale und Heimchen am Herd, also über Treadwives Und Alpha-Männer würde ich mir an ihrer Stelle nicht entgehen lassen, jedenfalls solange es noch ein paar Karten gibt.
00:00:53: So, und jetzt kommen wir mal zu einem Thema, das in den vergangenen Tagen etwas von der großen Weltpolitik verdrängt wurde, aber das für unser Land in den kommenden Monaten ungemein wichtig wird.
00:01:07: Es geht um Sachsen-Anhalt und die Frage, ob dort nach der nächsten Landtagswahl zum ersten Mal ein AfD-Ministerpräsident regieren könnte.
00:01:18: Ja, und warum interessiert uns das schon jetzt, wenn die Wahl doch erst am zwanzigsten September ist?
00:01:24: Weil morgen der dienstälteste Ministerpräsident des Landes abtritt.
00:01:29: Gemeint ist Rainer Haseloff, ein und siebzig Jahre alt, seit fünfzehn Jahren Landesvater von Sachsen-Anhalt ertritt.
00:01:39: Knall auf Fall ab, könnte man sagen, um Platz zu machen für einen Jüngeren, nämlich den sechsenvierzig Jahre alten Wirtschaftsminister Sven Schulze.
00:01:49: Das ist ein Bestatio, ich würde mal sagen, ziemlich unbekannter Wirtschaftsingenieur, der jetzt alle Hebel in Bewegung setzen muss, um in den kommenden achten Monaten zu einem Landesvater zu reifen.
00:02:02: Das ist auch deshalb schwierig, weil Haseloff noch zu Beginn seiner Legislaturperiode im Jahr zwanzig-einundzwanzig das hier gesagt
00:02:09: hat.
00:02:10: Es wird meine
00:02:11: letzte Legislaturperiode sein.
00:02:14: Es wird eine Legislaturperiode
00:02:15: sein,
00:02:16: für die ich aber vollständig
00:02:18: und
00:02:20: ganzheitlich zur Verfügung stehe,
00:02:22: und zwar bis zum Ende.
00:02:23: Ja, und auf einmal hatte sich das alles anders überlegt und begründet seinen Schritt
00:02:28: nun so.
00:02:29: Wenn ich diese Entscheidung treffe,
00:02:31: Platz zu machen,
00:02:33: dann ist das eine Entscheidung, die ich für strategisch
00:02:37: wichtig halte im Sinne dieses Landes unterstabilität.
00:02:40: Das alles besprechen wir gleich mit unserem Korrespondenten für Sachsen-Anhalt, Reinhard Bingener, der übrigens in der heutigen Printausgabe über Haseloff und seine Rolle als Landesvater ein hinreißendes Stück geschrieben hat.
00:02:55: Sollten Sie das verpasst haben, können Sie noch mal auf Fatnet danach Ausschau halten.
00:03:01: Aber ich kann mir den Hinweis natürlich nicht verkneifen, dass manchmal eben Printleser oder auch E-Paper-Leser die Nase vorne haben.
00:03:10: Ja, und die bundespolitische Komponente gibt es natürlich auch und die bespreche ich wie so oft mit dem Kollegen Eckert Lose.
00:03:19: Dann würde ich sagen, legen wir los.
00:03:21: Schön, dass Sie dabei sind.
00:03:31: So, also zunächst werfen wir einen Blick in das Land der Frühaufsteher und viel wichtiger noch der Wiege der deutschen Kultur, wie Ministerpräsident Haseloff immer so schon sagt.
00:03:43: Und wenn man das tut, ist ein Gespräch mit Reinhard Bingener unverzichtbar.
00:03:48: Deswegen sage ich jetzt herzlich willkommen, lieber Reinhard.
00:03:52: Ja, Corinna, hallo, grüß dich.
00:03:54: Jetzt wird es also ernst.
00:03:58: Weiß man denn, wie er die letzten Stunden in seiner Staatskanzlei verbringen wird?
00:04:03: Nein, das weiß ich persönlich nicht.
00:04:05: Ich weiß nur, wie der geplante Ablauf ist.
00:04:07: Er hat am Freitag seinen Rücktritt eingereicht und der wird wirksam.
00:04:13: Morgen, Dienstag um vierundzwanzig Uhr und am Mittwoch steht dann die Wahl von Sven Schulze zum Ministerpräsidenten an, die soll um neun Uhr vierzig erfolgen.
00:04:23: Um zehn Uhr, fünfundzwanzig ist so sie denn.
00:04:26: erfolgreich ist die Vereidigung.
00:04:28: Und dann hat Haseloff erzählt, dass er danach seine Flitterwochen nachholen will, weil er hat demnächst goldene Hochzeit vor fünfzig Jahren am See.
00:04:36: geheiratet und er kamen allerdings damals, dass sie an verschiedenen Orten lebten, nicht zu den Flitterwochen und die wollen sie jetzt nachholen.
00:04:43: Ja, siehst du also wenigstens schöne Aussichten.
00:04:45: Das ist doch sehr gut.
00:04:47: Ja,
00:04:47: genau.
00:04:48: Weil der Weg dahin war ja ein bisschen holprig.
00:04:51: Wir kommen gleich nochmal auf Mittwoch.
00:04:53: Aber ehrlich gesagt müssen wir die letzten zwei, drei Wochen nochmal aufrollen.
00:04:58: Dann das kam ja ein bisschen wie Kai aus der Kiste.
00:05:02: Jedenfalls hat der Herr Haseloff, ist ja in seiner Legislaturperiode gestartet, mit der klaren Ansage, ich bleibe bis zum Schluss.
00:05:09: Und dann auf einmal vor zwei Wochen die Überraschung.
00:05:13: hat es dich denn eigentlich erwischt oder hat man das schon irgendwie munkeln hören?
00:05:17: Naja, das Szenario, das eine Amtsübergabe während der Legislatur erfolgt, war natürlich immer präsent und das ist auch nichts Unübliches.
00:05:28: Hat man jetzt auch schon in jüngerer Zeit in anderen Ländern gesehen, dass Ministerpräsidenten, die sozusagen ihren Absprung planen, immer mit dem Besprechen starten, die ganze Legislatur.
00:05:38: zu machen, weil sie ja nicht zu Lame Duck werden wollen und dann einen guten Grund finden, ungefähr zur Hälfte oder etwas später dann an den designierten Nachfolge das zu übergeben.
