00:00:03: Herzlich willkommen beim FAZ-Podcast für Deutschland an diesem Mittwoch, den achtundzwanzigsten Januar.
00:00:10: Ja, in dieser Woche mit mir Andreas Kropok.
00:00:12: Putins Angst vor Pappfiguren.
00:00:15: Sie ahnen es schon.
00:00:15: Es geht um den skurrilen Schauprozess in Moskau gegen den Düsseldorfer Kannemalswagenbauer Jacques.
00:00:22: Tilly.
00:00:23: würde der vor dem Gericht tatsächlich erscheinen.
00:00:26: Da drohten ihn bis zu zehn Jahre Haft.
00:00:29: Warum, weil er immer mal wieder auf Rosenmontagszügen witzige Figuren gebaut hat.
00:00:34: Heute soll in seiner Abwesenheit der Prozess beginnen.
00:00:38: Ich hoffe, zum Ende der Sendung hin wissen wir da ein bisschen mehr.
00:00:41: Wir sprechen gleich mit Jack Tilly und ich kann Ihnen jetzt schon sagen, das ist nicht nur Witzig alles.
00:00:47: Wird uns auch unser zweiter Gast bestätigen, auf den ich mich sehr freue.
00:00:51: Und zwar den russischstämmigen Schriftsteller Vladimir Kaminer, den sie wahrscheinlich alle vor allem durch seinen Erzählband Russentisco kennen.
00:01:04: Stellen Sie sich mal folgende Situation vor.
00:01:07: Sie halten auf einer öffentlichen oder halb öffentlichen Veranstaltung eine Rede und sagen irgendwas Böses oder Flapsiges oder Ironisches gegen den russischen Präsidenten Vladimir Putin.
00:01:19: Und Monate später erfahren sie plötzlich, ich bin in Russland angeklagt.
00:01:24: Mir drohen zig Jahre Haft womöglich in Sibirien oder mindestens eine hohe Geldstrafe.
00:01:29: So ähnlich ist es unserem nächsten Gast gegangen, auch wenn seine Putin-Satire nicht nur halb öffentlich war, sondern von Millionen Menschen gesehen wurde, letztes Jahr, vorletztes Jahr, in den letzten Jahren auf dem Düsseldorfer Karnevalszug.
00:01:45: Ich bin jetzt sehr gespannt auf das Gespräch, zudem quasi zeitgleich der Prozess gegen ihn in Moskau anlaufen soll.
00:01:52: Hallo nach Düsseldorf, hallo Jacques Tilly.
00:01:55: Ja, hallo.
00:01:56: Da bin ich.
00:01:57: Sehr gut, dass Sie hier sind bei uns und nicht in Moskau.
00:02:01: Genau, das wollte ich damit sagen.
00:02:03: Wie fühlt sich das denn an für Sie, womöglich gerade in diesen Minuten in Moskau vor Gericht zu stehen, in Abwesenheit?
00:02:10: Ja, das hat zu zwei Seiten.
00:02:12: Einerseits natürlich schon eine bedrohliche Seite.
00:02:14: Also, Ihr Staatsfeind Russland erklärt zu werden, einen totalitären Unrechtstaat.
00:02:20: Das ist natürlich nicht unbedingt ein Vergnügen, was ich mir ausgesucht habe.
00:02:22: Andererseits ist es aber auch irgendwie amüsant, weil man sieht, dass der Tiere eben doch wirkt und wehtut.
00:02:28: Und das ist ja auch der Sinn von Satire, bzw.
00:02:31: von Kritik in Form von Spott in Umo getunkt, würde ich mal sagen.
00:02:36: Und das ist eine wunderbare Bestätigung meiner Arbeit.
00:02:39: Die Sache hat zwei Seiten, würde ich sagen.
00:02:41: Ich kann ja mal aus der Anklage Schrift zitieren.
00:02:44: Ihnen Jacques Thélie wird von der russischen Justiz zur Last gelegt, dass sie wissentlich falsche Informationen über den Einsatz der russischen Streitkräfte verbreitet haben sollen und auch über die, jetzt kommt es, wird ein bisschen kompliziert, die Ausübung der Befugnisse durch staatliche Organe Russlands.
00:03:02: Also da haben wir den Putin verstoß gegen Artikel, zweihundert sieben Punkt drei des russischen Strafgesetzbuches.
00:03:09: Wann und wie haben Sie überhaupt von dieser Klage gegen Sie erfahren?
00:03:16: Also so genau kannte ich die Klage jetzt auch nicht, höre ich zum ersten Mal.
00:03:19: Jetzt wissen Sie es.
00:03:19: Also
00:03:19: allgemeine Punkte bisher gehört.
00:03:22: Ja, das war irgendwie vor Weihnachten, da habe ich dann Putin-kritische Russen angerufen, mit denen ich zu tun hatte, vorher schon.
00:03:32: Und die haben gesagt, Thürma, weißt du eigentlich, was da läuft in Russland?
00:03:34: Dann haben wir gesagt, nee, keine Ahnung.
00:03:36: Und dann wurde ich auch von denen informiert, dass es diesen Basmani-Prozess, also im Basmani-Gericht gibt in Moskau.
00:03:42: Und war erst mal sehr verwundert, weil ich dachte, mit Kanonen aufs Batten schießen, ist ja wirklich lächerlich.
00:03:49: Die Vorwürfe, da fühlte ich mich eigentlich nicht für zuständig.
00:03:52: Also Falschmeldung mit die russische Armee zu verbreiten, das war bisher nicht mein Hobby.
00:03:56: Ich habe natürlich den obersten Kriegstern angehört.
00:03:59: Angegriffen satirisch.
00:04:01: Klar habe ich den verspottet.
00:04:02: Rowsen Montag, wie wir das immer machen.
00:04:04: Ja.
00:04:04: Und zwar seit, ich weiß nicht, zwanzig Jahren.
00:04:08: Aber trotzdem, ich war schon einigermaßen überrascht, dass man zu diesen Mitteln greift.
00:04:12: Das war schon, das war schon eine Überraschung.
00:04:14: Das heißt, Sie haben niemals Post aus Moskau bekommen, niemals eine Vorladung, keine Aufforderung zu einer schriftlichen Stellungnahme, irgendwas?
00:04:22: Irgendetwas also gar nicht.
00:04:24: Also wirklich schweigen im Walde.
00:04:26: Da wird halt noch nicht mal Rechtsstaatlichkeit simuliert.
00:04:28: Also der Angeklagte weiß noch nicht mal, dass es ein Prozess gegen die gibt.
00:04:31: Das ist schon einigermaßen absurd.
00:04:33: Absolut.
00:04:33: Aber Sie haben dort, wie man hört, eine russische Pflichtverteidigerin.
00:04:37: Haben Sie zu der Kontakt?
00:04:38: Ja, wie auch gehört.
00:04:39: Ne.
00:04:39: Nie ein Wort mit ihr gesprochen.
00:04:41: Keine Ahnung, wer das ist.
00:04:42: Keine Ahnung, was die macht.
00:04:44: Pff, keine Ahnung.
00:04:45: Ich weiß es wirklich nicht.
00:04:46: Ich bin da Prozesszuschauer für alle anderen auch.
00:04:49: Wir haben gehört, weil es um einen Prozess gegen einen deutschen Staatsbürger geht, ist das auswärtige Amt dabei, die Deutsche Botschaft.
00:04:56: Haben die sich mal bei Ihnen gemeldet?
00:04:58: Ja, ich habe ein paar Anrufe bekommen.
00:05:00: Ich stehe in Kontakt mit verschiedenen Behörden.
00:05:03: Denn das ist ja schon eine einmalige Sache.
00:05:05: Ich glaube, ich bin der einzige Deutsche, also der einzige Ausländer überhaupt, der wegen solcher Delikte angeklagt wird in Russland.
00:05:10: Das ist schon ein Unikat, würde ich mal sagen.
00:05:14: Jetzt müssen wir aber auch noch mal kurz über die Gründe für diese skurrile Klage sprechen.
00:05:19: Sie haben ja schon mehrfach Karnevalswagen gebaut für den Düsseldorfer Rosenmontagszug.
00:05:23: Sie tun das, glaube ich, seit mehreren Jahrzehnten.
00:05:27: Darum wird es ja gehen.
00:05:28: oder haben sie noch irgendwas anderes gemacht, von dem wir alle nichts wissen.
00:05:32: Das würde ich auch gerne wissen, aber ob noch irgendwelche anderen Anklagepunkte da irgendwie angeführt werden, vor denen ich heute ja nicht weiß.
00:05:39: Also eigentlich geht es nur um Pappfiguren, um was anderes kann es gar nicht gehen, weil ansonsten habe ich mich zu dem Thema einfach gar nicht geäußert.
00:05:46: Und einige Figuren, die ich gebaut habe, sind nach Rosemonte auch weiterhin verwandt worden von proteinkritischen Russen oder von Ukrainer auf Demonstrationen.
00:05:55: Ein Wagen erschien vor dem Strafgerichtshof in Den Haag.
00:05:58: Dann habe ich extra dafür gebaut, um zu zeigen, dass Putin nicht auf den Präsidentenstuhl, sondern eigentlich in den Knast gehört.
00:06:04: Wahrscheinlich kommt da einiges zusammen.
00:06:06: Aber welcher Wagen jetzt der Auslöser war oder welches Objekt, was ich mal gebaut habe.
00:06:10: für diesen Prozess kann ich einfach nicht sagen.
00:06:12: Also die russische Justiz, das ist für mich eine Black Box, da kann auch keiner reingucken.
00:06:15: Für jeden der diese Wagen jetzt nicht vor Augen hat, ich hänge auf jeden Fall nur mal einen Link in die Shownotes, kann man ein paar drauf sehen.
00:06:22: Was glauben Sie, war es möglicherweise der letzte, als Putin quasi in einer Badewanne voller Blut liegt und sich mit einer großen Bürste quasi davon sauber schrubbt?
00:06:33: Oder war es möglicherweise die Oral-Sex-Nummer mit der Russisch-Autodoksen-Kirche.
00:06:38: Die war ja schon ziemlich deftig, würde ich mal sagen.
00:06:45: Ja, also ich nehme an, dass war tatsächlich diese Blutbadewanne.
00:06:49: Da ist ja ein indirekter Vorwurf natürlich gegen die russische Armee, dass dort eben Kriegsverbrechen in der Ukraine stattgefunden haben.