00:05:48: In Sachsen-Anhalt war die Lage so ein bisschen anders.
00:05:51: Und ich finde, es ist auch in gewisser Weise wirklich ein schönes Lehrstück über politische Mechanik.
00:05:57: Man muss sich vorstellen, bis zum vergangenen Sommer wollte eigentlich so die Mehrheit in der Sachsen-Anhaltischen CDU und auch weit drüber hinaus, Bundes-CDU, als selbst auch anderen Parteien, Wirtschaftskreise, die wollten das Haseloff weitermachen.
00:06:11: Denn er ist natürlich der mit Abstand bekannteste und beliebteste Ministerpräsident.
00:06:16: Und es ist natürlich auch so, wir haben eine wirklich große, vierzig Personen umfassende CDU-Fraktion, die sitzen alle auf Direktmandaten, aber natürlich weiß jeder in der Fraktion, dass er auch sein eigenes Direktmandat letztlich dem Wahl erfolgt von Rainer Haseloff vor fünf Jahren, im Jahr zwanzig, verdankt der Beliebtheit des Ministerpräsidenten.
00:06:37: Und daher war da so eine gewisse Dynamik, weil man die Rede von Bitprozession nach Wittenberg das Haseloff doch bitte weiter macht.
00:06:44: Geilt natürlich sicherlich nicht für jeden in der CDU, vermutlich auch nicht für Sven Schulze, aber das war so die Dynamik.
00:06:52: Und dann gab es eben die Entscheidung, die ist vermutlich gefallen.
00:06:56: im vergangenen Frühjahr, im August wurde sie dann verkündet.
00:06:59: dass Aseloff nicht noch mal antritt als Spitzenkandidat.
00:07:02: Das war eigentlich bis dahin immer so.
00:07:05: die Frage, macht er das noch mal oder macht er es nicht?
00:07:08: Dann war klar, er macht es nicht noch mal.
00:07:10: Sven Schulze wird Spitzenkandidat.
00:07:12: Das ist auch das Szenario, wie Aseloff selber in den Ankommen, er hat auch nicht vorzeitig übernommen, er war Wirtschaftsminister wie Sven Schulze und hat dann die Wahl gewonnen.
00:07:22: Und das wurde aber begründet unter Verweis auf Demokratieverständnis, meinte Haselow.
00:07:27: Also er hat versprochen, dass er bis zum Ende weitermacht.
00:07:29: Deswegen zieht er das durch.
00:07:31: Das sei sein Demokratieverständnis.
00:07:33: Und Sven Schulze hat gesagt, er wolle nicht vorzeitig ins Amt des Ministerpräsidenten gewählt werden.
00:07:39: Es sei ein Spielchen, er wolle nicht da reingeschoben werden.
00:07:42: Und ja, und das ist jetzt irgendwie alles so ein bisschen Schall und Rauch, diese sehr hohen Worte.
00:07:47: Das wirkt auch so ein bisschen ungünstig.
00:07:49: Und dahinter steckt natürlich, dass sich diese Mechanik nach dieser Ankündigung plötzlich gegen Haseloff kehrte.
00:07:56: Also es gab dann Umfragen, zwei Umfragen, die letztlich aussagen, dass dieser Sondereffekt von Haseloff wegfällt.
00:08:04: Also CDU und AfD lagen irgendwie nicht mehr gleich auf, dreißig, dreißig, sondern wie bei der Bundestagswahl.
00:08:10: AfD geht in Richtung vierzig, CDU bei sechsundzwanzig riesige Abstand zwischen beiden Parteien.
00:08:16: Man merkte, Dieser Haselhoff Effekt ist weg.
00:08:19: Schulze punktet bisher nicht richtig.
00:08:21: Und dann gab es eben Druck aus der Partei, auch aus Wirtschaftskreisen.
00:08:26: Die sagten, okay, dann müssen wir jetzt den Schulze bekannter machen.
00:08:30: Auch, auch wenn es anders geplant war, muss jetzt vorzeitigem Wechsel erfolgen.
00:08:35: Also das ist ja durchaus nachvollziehbar.
00:08:38: Aber wie kam es denn dann überhaupt zu der Entscheidung, dass Haseloff nicht mehr antritt?
00:08:42: Vielleicht müssen wir das nochmal kurz aufrollen.
00:08:44: Also der Mann ist einundsiebzig.
00:08:45: Das heißt, ja, kann man gut in Ruhestand gehen.
00:08:49: Auf der anderen Seite geht es ja auch um was.
00:08:51: Also was hat ihn dazu bewogen, dann doch zu sagen, also jetzt die nächste Legislatur läuft definitiv ohne mich?
00:09:00: Ja, das ist eine sehr gute Frage, über die viel spekuliert wird.
00:09:05: Die offizielle Begründung lautet, dass er gesagt hat, es sind Altersgründe, er ist einundsiebzig und es ist jetzt Zeit, er wäre am Ende dann der nächsten Legislatur, wenn nicht richtig, recht nur siebenundsiebzig.
00:09:18: Das ist natürlich schon ein Alter, wo die Frage berechtigt ist.
00:09:22: Er hat noch ein zweites Argument gebracht, dass es in einer Demokratie nie sein dürfe, dass alles von einer Person ab.
00:09:29: abhängt.
00:09:30: Und ich finde, das ist auch ein legitimes und nachvollziehbares Argument.
00:09:33: Ja, zeigt auch Größe, ne?
00:09:35: So formatiert zeigt es Größe, aber wir sehen ja auch bei den Begriffen Demokratieverständnis und Spielchen, dass es keinen vorzeitigen Wechsel geben darf, dass man das nicht alles so fürbaren Münze unbedingt nehmen muss.
00:09:47: Also wenn man annimmt, dass die Entscheidung, was aus meiner Sicht plausibel ist, im Frühjahr gefallen ist, kann man natürlich auch drüber nachdenken, ob nicht das abschneiden.
00:09:57: der AfD bei der Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt, wo die beiden für vierzig Prozent lagen, vielleicht auch für die Entscheidungsfindung eine Rolle gespielt hat.
00:10:06: Also da gibt es sehr kontroverse Deutungskämpfe im Moment in Magdeburg.
00:10:11: Was eigentlich hinter all diesen Entscheidungen stand?
00:10:13: Genau, also dann jetzt der Paukenschlag.