00:06:57: Die haben ja stattgefunden in Butcher oder in die Bombardierung von Krankenhäusern.
00:07:00: Das ist natürlich mit diesem Wagen gemeint und ich kann mir schon vorstellen, dass dieser Wagen wahrscheinlich der Auslöser war.
00:07:06: Was jetzt die Gründe sind, warum dieser Prozess stattfindet, gegen mich, das weiß ich einfach nicht.
00:07:12: Ich nehme einfach mal an, man will einfach Angst verbreiten, auch im Ausland.
00:07:17: Das gesagt, das einfach deutlich wird, seht ihr, wir wissen, was ihr macht, ihr kriegt irgendwann die Quittung dafür und seht euch mal ein bisschen vor.
00:07:25: Das ist ja nicht ein Prozess, der gegen mich jetzt alleine geführt wird, sondern ein Angriff gegen unser aller Freiheit, gegen die Freiheit der Satire, gegen die Meinungsfreiheit, gegen die... Freiheit, Kritik zu äußern, auch an ausländischen Regierungschefs.
00:07:38: Und davon sollten wir uns nicht beeindrucken lassen.
00:07:40: Ich meine, ich habe es ja gerade schon mal gesagt, quasi parallel zu unserem Gespräch soll der Prozess laufen für die Transparenz.
00:07:46: Wir beide haben um vierzehn Uhr echter Zeit angefangen zu quatschen.
00:07:49: Ich hoffe, wir können da zum Ende der Sendung noch mehr sagen.
00:07:52: Ich habe jetzt gerade nichts mehr gesehen.
00:07:53: Gucken Sie auch drauf.
00:07:54: Haben Sie irgendwas aktuell schon gehört?
00:07:58: Ich habe noch gar nichts gehört.
00:07:59: Also ich hoffe mal, dass mich tatsächlich die russische, also die deutsche Botschaft in Russland vielleicht informiert oder das Außenministerium, was da jetzt gelaufen ist.
00:08:06: Die haben wohl einen Vertreter hingeschickt, der den Prozess beobachtet.
00:08:11: Ich nehme an, dass ich dann irgendwann einen Anruf bekomme, aber im Moment habe ich noch gar nichts gehört.
00:08:16: Als Strafe drohen, Gefängnis oder mindestens Geldstrafe.
00:08:19: Aber lieber Herr Thieli, wir dürfen davon ausgehen, dass sie sich nicht freiwillig ausliefern werden.
00:08:25: Nein, also ich habe Posthum Navalny schon vorgeworfen, dass er dieses Risiko eingegangen ist.
00:08:32: Ein lebendiger Navalny wäre für uns nützlicher als jetzt der tote Navalny, der in einem Straflager dort beendet ist.
00:08:39: Diesen Fehler sollte ich auf keinen Fall machen.
00:08:41: Aber es geht nicht nur um Moskau, es geht um alle möglichen anderen Staaten, in denen ich nicht mehr reisen darf, weil möglicherweise ein Auslieferungsabkommen dort besteht, also Indien, Serbien, Indonesien.
00:08:50: Ägypten, das sind alles Länder, die von meinem Reiseplan gestrichen sind.
00:08:55: Auch die schöne Türkei eigentlich, ne?
00:08:57: Auch die schöne Türkei sollte man erst mal nicht mehr machen, wenn da auch nur das geringste Risiko besteht, dass ich dort irgendwie in einem Flieger nach Moskau sitze, unfreiwillig.
00:09:07: Das werde ich natürlich nicht eingehen.
00:09:09: Ich fahre weiterhin schön nach Italien und Frankreich, sind sowieso wunderbarer Länder.
00:09:12: Das reicht mir erst mal.
00:09:14: Und das ist natürlich ein Luxusproblem gegenüber dem, was russische Oppositionelle dort in den Straflagern erleiden.
00:09:21: Das kann man gar nicht vergleichen, was diese Menschen dort an Mut und aufgebracht haben und was sie dort ertragen müssen in den russischen Gefängnissen.
00:09:30: Das ist schon extrem hart.
00:09:33: Sollte die AfD übrigens mal irgendwann in Deutschland regieren, dann sollten sie vielleicht doch noch mal besser dober nachdenken hier zu bleiben, weil dann könnte ja auch so was passieren.
00:09:42: Ja, klar, wenn die politische Szene sich in Deutschland hier wandelt und tatsächlich sehr Russlandfreundliche Kräfte und die AfD ist ja nun Eine Partei, die nach Ostputin Zweifel tanzt.
00:09:53: Wenn die an die Macht kommen, dann kann die Sache schon anders ausgehen oder anders aussehen.
00:09:58: Haben Sie denn Kontakt zur Polizei, oder vielleicht auch ein bisschen mehr Schutz?
00:10:02: Weil man muss ja ehrlich sagen, man weiß nie, welche Bekloppten sich bemüßigt fühlen, sie nicht nur zu beleidigen, sondern möglicherweise auch in irgendeiner Form zu attackieren, ist da für sie ein bisschen gesorgt?
00:10:14: Ja, es gibt Gespräche, aber es gibt erst mal keine konkreten Anhaltspunkte, dass wirklich irgendetwas geplant ist.