00:10:15: Das heißt, Sven Schulze hat tatsächlich jetzt ein halbes Jahr.
00:10:20: Wir haben im September Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, um sich zu profilieren, vielleicht mal zu Mittwoch oder auf Mittwoch geblickt.
00:10:31: Wie sicher ist es denn, dass der jetzt gewählt wird?
00:10:33: Ist dann schon alles in trockenen Tüchern oder bewahren jetzt noch alle?
00:10:38: In Sachsen-Anhalt ist nie etwas in trockenen Tüchern, Corinna.
00:10:42: Der Punkt ist ja, CDU und SPD hätten in Sachsen-Anhalt eine eigene Mehrheit im Landtag von einer Stimme.
00:10:50: Trotzdem hat Haseloff gegen viele Widerstände nach der Landtagswahl darauf bestanden, dass zusätzlich noch die FDP mit in die Koalition kommt und auch Ministerämter beanspruchen kann, weil er sich der Mehrheit nicht sicher war.
00:11:04: Und er war sich, soweit man weiß, der Mehrheit in seiner eigenen Fraktion nicht sicher.
00:11:09: Am viele gesagt, warum macht er das?
00:11:11: Dann kam die Wahl von Haseloff, wie gesagt, alle haben ihm ihr Mandat mit zu verdanken.
00:11:18: Und er wurde im ersten Wahlgang nicht gewählt, sondern erst im zweiten.
00:11:22: Das hat ungefähr klar gemacht.
00:11:23: Beinett hat eine bittere Geschichte her.
00:11:25: Das war eine bittere Geschichte.
00:11:26: Es ist nicht die erste bittere Geschichte.
00:11:27: Es gibt zahllose Abstimmung die letzten Jahre, in der man merkte, es rumort.
00:11:33: Das wird meistens und aus meiner Sicht auch zurecht in der CDU-Fraktion vermutet.
00:11:38: Das, was am Mittwoch passiert, durchaus mit Risiken behaftet.
00:11:41: Und da ist natürlich eine Nervosität vorhanden.
00:11:46: Also es gibt siebenneinzig Sitze.
00:11:50: Schulze braucht neunundvierzig Stimmen.
00:11:52: Die Koalition hat sechsundfünfzig.
00:11:54: Also es ist ein bisschen übern Durst.
00:11:56: Aber es gibt halt eine ganze Reihe von Kandidaten, bei denen man immer so sich ein bisschen fragt, was machen die in der geheimen Abstimmung?
00:12:04: CDU-Kandidaten.
00:12:06: Also was könnte denn eigentlich diese Menschen bewegen, ihren eigenen Mann nicht zu wählen?
00:12:11: Also gehen wir mal durch.
00:12:13: FDP ist natürlich die Frage, das ist ihre letzte Chance auf Sichtbarkeit, bevor sie mutmaßlich schlechte Chancen haben, wieder in den Antrag zu kommen.
00:12:22: Da ist ein kleines Risiko, Leute sagen aber, die würden mitspielen, stimmt.
00:12:27: SPD ähnlich.
00:12:29: Natürlich gibt es da auch Vorbehalte.
00:12:32: und so weiter, aber da ist man sich relativ sicher, dass die mitstimmen.
00:12:37: Bei der CDU gibt es mehrere Risiken.
00:12:40: Also das eine ist, es gibt diesen Flügel, der gerne mit der AfD zusammenarbeiten würde.
00:12:46: Es gab da dieses berühmte Papier, wo es hieß, man wolle das Nationale mit dem Sozialen wieder versöhnen, also diese doch sehr schillernde Formulierungen.
00:12:56: Und die Autoren des Papiers sind Landtagsadgeordnete.
00:12:59: von der CDU und die sitzen im Landtag und die Sitz stehen auch wieder auf der Liste.
00:13:04: Dann gibt es natürlich Abgeordnete, die sind teils Deckungsgleich mit dieser Strömung, die so ein bisschen unberechenbar sind.
00:13:12: Da gab es zum Beispiel einen Landtagsabgeordneten der auf Twitter.
00:13:17: einen grünen Mitarbeiter nahegelegt hat, er möge sich doch bitte erschießen und hat dazu gleich auch ein Bild einer Patronenkugel gepostet und die mutmaßlich in seinem eigenen Landtagsbüro aufgenommen wurde.
00:13:29: Also das war auch eine wilde Geschichte.
00:13:31: Es gab sogar gegen den früheren Landtagspräsidenten ein Verfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung, weil er sich auch auf Social Media sehr zugespitzt geäußert hat.
00:13:41: Also das sind so Typen, wo man auch nicht genau weiß, was machen die?
00:13:46: Leute, die vielleicht verletzt wurden, verstoßen.
00:13:49: Kronprinzen von Haseloff.
00:13:51: Also es gibt eine ganze Reihe von Personen, wo man sich nicht ganz sicher ist.
00:13:57: Was passiert denn dann eigentlich, wenn das nicht durchgeht?
00:14:00: Was man so hört, ist, dass Schulze muss im ersten Wahlgang durchkommen, man kalkuliert mit ein paar Gegenstimmen, aber alles andere wäre schon die maximale Beschädigung des Spitzenkandidaten.
00:14:13: Also dann wäre das ganze Manöver im Prinzip nach hinten gelos gegangen.
00:14:16: Ich nehme mal an, dass man doch einen zweiten Wahlgang machen würde.
00:14:21: Ich könnte mir auch vorstellen, dass wenn der erste, was ich jetzt nicht unmittelbar annehme, aber wenn der erste Schief ginge, dass es dann im zweiten wie bei Haselhoff klappt, aber ja, aber im Prinzip würde es schon reichen für wirklich eine massive Beschädigung, wenn der erste Schiefgänge schief geht.
00:14:37: Es gibt aber auch ein großes Argument, warum das gut geht und das, glaube ich, muss man dann auch offen benennen.
00:14:45: Es wird dann öfter gesagt, es gab nie einen Zeitpunkt, wo die Abgeordneten der Koalition ein größeres Interesse haben, einen vorzeitigen Wechsel durchzuführen und Schuld, sie ihre Stimme zu geben.
00:14:56: Die Umfragen sind so schlecht.
00:14:58: Und für viele, für die die neu wiederkandidieren, hängt ihre eigene politische Zukunft diesmal weniger am Direktmandat, sondern darauf, dass ihr Listenplatz sicher ist.
00:15:07: Und der ist nur sicher, wenn die CDU ein gutes Ergebnis einfährt.
00:15:12: Also insofern gibt es auch ein großes dickes Argument, dass das am Mittwoch
00:15:17: klappt.
00:15:18: Ja, das ist dann der berühmte Zwang des Faktischen.
00:15:22: Umfragen, das hast du schon erwähnt, sind miserabel.
00:15:25: Also nicht mal dreißig Prozent für die CDU, aber dafür die AfD kratzt an der vierzig Prozent Marke.
00:15:32: Und wie gesagt, ist noch ein halbes Jahr Zeit.
00:15:34: Was glaubst du denn, wie hoch sind die Chancen, dass tatsächlich am Ende dieser Wahl zum ersten Mal ein AfD-Ministerpräsident steht?
00:15:45: Das wäre an dieser Stelle, muss man mal sagen, Ulrich Siegmund, ne?
00:15:49: Ja.
00:15:49: Ich denke, es sind zwei Sachen, die man gegeneinander abwägen muss.
00:15:52: Das eine ist, was man relativ durch die Bank aus allen Parteien hört von den Politikern, wenn die in ihren Wahlkreisen unterwegs sind.
00:16:02: Dann ist der Eindruck, dass diese circa vierzig Prozent plus-minus für die AfD sind nicht irgendwie eine Art Fakt, der sich mal durch eine Stimmungslage ergab, sondern das ist im Moment die Stimmung in der Bevölkerung, die sich über Jahre aufgebaut hat und die sich so verfestigt hat.
00:16:20: Also die vierzig Prozent werden für real gehalten.
00:16:23: Das ist der eine Punkt.
00:16:24: Also insofern ist das Szenario.
00:16:26: Wir kriegen den ersten AfD-Ministerpräsidenten, weil dann könnte es ja passieren, dass mehrere Parteien nicht in den Landtag kommen unter der fünf Prozent-Hürde bleiben und dann reichen schon.
00:16:35: zweiundvierzig, dreinvierzig Prozent könnten reichen zu einer absoluten Mehrheit im Landtag.
00:16:40: Das ist das eine.
00:16:41: Dagegen spricht die Frage.
00:16:44: Im Moment der Wahl haben wir bisher immer gesehen oder oft gesehen, dass die AfD dann doch nachlässt.
00:16:51: Das ist gerade bei so Stichentscheidungen, wo es dann darauf ankommt, werden Sie es oder werden Sie es nicht, dann die etablierten Parteien doch zusätzliche Stärke bekommen.
00:17:01: Und das kann auch nochmal in dem Fall, wenn es wirklich um die Position des Ministerpräsidenten geht, dann relativ da in Zubuche schlagen.
00:17:10: Man muss sich ja fragen, was ist mit den Leuten, sie wohnen in Sachsen-Anhalt, sie fahren in Urlaub und haben dann den ersten AfD-Ministerpräsidenten sitzen auf der Ski-Gondel und man fragt sie, woher kommen sie denn?
00:17:22: Und dann sagt man Sachsen-Anhalt und jeder sagt, ah, okay, ja.
00:17:25: Und das sind so Punkte, das hört man zumindest öfter, wo man andere...
00:17:29: Meinst du das verfängt, ja?
00:17:31: Ja, es gibt da nämlich ein historisches Beispiel für.
00:17:33: Und zwar war ja Sachsen-Anhalt auch das Land, wo es das erste Mal eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei gab, sogenannte Markteburger Modell.
00:17:41: Und da hört man hin und wieder, dass die Leute damals dann geantwortet haben, ja woher kommen sie denn?
00:17:46: ja aus Mitteldeutschland, weil sie mit diesen Markelschlecht umgehen konnten, dass da politisch irgendwie das in anderen Regionen nicht ganz für Koscher gehalten wurde.
00:17:58: Auf die Wiederholung dieses Effekts, da denkt manche, dass das Stronen zum Wiederzumtragen kommen könnte.
00:18:03: Aber wie gesagt, es sind zwei konkurrierende Deutungsmuster.
00:18:06: Muss man dann auch sehen, wie sich das bundespolitisch die Stimmungslage dann darstellt, was dann stärker
00:18:11: zum Stragen kommt.
00:18:12: So, jetzt musst du uns den Ulrich Sigmund May vorstellen.
00:18:15: Das ist ja ein sehr junger Typ, ne?
00:18:17: Gerade mal thirty-fünf, oder?
00:18:19: Also, er wäre tatsächlich der jüngste Ministerpräsident in Deutschland, wenn er es denn würde.
00:18:24: Was ist das für ein Mensch?
00:18:26: Ja, der hat mal einen Firma mitgegründigt, da ging es um Vertrieb von Raumpaffers, also Raumbeduftungen.
00:18:36: Oft hört man, dass Werder Minder so bis heute sei, er sei ein Politikvermarkter.
00:18:42: Er sei jetzt nicht der große inhaltliche Kopf, aber er sei sehr geschickter.
00:18:45: in Politik zu vermarkten, sieht auch ganz telegen aus.
00:18:50: Und ich glaube, dass die Deutung auch soweit zutrifft.
00:18:53: Man muss dazusagen, dass er schon sehr geschickt ist.
00:18:55: Also er ist vielleicht jetzt nicht der große Intellektuelle, aber er ist clever, er macht wenig Stockfehler im politischen Alltag, also dass man jetzt irgendwie einen schiefen Satz sagt oder sowas.
00:19:05: Das kommt wenig vor.
00:19:07: Er hat eine gewaltige Follerschaft auf TikTok, mehr als fünfhunderttausend.
00:19:12: Da ist so ein bisschen die Frage, wie stark wird das eigentlich?
00:19:15: In Medienberichten wird oft das sehr stark herausgestellt, dass das jetzt nur ein ganz entscheidender Punkt ist.
00:19:21: Da sind sich viele und auch ich nicht ganz sicher, ob das tatsächlich in einem Landtagswahlkampf sich dann in Stimmen
00:19:27: ummünzt,
00:19:29: ob nicht andere Faktoren viel wichtiger sind, ob es nicht am Ende sogar hinderlich ist, so stark nach der Logik der Social Media zu funktionieren.