00:10:19: Ich lebe ja schon seit vielen Jahren unter einer abstrakten Bedrohungslage und nicht nur rechter Extremes.
00:10:28: Islamismus, alle möglichen Punkte spielen da eine Rolle.
00:10:32: Freie Satire hat es halt schwer, auch in diesem Land hier, obwohl wir juristisch in der Lage sind, sowas bauen zu dürfen.
00:10:39: Also keine Klage hat mich bisher erreicht in Deutschland.
00:10:42: weil einfach dieser Tiere sehr, sehr frei ist.
00:10:44: Aber es gibt eben ganz viele Milieus, mit meiner Arbeit nicht einverstanden sind, aber damit muss ich einfach leben.
00:10:49: Es dauert jetzt ja auch nur noch gut zwei Wochen, bis wieder Karneval ist.
00:10:52: Ich weiß, die Motive der Karnevalswagen sind quasi Staatsgeheimnis.
00:10:57: Ich versuche auch gar nicht erst, ihnen da was zu entlocken.
00:11:00: Aber was mich interessiert, ist, ob dieser Moskauer Prozess sie da in irgendeiner Art und Weise in ihrer Arbeit beeinflusst
00:11:07: hat.
00:11:09: Wir machen weiterhin unsere Satire, genauso wie vorher.
00:11:12: Selbstverständlich lassen wir uns davon nicht beeindrucken.
00:11:14: Wir bauen weder stärker drauf, noch lassen wir irgendwie nach.
00:11:17: Satire aus Düsseldorf, keine ballistische Satire, die ist einigermaßen gefeffert, die ist deutlich.
00:11:23: Kann ich jedem gefallen, das ist aber die Mehrheit der Düsseldorfer, die gutiert hast, begeistert und so soll es doch einfach bleiben.
00:11:29: Es beeinflusst mich vielleicht dahingehend, dass natürlich sehr viel Gespräche geführt werden, noch viel Pressearbeit, viel mehr als vorher.
00:11:36: Da komme ich kaum im Moment zum normalen Arbeiten.
00:11:39: Eigentlich müsste ich all die Söder und Putins und Trumps und Erdogans bauen in dieser Welt.
00:11:44: Komme ich nicht dazu, aber ich hoffe mal, die nächste Woche ist etwas ruhiger.
00:11:48: Wie viele Wagen bauen Sie für den Rosenmordtagszug?
00:11:51: Wir haben immer so die Zahl um die zwölf.
00:11:53: So viele.
00:11:55: Das ist jetzt, ja es ist nicht allzu viel, die anderen Städte haben viel mehr.
00:11:58: Aber wir fangen ja sehr später mit an, weil die Wagen ja aktuell sein müssen.
00:12:02: Also wir haben jetzt neuer angefangen zu bauen.
00:12:05: Ja, ja und die müssen in kurzer Zeit entstehen.
00:12:07: Einige Wagen sind noch offen.
00:12:08: Wir bewahren wir uns ja bis zum Schluss auf, falls noch was weiß ich put den irgendwo einmarschiert oder Trump irgendwo was weiß ich gröten.
00:12:16: Das
00:12:16: geht dann aber so schnell, dass man so ein riesen Ding innerhalb von wenigen Tagen baut.
00:12:20: Wie viele Leute helfen dann damit, das fertig zu kriegen?
00:12:22: Ja,
00:12:23: im Moment.
00:12:23: Wir sind für so ein Dutzend Menschen bei mir im Team.
00:12:27: Wir sind so acht bei uns im Team das ganze Jahr.
00:12:30: Wir bauen ja nicht nur die politischen Wagen.
00:12:32: Wir bauen ja auch vor allen Dingen natürlich das ganze Jahr über die Vereinswagen und die Sponsorenwagen und den Prinzenpaarwagen.
00:12:39: Und die politischen Wagen sind ja sozusagen das eine Häufchen gegen Ende der Bauzeit.
00:12:43: Aber es ist der Arbeitsintensiv gerade.
00:12:45: Also Freizeit hat im Moment von meinem Team keiner.
00:12:49: Das ist der Aktualität beschuldet.
00:12:50: Da muss ich genauso sein wie die Journalisten.
00:12:53: die einfach keinen kalten Kaffee bringen dürfen, sondern es muss immer frische Ware sein, auch der Rosenmontag.
00:13:00: Also wir bauen auch noch am Sonntag bei Rosenmontag und die Arbeit endet erst Rosenmontag nachmittag.
00:13:06: Dann hoffe ich mal, dass das Ding heute sie dann nicht weiter davon abhält, die nächsten, was sind's, zweieinhalb Wochen, siebzehn, achtzehn Tage, vierundzwanzig sieben wahrscheinlich dann in ihrer großen Halle zu sein und mit ihren Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten.
00:13:20: Wir drücken dafür hier die Daumen, senden ihnen die besten Grüße aus Frankfurt und sind sehr, sehr gespannt nicht auf das Ergebnis des Moskauer Prozesses, sondern auf ihr Ergebnis am Rosenmontag.
00:13:30: Danke schön.
00:13:31: Lieber Shaak Tilli.
00:13:32: Ja, vielen Dank für die Wünsche.
00:13:34: Ich hoffe, sie werden wahr.
00:13:41: Wir bleiben transparent, stand jetzt kurz vor unserem zweiten Gespräch im FAZ-Podcast für Deutschland.
00:13:47: Fünfzehn Uhr gibt es immer noch keine Neuigkeiten aus Moskau zu diesem Schauprozess gegen Jacques Tilly.
00:13:54: Aber ich würde mal sagen, macht nichts.
00:13:56: Erst recht nicht für unseren nächsten Gast.
00:13:58: Den habe ich mir nämlich ehrlich gesagt schon immer mal gewünscht, denn sein tatsächlich ja auch super erfolgreiches Buch Russen Disco aus dem Jahr zweitausend, das habe ich damals verschlungen und auch noch ein zweites Mal gelesen.
00:14:10: Ich freue mich an... sehr auf den Schriftsteller und Kolumnisten Wladimir Kaminer.
00:14:15: Hallo, schön, dass Sie bei uns sind.
00:14:18: Guten Tag, gegrüßt alle, die uns hören.
00:14:20: Ja, was fällt Ihnen denn dazu ein, dass ein deutscher Karnevalswagenbauer und Satiriker in Russland angeklagt wird, wenn auch in Abwesenheit?
00:14:30: Ich glaube, in Russland läuft jetzt gerade so ein Wettbewerb unter verschiedenen bürokratischen Instanzen, wie sie war ein Gefahren Ihrem Präsidenten tun können, also sich bemachen in diesem immer enge werdenden Staat.
00:14:49: Das war eine zugegeben verrückte Idee.
00:14:51: Aber an verrückten Ideen fehlt es in Russland in der letzten Zeit nicht.
00:14:56: Was würden Sie denn sagen, was für ein Zeichen das das Regine damit aussenden will nach innen, wie auch nach außen?
00:15:02: Na mit uns ist nichts zu spassen.
00:15:04: Das ist wahrscheinlich die Botschaft.
00:15:06: Also dieser Verfahren ist nicht das Schlimmste, was russische Bürokratie jetzt in Richtung Europa, in Richtung Deutschland sich erlaubt in der letzten Zeit.
00:15:18: Komplett
00:15:18: richtig,
00:15:19: ja.
00:15:19: Ich persönlich fand gerade diese... Was war das?
00:15:23: Das war eine Puppe, ja?
00:15:25: Genau.
00:15:25: Eine Puppe des russischen Präsidenten mit einem Stück Ukrainer im Rachen.
00:15:32: Ich fand das eigentlich gar nicht beleidigend.
00:15:34: Ich weiß nicht, was Sie darin da gesehen haben.
00:15:38: Das entspricht doch voll und ganz der Realität.
00:15:41: Es spricht auch dem, was der russische Präsident tagtäglich betont, dass er dann Teile dieses Landes haben will.
00:15:49: Also war das eigentlich nur eine Destruktion zu der aktuellen russischen Tagespolitik, zu dem Angriffskrieg gegen Ukraine.
00:15:59: Sie sind ja nun mal ein absoluter Spezialist für tiefgründigen Humor und es wird ja eigentlich eher den deutschen weltweit nachgesagt, dass die keinen Spaß verstehen und Bier Ernst sind.
00:16:10: Dieses Wort Bier Ernst gibt es glaube ich auch nur auf Deutsch.
00:16:14: Wie tickt denn da eigentlich die russische Seele?
00:16:17: Ich glaube nicht, dass Humor eine Nationalität hat.
00:16:21: Ich fahre ja jetzt gerade durch Deutschland, jeden Tag in einer anderen Stadt.
00:16:27: Und ich habe auch verkaufte große Seele und die Menschen lachen sehr gut.
00:16:32: Russische Seele halte ich dagegen für eine deutsche Erfindung eigentlich.
00:16:39: Ich weiß sogar wo sich hierher kommt, diese russische Seele, die habe ich kennengelernt damals vor über dreißig Jahren, als ich nach Deutschland kam.
00:16:47: Da waren diese ganzen Kosaken-Köre und Sänger Ivan Rebrov, die zwar kein Wort russisch konnten.
00:16:56: aber wunderbar diesen wilden Menschen darstellten, von dem man nie weiß, was er im nächsten Augenblick tut, springt auf den Tisch, will er dich küssen oder schlagen, diese russische Seele.
00:17:24: Die russische Seele ist nur eine deutsche Erfindung.
00:17:34: Trotzdem jetzt nochmal zum Humor in Russland.
00:17:37: Ist es ihr Gefühl, dass es vor Beginn des Angriffskrieges in der Ukraine mehr auch politischen Humor in Russland gab als inzwischen?
00:17:45: Ja, diese Situation ist so.
00:17:48: Ich kann Ihnen das mit gutem Wissen und den vollen Verantwortung berichten.
00:17:54: Also die gesamte Humorszene ist ausgereift.
00:17:57: Mit ihr ist da selber passiert, wie mit den Musikern, Sängern, Schauspielern.
00:18:04: Schriftstellern, die ganze Besteller-Liste, Menschen, mit deren Bücher nicht aufgewachsen und im Nogelskind.
00:18:11: Diese arme Alte, die müssen jetzt auch weg.
00:18:15: Und Humor ist supergefährlich.