00:19:37: Genau, und dann zur inhaltlichen Ausrichtung, man muss sagen, er ist früh in die, also er war früher mal in der CDU selber, ist dann zur AfD ganz früh schon während der Eurokrise und gehört zu denen, AfD-Politiker, da gab es schon eine ganze Riege, die beim ersten Einzug, im Jahr Jahrzehnte, in den Landtag kamen, seitdem dort sind und im Prinzip diesen Rechtskurs, also Sachsen-Anhalt ist ja ein extrem rechter Landesverband, also ist allenfalls noch vergleichbar, glaube ich, mit Thüringen, die den voll mitgetragen haben.
00:20:06: Also Ulrich Siegmund war auch bei diesem Potsdamer Treffen, also er war der AfD-Politiker dort, der da maßgeblich das Wort mitgeführt hat, ging es ja auch um Parteispenden jetzt für den Wahlkampf, das war wohl der Hintergrund.
00:20:17: Also das ist schon ein Stamm rechts, aber sehr gut in der Verkaufe.
00:20:21: Das Potsdamer treffen, das unter dem Schlagwort Remigration bekannt wurde.
00:20:27: Vor inzwischen ja nun auch schon fast zwei Jahren.
00:20:31: Und er ist ja in der Tat ein Hardliner.
00:20:33: Also er hat im vergangenen Jahr, wo er ja schon sehr früh als Spitzenkandidat gewählt und kündigt dann ein Hundert Tage Programm an mit Abschiebe Offensive.
00:20:44: Und was hat er noch so vor?
00:20:46: Ja, die AfD hat jetzt gerade ihr Regierungsprogramm an die Mitglieder verschickt.
00:20:50: Das wird gerade ausgewertet.
00:20:52: Sie werden natürlich versuchen, auf Landesebene diesen migrationspolitischen Kurs so weit wie möglich umzusetzen.
00:20:58: Die haben vor, dass man so eine Art Homeschooling, wo man sich auch so ein bisschen fragt, was das eigentlich der Hintergrund einführt.
00:21:05: Abschaffung der Schulpflicht schlicht und ergreifend.
00:21:08: Genau, genau.
00:21:09: Da fragt man sich, was ist der Hintergrund?
00:21:11: Wer soll dann genau Homeschooling betreiben?
00:21:13: Also sind das vielleicht so rechtsextreme Landsiedlungen, die es da gibt, für die das vorgesehen ist?
00:21:19: Oder ist das einfach nur eine Maßnahme?
00:21:20: So wird es natürlich verkauft.
00:21:22: Wenn der Schulweg zu weit ist in ländlichen Regionen.
00:21:25: Aber da schillern so manche Vorstellungen in diesen Programmen.
00:21:29: Dann natürlich das Staatkircheverhältnis, würden sie wesentlich verändern.
00:21:32: Da geht es um Staatsleistungen, um Wohlfahrtsverbände.
00:21:37: dann natürlich der öffentlich-rechtliche Rundfunk.
00:21:38: Also ich glaube, das ist einer der großen Wahlkampfthemen.
00:21:40: Das heißt es immer von Siegmund, dass er als miterste Maßnahme den Staatsvertrag zum NDR kündigen würde.
00:21:48: Dann müsste Sachsen-Anhalten einen eigenen Rundfunk aufbauen und kann sich dann die Frage stellen.
00:21:54: Wie ist so ein Tatort unter AfD-Regierungen?
00:21:58: Wie sieht er dann aus?
00:22:00: Einen Punkt, den fand ich auch ganz interessant, war ja ein Rückgewinnungsprogramm für deutsche Fachkräfte.
00:22:06: Das ist etwas, was er zum Beispiel hier im vergangenen Jahr mit dem MDR ausgeführt hat.
00:22:10: Da können wir mal reinhören.
00:22:12: In der Wirtschaftspolitik haben wir ein Alleinstellungsmerkmal.
00:22:14: Wir möchten ein Rückgewinnungsprogramm auflegen für deutsche
00:22:16: Fachkräfte.
00:22:17: Wir haben
00:22:17: jedes Jahr über hunderttausend
00:22:19: Deutsche, die Deutschland verlassen, weil sie sich nicht mehr aushalten.
00:22:21: Wir reden ja auch von Ärzten, wir reden ja von Menschen aus dem Handwerk.
00:22:24: Und genau die möchten wir wieder zurückholen.
00:22:25: Wir möchten ihnen ein Angebot
00:22:26: machen,
00:22:27: dass sie die Zustände, die sie in Deutschland nicht mehr ausgehalten haben, in Sachsen-Anhalt nicht vorfinden, dass sie hier wieder
00:22:32: das gute alte Deutschland vorfinden,
00:22:34: was sie ja woanders offenbar nicht mehr vorgefunden haben, warum sie Deutschland verlassen
00:22:38: haben.
00:22:38: Ja, was meint er denn mit dem guten... Deutschland rein hat.
00:22:43: Ja, das ist eine gute Frage.
00:22:46: Was ist alt?
00:22:47: Wann ist das?
00:22:48: Ist das so die harmlose Vorstellung?
00:22:50: Also meint der DDR, genau.
00:22:51: Ja, das glaube ich nicht.
00:22:52: Ich glaube, das steht nicht zur Debatte.
00:22:54: Das eine wäre so ein bisschen BRD NOA.
00:22:58: guter alte Bundesrepublik draußen nur ein Kännchen.
00:23:02: Das ist die harmlose Variante.
00:23:04: Die andere ist natürlich, wenn man weiß, dass in der Fraktion schon wirklich früheren Neonazis, das glaube ich muss man so sagen, Rechtsextremisten arbeiten, ob das nicht weiter zurückgeht.
00:23:17: Also vielleicht nicht gleich dreißiger Jahre,
00:23:19: aber
00:23:21: so konservative Revolutionen, zwanziger Jahre, dass das zumindest mal die Vorstellungen sind, die dahinter stehen.
00:23:28: Also schon wirklich ein bisschen bizarr, das auch einfach so in den Raum zu werfen.
00:23:32: Und in der Tat, man denkt ja automatisch vielleicht an die BRD der fünftiger Jahre und so weiter und so fort.
00:23:37: Aber das kann er eigentlich in Sachsen-Anhalt-Schlecht gemeint haben.
00:23:42: Denn da ist ja nun einfach definitiv ein anderes Regime gewesen zu diesem Zeitpunkt.