00:18:17: Man kann auch ohne Humor einfach so, wenn man da im falschen sozialen Netzwerk ist, schon eine sehr große Strafe bekommen in Russland.
00:18:27: Und für einen Witz, die versuchen jetzt für das Internet, Versuchen russische Behörden so eine sogenannte weiße Liste aufzustellen.
00:18:35: Also Seiten, die erlaubt sind, die man besuchen darf.
00:18:40: Aber für Witze gibt es so eine Seite nicht.
00:18:43: Und niemand weiß, worüber man Witze machen darf, worüber nicht.
00:18:47: Klar, über den Krieg nicht, über die aktuelle Politik und die russische Regierung, das ist klar.
00:18:56: Komikaszzene, es gab noch nie so viele Veranstaltungen, russischsprachige, Humoristen, Stand Up und Comedians in Europa als heute, dass alle diese Menschen sind draußen.
00:19:12: Guter Zeitpunkt, um auch über Ihr aktuelles Buch zu sprechen.
00:19:16: Wir erwischen Sie ja auch gerade auf Lesereise in Halle, haben Sie auch gerade gesagt.
00:19:19: Das neue Buch heißt Das Geheimleben der Deutschen.
00:19:23: Und da gehen Sie so ein bisschen den deutschen Traditionen auf den Grund.
00:19:28: Wenn Sie jetzt mal eine deutsche Tradition nennen dürften, die Sie besonders komisch finden, welche wäre das?
00:19:34: Ich finde das super witzig.
00:19:36: Und die Menschen, ich habe gedacht auch, darf ich überhaupt jetzt Darf ich hier, ich bin gerade in Halle hier, über die Feste, über diese heutige, hiesige Tradition und Bräuche berichten, wir haben den Menschen nicht beleidigt sein.
00:19:52: Nee, wir haben sie nicht.
00:19:53: Das kommt sehr gut an.
00:19:54: Und hier in Sachsdorf ist es unglaublich, das Dreckschweinfest in Hergesdorf hat mein Leben verändert.
00:19:59: Wie
00:19:59: heißt es Dreckschweinfest?
00:20:01: Das ist das älteste Dreckschweinfest Europas.
00:20:05: Ja, weiß Europa, weiß davon, nein.
00:20:08: Ich glaube überhaupt, in Europa weiß man viel zu wenig über Deutschland, über deutsche Traditionen und deutsche Feste.
00:20:15: Aus der Oktoberfest ist kaum was bekannt.
00:20:18: Aber es gibt viel, viel bessere Dinge.
00:20:20: Zum Beispiel das Dreckschweinfest in Hergisdorf.
00:20:22: Was macht man denn da auf diesem Dreckschweinfest?
00:20:25: Das ist so Winter-Austreibung.
00:20:27: Da springt so ein halbes Dorf, springt in so ein Schlammloch, so eine Schlammgrütze im Wald.
00:20:34: In weißen Kostümen, als Winter-Dimonen verkleidet.
00:20:38: Und der Andere kämpft in Grün.
00:20:40: Da sind die Frühlingsgeister, versucht, diese Menschen da mit Peitschen da rauszufreiben auf der Grütze.
00:20:49: Und dazu spielt die Blasmusik.
00:20:51: Sehr, sehr schön.
00:20:52: Und was zu trinken, gibt es wahrscheinlich auch noch.
00:20:53: Ja, sogar ausreichend.
00:20:55: Deswegen machen wir es schon so zeitig Schluss.
00:20:58: Um zwölf ist es schon Fahrabend.
00:21:00: Zwölf Uhr mittags oder zwölf Uhr nachts?
00:21:02: Nee, mittags.
00:21:03: Die beginnen so um sieben.
00:21:04: Es wird ja in Deutschland stehen, Menschen früh auf.
00:21:06: Also wir ziehen schon um sieben in den Wald.
00:21:09: Halb elf war schon jedes Kind um jeder Ohr mal dreimal in dieser Schlammgrütze.
00:21:13: Und um zwölf ist dann Schluss, ja.
00:21:14: Und deswegen weiß ich übrigens Europa nicht davon.
00:21:17: Also
00:21:17: ich höre schon raus, Sie mögen diese deutschen Traditionen.
00:21:20: Sehr, sehr.
00:21:22: Weil Burg ist in Wernigerode.
00:21:24: Das ist so eine Reignis, das darf man gar nicht.
00:21:27: Aber nicht nur hier.
00:21:28: Ich war auch in Bayern, in Tisten, zu Niederbayern bei sechs Tage Schurplatterl und Dirndl dran.
00:21:37: Herr Kamina, welche russische Traditionen vermissen Sie denn am meisten?
00:21:43: Ich vermisse.
00:21:45: Ich bin aufgewachsen, untergroßen.
00:21:50: Plakaten, wir sind für den Frieden, wir sind gegen den Krieg.
00:21:54: Wir hatten in der Schule Pflichtversammlungen, wir waren gegen jeden Krieg.
00:22:01: Blumen statt Traketen, Friedensparaden, das stand an jeder Ecke.
00:22:06: Diese Feste, das vermisse ich, jetzt erkenne ich dieses Land nicht wieder.
00:22:12: Ein Land, das gegen ein Nachbarland Krieg führt auf fremden Territorium, gegen ein Land, das viermal kleiner.
00:22:19: Und was fühlt man sich jetzt, das ist so bescheuert, so unglaublich erniedrigend für die russische Bevölkerung so etwas zu tun.
00:22:30: Haben Sie noch regelmäßigen Kontakt mit Familie, Freunden, die noch in Russland leben, weil Sie sagen, das ist peinlich, die fühlen sich möglicherweise peinlich berührt dadurch, wie Ihr Land weltweit dasteht?
00:22:40: Ja, Sie sind peinlich berührt, also sehr nicht so, dass... dass da nur Arschlöcher jetzt wurden.
00:22:46: Natürlich verstehen neunundneunzig kaum neun Prozent der Bevölkerung die Lage und schätzen sie richtig ein.
00:22:54: Dass sie da nichts dagegen tun können ist eine andere Geschichte, ja.
00:22:58: Wie lange waren Sie nicht mehr in Russland inzwischen?
00:23:00: Ich war eine unerwürdigste Person als kritische Journalist, als aufländische.
00:23:05: Ich hatte mal, das war noch gleich bei der ersten Anektion der Krim.
00:23:11: Darüber habe ich geschrieben.
00:23:14: großen Magazin, ja, und seitdem ja.
00:23:17: Über eine Million Menschen sind ausgereicht seit Beginn des Krieges.
00:23:21: Da sind zum Teil Menschen, die von Mobilisierung geflüchtet sind, zum Teil aber, ist das die intellektuelle Elite des Landes.
00:23:30: So politisch engagierte Menschen oder Menschen, die auch mit dieser, also Ökonomen Menschen, die mit dieser Regierung gearbeitet haben, bevor sie sich so zu einer totalitären Diktatur entwickelte.
00:23:43: Und diese Menschen, einfach nur durch ihre Abwesenheit, bekommen solche Strafparagraphen, die Heimat für Rat, alle die ich kenne, haben schon drei bis vier Strafverfahren, nur dafür, dass sie draußen sind und sich erlauben von Deutschland aus oder von Europa aus ein beruhigendes Wort.
00:24:08: an die russische Befolgerung zu richten.
00:24:10: Das ist schon Wahnsinn.
00:24:11: Ja.
00:24:12: Ich meine, wir diskutieren hier in der FHZ natürlich auch andauernd, ob diese rein politisch, ob die Friedensgespräche jetzt auch nur ein Show sind, ähnlich wie der Prozess gegen Jacques Tilly oder auch eine Show wie der Prozess gegen Exil Russen, das, was Sie gerade beschrieben haben.
00:24:27: Glauben Sie denn daran, dass, wenn wir jetzt mal Ihre Rolle als Kolumnisten abfragen und ein bisschen politisch werden, glauben Sie daran, dass Moskau wirklich Frieden will?
00:24:37: Nein, natürlich nicht.
00:24:40: Ich weiß gar nicht, woher das kommt.
00:24:43: Diese Glaube, dass Moskau Frieden, die einfachste Lösung, der erste Schritt, sollte Moskau tatsächlich Frieden wollen, wäre doch eine Vorpause.
00:24:57: Etwas, was wirklich in jedem Land, jedem Mensch verstehen würde.
00:25:01: Wir hören erst mal auf zu töten, setzen uns an den Tisch.
00:25:06: und reden über alles andere so lange, wie wir brauchen.
00:25:10: Das passiert nicht.
00:25:12: Und das ist ein klares Zeichen, dass diese Frieden von der Seite der russischen Regierung nicht gewünscht ist.
00:25:20: Sie denken, das ist eigentlich eine unglaubliche Sackkasse.
00:25:26: Deswegen sagt sich Herr Niedrigi, weil es ist so eine peinliche Situation.
00:25:30: Ein Mann kann sich seinen Fällen nicht zugestehen, hat Angst davor, zu sagen, ich habe was Falsches gemacht und sieht, dass sein ganzes Land, das größte Land der Welt immer noch, in so einem dreckigen Wald.
00:25:45: Das ist so unglaublich.
00:25:47: Was glauben Sie?
00:25:48: Es
00:25:48: ist ja noch immer, seit vier Jahren kämpfen Sie noch immer vierzehn Kilometer von der Grenze, da wo Sie auch schon vor vier Jahren gekämpft haben.
00:25:55: Es ist verloren der Krieg.
00:25:57: Dest dest seit vier Jahren verloren.
00:26:00: Die kommen nirgendwo hin.
00:26:02: Jetzt stehen sie genau dort, wo sie vor vier Jahren gestanden haben.
00:26:07: Ausländische Zuchörer können mit diesem Namen nicht viel anfangen.
00:26:10: Diese zwei, drei Dörfer, die immer wieder namentlich genannt werden.
00:26:15: Aber es sind die gleichen.
00:26:18: Und jetzt, wo Winter voll im Ausmaß ist und alle Bäume kalt stehen, kann sich sowieso dann nichts bewegen, wird sofort von der Luft abgeschossen.
00:26:29: Also im Grunde haben wir nicht detaillisieren, sondern Zivilbefolgerung.
00:26:34: Seit Beginn dieses Winter.
00:26:36: Genau, die Frontlinie hat sich nicht großartig verändert.