00:23:48: dann, ich weiß nicht, die frühen neunziger Jahre oder eben ganz weit zurück.
00:23:52: Also da gibt es eine große Palette, er stammt so ein bisschen um ungefähr, weil immerhin die Fachkräfte.
00:23:57: Rückgewinnung ist ja sehr konkret.
00:24:00: Wie hoch sind die Chancen dafür?
00:24:02: Ja genau, das ist die richtige Frage, wie realistisch ist das eigentlich.
00:24:05: Man muss einfach sehen, Sachsen-Anhalt hat ein so großes demografisches Problem wie kein anderes Bundesland.
00:24:12: Diese Ansiedlung von Intel, die gescheitert ist, wäre ja so eine Art Schubumkehr, zumindest für den Raum Magdeburg gewesen.
00:24:18: Das hat sich zerschlagen.
00:24:20: Stattdessen haben wir eine massive Chemiekrise.
00:24:22: Wir haben große Probleme im Automobilbereich.
00:24:24: Die Krise bei VW in Wolfsburg strahlt rüber bis nach Sachsen-Anhalt in die Altmark.
00:24:30: Deswegen ist die Frage, wie realistisch ist jetzt, dass eine Fachkraft aus Dubai oder aus dem USA ausgerechnet nach Sachsen-Anhalt zieht.
00:24:37: Ich würde sagen, das ist eher... nicht realistisch, realistisch als eher ein umgekehrtes Szenario, dass man eher eine zusätzliche Abwanderung noch... erleben von Fachkräften, dass internationale Unternehmen womöglich von Investitionen absehen oder sich zurückziehen und vor allem, dass auch vielleicht sich die Bundesregierung, die ja nicht AfD geführt ist, fragt, ob sie Mittel weiter nach Sachsen-Anhalt lenkt.
00:25:00: Das so laufen ja Ansiedlungen häufig, dass dann schon Überbande zwischen Landesregierung und Bundesregierung gespielt wird, also dass eher negative Effekte zum Tragen kommen.
00:25:10: Diese Äußerung von Siegmund ist aber dennoch interessant und das wird in anderen Parteien durchaus ernst genommen für den Fall, dass die AfD den Ministerpräsidenten stellt.
00:25:20: Denn die Frage ist natürlich, dann sind ja eine ganze Reihe von Stellen neu zu besetzen und hinter den Fachkräften könnte sich eigentlich verbergen.
00:25:29: dass die AfD rechtsextreme Kada nach Sachsen-Anhalt holt aus ganz Deutschland und die dort in unterschiedliche Institutionen einrücken.
00:25:37: Das ist natürlich der engere politische Bereich.
00:25:39: Die brauchen jede Menge neue Mitarbeiter in den Ministerien, in den politischen Stäben, in den politiktignalen Institutionen.
00:25:45: Aber das kann ja auch noch weitergehen, denken wir an Richterernennung.
00:25:49: Das ist letztlich ja auch eine exekutive Funktion.
00:25:52: Es gibt eine ganze Reihe von rechtsextremen Juristen, die könnten dann eventuell Perspektiven im Staatsdienst bekommen.
00:25:59: In den Sicherheitsbehörden ist das gleiche Thema.
00:26:02: Eventuell auch Hochschulen, auch die Lehrerschaft.
00:26:05: Björn Höcke war ja mal selber Lehrer zum Beispiel.
00:26:08: Also es gibt ja auch solche Fälle, dass die dann nach Sachsen-Anhalt kommen.
00:26:11: Und das ist ein Szenario, was schon ernst genommen wird, weil es dann nämlich womöglich weit über vielleicht eine vierjährige, fünfjährige Legislaturperiode hinaus einen Bundesland prägen und beeinflussen könnte.
00:26:27: Interessanter Punkt, der hier vielleicht im Bund noch gar nicht so durchgedrungen ist, aber in der Tat ein durchaus realistisches Szenario.
00:26:35: Zumal Sachsen-Anhalt ist kein großes Bundesland.
00:26:38: Das hat gut zwei Millionen Einwohner.
00:26:40: Das heißt, man kann mit relativ wenig Personal schon eine gewisse Durchsetzung bewirken.
00:26:47: Ja, also soweit erst mal.
00:26:48: Herzlichen Dank, lieber Reinhard.
00:26:50: Danke, Corinne.
00:26:51: Ja, jetzt werfen wir also noch einen Blick auf die Bundespolitik.
00:26:55: Und dazu ist mal wieder der Leiter der Berliner Politikredaktion in Studio gekommen.
00:27:00: Herzlich willkommen, Eckart Lose.
00:27:03: Ja, hallo, Corinne.
00:27:04: Eckart, wir haben ihm gerade von dem Kollegen Reinhard Bingener gehört, was es bedeuten könnte, wenn die AfD über das Rückholen von deutschen Fachkräften spricht.
00:27:15: Eine gewisse Infiltrierung mit Rechtsextremen aus der Bundesrepublik in Justiz und Behörden.
00:27:22: Ist das der Bundespolitik so eigentlich schon bewusst?
00:27:26: Also grundsätzlich haben hier natürlich die Bundespolitiker auch schon oft genug nicht zuletzt in anderen Ländern erlebt, was in solchen Situationen passiert, dass Gerichte, Verwaltungsstellen, möglicherweise auch öffentlich-rechtlicher Rundfunk dann mit Personen besetzt werden, die politisch genehm sind, die den neuen Herrern im Land politisch genehm sind.
00:27:47: Aber das ist noch nicht das große Thema.
00:27:49: Im Grunde genommen starren die jetzt erstmal auf die Frage, verlieren wir wirklich das Land an die AfD.
00:27:56: Also keinen CDU-Ministerpräsidenten mehr wie Rainer Haseloff jetzt.
00:28:01: Das ist die große Sorge, bevor hier schon über die Details diskutiert wird, was das dann bedeuten könnte.
00:28:08: Zumal ja Sachsen-Anhalt zwar dann... Falle eines AfD-Ministerpräsidenten in den Bund-Länder-Begegnungen in den Ministerpräsidentenkonferenzen im Bundesrat mit einem AfDler auftauchen würde, aber es wäre ja kein großes, dominantes Land.
00:28:24: Ja, das muss man in der Tat dazu sagen, ist natürlich klein, ist übersichtlich, aber nichtsdestotrotz ist man ja Bund-Länder immer wieder im Austausch.