00:26:38: Sie sagen, die Friedensgespräche sind eigentlich auch nur eine Show.
00:26:43: Putin will keinen Frieden.
00:26:46: Wie würden Sie denn einschätzen, wie das weitergeht?
00:26:49: Weitere zehn Jahre Krieg oder was ist Ihre Prognose für die Zukunft?
00:26:54: Meine Prognose für die Zukunft ist, dass wir in letztem Jahr von diesem grausamen Verbrechen sind.
00:27:04: Und was danach kommt, wie dieses Land wieder rauskommt, das verstehe ich nicht.
00:27:13: Einfach so zu tun, als wäre nichts passiert.
00:27:16: Und jetzt bauen die Ukraine wieder auf.
00:27:19: Das kann ich mir nicht vorstellen, das wird nicht funktionieren.
00:27:22: Dass Putin dann weiter regiert, alles bleibt wie gehabt, nur ohne Krieg.
00:27:29: Also für den Krieg haben Sie kein Geld.
00:27:32: Da wird kein China einspringen zu diesen Kosten.
00:27:35: Das wird nicht passieren.
00:27:39: Und wie Sie sich weiter präsentieren wollen in der Welt.
00:27:44: Ich verstehe es nicht.
00:27:46: Hoffen Sie auf eine Zeit nach Putin?
00:27:48: Was heißt hoffen Sie?
00:27:50: Also da können wir allein schon auf biologischem Gründen uns sicher sein, dass diese Zeit kommt.
00:27:57: Wird's besser dann?
00:27:58: Irgendwann wird es besser, aber die Bevölkerung muss erkennen, was passiert ist.
00:28:04: Das haben sie jetzt noch nicht.
00:28:07: Das haben sie irgendwie ausgeblendet.
00:28:11: Ich merke das auch bei meinen Freunden, meinen Verwandten.
00:28:14: Die wollen nicht darüber nachdenken, weil wenn man nur darüber nachdenkt ist, das ist einfach zu schlimm.
00:28:19: Das will man nicht hinschauen.
00:28:22: Letzte Frage Herr Kaminer.
00:28:23: Hat sich Ihr Leben in Deutschland seit dem Kriegsbeginn in irgendeiner Form verändert?
00:28:28: Haben Sie das Gefühl als geborene Russe, wenn auch schon lange mit deutschem Pass, inzwischen anders gesehen zu werden?
00:28:34: Fühlen Sie sich dauernd auch verpflichtet zu sagen, wie Sie da drüber denken?
00:28:39: Ja.
00:28:40: Ja, ich sehe das als meine Pflicht.
00:28:44: Ich bin doch derjenige, der hier jahrsendelang erzählt hatte, was für ein tolles Land eigentlich Russland ist.
00:28:51: Und die Russen sind ganz normale Menschen, so wie du und ich.
00:28:53: Alle wollen eben die bessere Zukunft für ihre Kinder.
00:28:57: Und dann passiert sowas.
00:28:58: Natürlich muss ich das, ich muss das versuchen, zumindest zu erklären.
00:29:01: Ich erfahre sehr viel, was soll ich sagen, Beileid.
00:29:05: Ja, ich habe es mit vielen Menschen zu tun, die Russland ermögen.
00:29:10: Hier, das ist sowieso, das war in Deutschland schon... Immer in Ostdeutschland vielleicht mehr als in Westdeutschland, aber es war hier wie dort schon immer ein großartiges Land.
00:29:21: So wurde das wahrgenommen.
00:29:22: Jetzt kommen die Menschen zu mir und sagen, was ist denn mit Russen passiert?
00:29:25: Sind sie alle zurückgekommen?
00:29:27: Was ist da los?
00:29:29: Ja.
00:29:30: Vielen Dank für das sehr aufschlussreiche und ehrlichige Gespräch.
00:29:33: Wünsche Ihnen viel Erfolg auf Ihrer Lesereise und hoffe, wir hören uns nochmal wieder und werden auch noch ganz viel von Ihnen lesen.
00:29:40: Vielen Dank, Vladimir Kaminer.
00:29:41: Ich danke Ihnen.
00:29:42: Dankeschön.
00:29:50: So, und jetzt habe auch ich es schwarz auf weiß, der Prozess in Moskau gegen Jagdili ist verschoben worden.
00:29:57: Zum zweiten Mal schon.
00:29:59: Nächster Termin jetzt Ende Februar.
00:30:01: Angeblich sollen irgendwelche zeugen.
00:30:04: nicht erschienen sein.
00:30:05: Da darf man sich dann schon auch fragen, welche Zeugen,
00:30:09: weil
00:30:09: die Karnevalswagen kann man sich ja auch lang und breit im Internet anschauen.
00:30:13: Neu ist aber auch, dass Russland Tilly jetzt auf eine internationale Fahndungsliste gesetzt hat.
00:30:19: Damit ist spätestens heute klar, dass er, wie er auch selbst erzählt hat, in diverse Länder nicht mehr
00:30:27: reißen
00:30:27: sollte.
00:30:28: So, das war's für heute.
00:30:29: Wir hören uns hoffentlich morgen wieder.
00:30:31: Ich freue mich schon drauf.
00:30:32: Wünsche Ihnen einen wunderschönen Abend.
00:30:34: und sage nun noch, ciao!