00:28:33: Vielleicht mal die Frage, wie hoch wären die Chancen eingeschätzt, dass es tatsächlich so weit kommen könnte mit einem AfD-Ministerpräsidenten?
00:28:41: Es nennt hier noch niemanden zahlen.
00:28:44: Es sagt doch noch keiner in der Union, mit denen ich so spreche, es wird so kommen oder es wird auf keinen Fall so kommen.
00:28:50: Das sind ja Stufen davor.
00:28:52: Also die eine Stufe ist, dass man sich erst einmal ein bisschen versucht zu beruhigen mit dem Blick auf die erste Jahreshefte.
00:28:58: Sachsen-Anhalt wählt ja erst im September und im März sind die Wahlen in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz.
00:29:06: Es kann in Baden-Württemberg ganz gut sein, dass die CDU nach langer Zeit mal wieder in die Widerreizen steinend einzieht.
00:29:12: Also, der Ministerpräsidenten stellt jedenfalls, zielt man darauf und anschließend eine stabile Regierung mit einem CDU-Ministerpräsidenten wiederbilden kann.
00:29:20: Das wäre schon mal ein Riesenerfolg.
00:29:23: In Rheinland-Pfalz ist es ja jetzt gerade so, dass die SPD wieder aufholt, aber noch liegt die CDU in den Umfragen vorne.
00:29:29: Und da weiß man, entweder wir gewinnen es, Dann ist die Frage, wie reagiert eine dann schwer angeschlagene SPD in Berlin darauf,
00:29:36: die ja im Moment dem Ministerpräsidenten
00:29:40: stellt.
00:29:40: Ganz genau.
00:29:41: Das ist die Sorge, was passiert denn dann eigentlich?
00:29:43: werden?
00:29:44: die werden endgültig weiter nach links rennen oder wird dann ein.
00:29:49: Keineswegs zum linken Parteiflügel gehören.
00:29:50: der Vorsitzender Lars Klingwald sagen, so, okay, jetzt mache ich den Schröder, jetzt machen wir ein Reformpaket.
00:29:55: Jetzt gehe ich zu Friedrich Merz und sage, Herr Bundeskanzler, wir machen jetzt meine große Reform, dafür steht die SPD.
00:30:00: Das sind so die Blicke der CDU-Leute.
00:30:04: Aufs erste Halbjahr kommt hinzu, nach Stand der Dinge wird man ja auch in Brandenburg wieder mit an die Regierung kommen, natürlich als kleiner Partner, aber das wäre auch nochmal ein gutes Signal.
00:30:16: Und dann
00:30:16: kommen die meisten
00:30:17: zur zweiten Jahreshälfte und da sieht es natürlich viel hässlicher aus.
00:30:21: und da ist die abgeholt in einer Hauswahl in Berlin mit einem angeschlagenen CDU-Bürgermeister noch das geringste Problem, sondern dann sind es eben vor allen Dingen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, wo es für möglich gehalten wird in der CDU, dass es einen Ministerpräsidenten der AfD gibt.
00:30:40: Das wäre natürlich ... sehr problematisch, es ist ein düsteres Szenario, aber das jenige, wo es keine absolute Mehrheit für die AfD gibt.
00:30:50: Das heißt, wo es vermutlich eine Möglichkeit gäbe mit einem, der gerade im Osten ja jetzt immer häufiger vorkommenden, bunten Mischung.
00:31:00: aus Parteien irgendwie eine Regierung zusammenzubasteln, sich verhalten zu müssen, zu einer auf jeden Fall ja sehr starken AfD.
00:31:08: Das ist das Szenario, was hier wirklich beunruhigt.
00:31:12: Ja, das Interessante ist aber in Sachsen-Anhalt könnte es ja dann sehr schnell gehen, weil dieses Szenario muss man ja auch sagen, existiert ja nur dann realistischerweise, wenn die die absolute Mehrheit haben, erreichen.
00:31:24: Das haben wir eben von Reinhard Bingener gehört.
00:31:27: was es dazu bedarf.
00:31:28: Es ist jetzt auch nicht völlig utopisch.
00:31:31: Und dann geht es ja schnell, ne?
00:31:32: Weil dann muss man sagen, ein Siegmund muss sich dann um niemanden kümmern, muss keine Koalitionsverhandlungen führen.
00:31:38: Dann ist er da.
00:31:39: Also die anderen sind dann Opposition.
00:31:42: CDU und die anderen.
00:31:44: Für die geht es dann schnell.
00:31:46: Ob dann die Regierungsbildung schnell geht, ist die nächste Frage, denn die AfD ist ja nun sehr streit erprobt und es wäre alles neu.
00:31:53: Sie werden zum ersten Mal in dieser Situation, Sie müssen ja, es geht ja nicht darum, nur die Minister zu benennen, sondern sie müssen ja Büros besetzen, da müssen plötzlich Ministerien besetzt werden sein.
00:32:06: Also das heißt, das könnte schon eine ganze Weile dauern.
00:32:09: vielleicht auch im Streit, dann immer wird ja gerne von außen rein regiert, also Herr Höcke regiert ja auch der Bundestagsfraktion, von Thüringen aus rein, wäre ein Wunder, wenn er nicht auch in Sachsen-Anhalt irgendwie mitmachen wollte, seine Stimme erheben wollte, die Bundespartei, die Fraktion, die werden sicherlich auch etwas zu sagen haben, also ob es dann wirklich eine schnelle Regierungsbildung gibt, ist die andere Frage, aber zumindest für die anderen Parteien die Wahlverlierer.
00:32:37: Ja, die werden dann erst mal Zuschauer.
00:32:40: Wie würdest du die Stimmung innerhalb der Bundespolitik beschreiben?
00:32:43: Also ich hab ja versucht man jetzt so ein bisschen quasi die Wähler auch... aus Sachsen-Hanneid für sich einzunehmen, dadurch, dass man in bestimmten Politikfeldern sich darauf einstellt.
00:32:53: Also konkret Migrationspolitik.
00:32:55: Da haben wir ja schon gesehen, die AfD gerade in Sachsen-Hanneid geht ja sehr ordentlich zu Werken, redet von einer Abschiebe Offensive, was ja auch ziemlich brachial ist.
00:33:06: Wie kann man sich das eigentlich vorstellen auf Länderebene?
00:33:09: Na ja, die Länder sind für die Abschiebungen
00:33:11: zuständig, insofern kann man das machen.
00:33:14: Da würde ich sagen, diese Töne haben wir inzwischen ja, die haben wir ja schon von einem sozialdemokratischen Bundeskanzler gehört.
00:33:21: Als Olaf Scholz dieses Amt inne hatte, da hat er ja in einem Interview auch gesagt, ab jetzt Abschiebung im großen Stil, Rückführungen, das freundlichere Wort.
00:33:31: Also im Grunde genommen, ohne dass ich es jetzt schon Paragraf für Paragraf verglichen hätte oder Zeile für Zeile, geht ja die Migrationspolitik, sowohl der Regierung Scholz als auch jetzt der Regierung Merz und ihn schon lange in die Richtung, die die AfD seit dem Jahr zwei Tausend Fünfzehn fordert.
00:33:49: Ich glaube, ein Teil der Begründung für das Genlieren mit dem Wort Remigration, zumindest einiger in der AfD, hängt auch damit zusammen, dass das ja das, was sie vorher wollten, nämlich Grenzen zu, Zurückweisung an der Grenze, das haben ja jetzt die Regierung gekapert sozusagen.
00:34:09: Wir machen ja jetzt sehr viel von dem, was die AfD wollte.
00:34:12: Das macht Alexander Dobrindt, das macht Friedrich Merz.
00:34:16: Insofern ist das, das war nie auf Sachsen-Anhalt gezielt, sondern da ist Sachsen-Anhalt jetzt, glaube ich, so der, naah, Thüringen war auch schon Testfall, aber Sachsen-Anhalt ist der ganz große Testfall angesichts der Umfragen.
00:34:28: Und da hofft man natürlich, dass man zumindest in der Migrationspolitik Argumente hat, das wird ja auch immer als Einziges oder als erstes genannt, wenn es heißt, was habt ihr denn hingekriegt, Friedrich Merz, in diesen acht Monaten?
00:34:39: Na ja, wir haben eine Migrationswende hinbekommen.
00:34:43: Aber führt natürlich jetzt auch nicht zu sinkenden Zahlen auf Seiten der AfD.
00:34:46: Jeder
00:34:47: in Sachsen-Anhalten noch sonst
00:34:49: so.
00:34:49: Und letzter Punkt, die SPD.
00:34:52: Wie zittern die eigentlich für einen möglichen Szenario, dass das Undenkbare passieren könnte, nämlich dass die aus einem Flächenland komplett rausfliegen?
00:35:02: Früher auf Volkspartei.
00:35:03: Ja, und vielleicht vorher noch den Ministerpräsidenten-Posten in Rheinland-Pfalz verloren haben.
00:35:08: Und in Mecklenburg-Vorpommern.
00:35:09: Und wenn's dumm läuft,
00:35:10: Mecklenburg-Vorpommern, also aber natürlich wäre Sachsen-Anhalt, das wäre ein großer Schlag, weil alle natürlich gucken würden, oh Gott, was passiert, jetzt geht das jetzt weiter, so werden wir aus anderen Landtagen rausfallen.
00:35:24: Und waren manche Ergebnisse für die SPD auch im Osten so schlecht in letzter Zeit, dass es in... in die Nähe diese Überlegungen kam, aber irgendwann ist es dann die Wirklichkeit, wenn es tatsächlich passiert, nochmal ein Stück schlechter.
00:35:37: Die große Frage ist, was die Bundes-SPD dann macht, wenn das wäre schon bei Rheinland-Pfalz der Fall.
00:35:44: Also nehmen wir mal an, Herr Schweizer kann nicht länger Ministerpräsident sein in Rheinland-Pfalz.
00:35:51: Würde das dann dazu führen, dass noch mehr Erbschaftssteuervorschläge kämen, dass noch mehr der linke Flügel sich durchsetzt, dass Frau Baas noch stärker, noch mehr Einfluss hätte, die... Kurvorsitzende und Arbeitsministerin, oder aber würde dann das, was sich viele Christdemokraten erhoffen, endlich, endlich Lars Klingbeier kommen und sagen, so, ich setze jetzt alles auf eine Karte und mache mit Merz zusammen ein großes Reformprojekt.
00:36:15: Dann würden viele vergleichen mit Gerhard Schröder wahrscheinlich kommen, der das ja auch gemacht hat, nach der Wahl-Zw-II.
00:36:22: Und da ungefähr steht die SPD, niemand weiß so ganz genau, wie reagiert sie auf diese Niederlagen.
00:36:29: Ich will nicht sagen, dass die CDU deswegen weniger Wahlkampf in Rheinland-Pfalz macht.
00:36:33: Natürlich wollen die dort gewinnen, ganz klar.
00:36:36: Aber es gibt auch Stimmen, die sagen, oh Gott, wenn die da, wenn die SPD das Rheinland-Pfalz verliert, dann wird es in Berlin wirklich schwierig.
00:36:44: Die Optimisten sagen, dann haben wir so viel Druck, dass die SPD was tun muss in Sachen Reform.
00:36:50: Ja, da ungefähr stehen wir.
00:36:52: Na ja, gut.
00:36:52: Also,
00:36:53: für ein wichtiges Jahr kann man sagen, der Sachsen-Anhalt.
00:36:58: Bildet heute natürlich ein bisschen den Auftakt durch diese Verschiebung im Ministerpräsidentenposten, aber ist erst am Ende einer langen Reihe von aufregenden Landtagswahlen.
00:37:08: Herzlichen Dank, lieber Elo.
00:37:10: Wie immer gerne.
00:37:14: So, das war also der FHZ Podcast für Deutschland mit einer vertieften Analyse über die Lage in Sachsen-Anhalt und was uns da in den kommenden Monaten noch bevorsteht.
00:37:27: Was sagen Sie zu alledem?
00:37:29: Mählen Sie sich gerne wie immer unter podcastetfhz.de.
00:37:35: Mein Dank geht raus an Kevin Gremmel und Johanna Westermann für die Mitarbeit an dieser Folge.
00:37:42: Morgen begrüßt sie an dieser Stelle und für den Rest der Woche der Kollege Andreas Grobock.
00:37:48: Und dann gibt's auch wieder Weltpolitik.
00:37:51: Machen Sie's gut und bis bald.
00:37:53: Tschüss.