F.A.Z. Podcast für Deutschland

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00:00:18: Darf ich vorstellen?

00:00:19: Das ist die Band Nanook, eine der erfolgreichsten grönländischen Indie-Rock-Bands der letzten Jahrzehnte.

00:00:26: Nanook, das heißt übrigens übersetzt Eisbär, singt konsequent auf Grönländisch.

00:00:31: Da geht es um ihre kulturelle Identität, um Nationalstolz.

00:00:35: Und der, ja, das wissen wir, wurde in den vergangenen Wochen ja schwer attackiert von US-Präsident Donald Trump, der Grönland gerne besitzen würde.

00:00:45: Eine Drohkulisse aufgebaut hat.

00:00:47: Von Invasion war die Rede.

00:00:49: Und erst in Davos hat sich das Ganze etwas beruhigt.

00:00:53: Jetzt gibt es Gespräche über einen möglichen Danke für das Video.

00:00:56: Was macht das Ganze eigentlich mit den Grönländern?

00:00:59: Und wie ist die Stimmung dort jetzt, wo es ein bisschen ruhiger geworden ist?

00:01:03: Mein Kollege Julian Steib, der ist dort vor Ort und erzählt uns hier im FAZ Podcast für Deutschland von seinen Eindrücken und den vielen spannenden Gesprächen, die er geführt hat, hat auch viele O-Töne mitgebracht.

00:01:17: Ja, und im zweiten Teil schalten wir dann nach Großbritannien, denn die Briten, die haben mit ihrer klaren Haltung in Sachen Grönland den Unmut von Trump auf sich gezogen.

00:01:26: Die Stimmung ist frostig und auch da geht es unter anderem um eine kleine Insel, über die sich Trump sehr ärgert.

00:01:34: Warum?

00:01:35: Das erzählt uns unser Korrespondent in London Johannes Leithäuser.

00:01:39: Heute ist Dienstag der dritte Februar.

00:01:41: Ich bin Katrin Jakob und ich freue mich, dass Sie dabei sind.

00:01:55: Was Sie hier hören, das ist mein Kollege Julian Steib im grönländischen Schnee auf grönländischen Boden.

00:02:03: Er ist unser Korrespondent für Skandinavien und gerade für uns in dem Land unterwegs, das in den vergangenen Wochen in aller Munde war.

00:02:11: Dort hat er mit vielen Menschen gesprochen und viele Einrücke gesammelt, die er jetzt mit uns teilt.

00:02:17: Hallo Julian.

00:02:18: Hallo.

00:02:19: Ja Julian, erzähl mal, du bist seit einigen Tagen da unterwegs.

00:02:22: Wie ist die Stimmung in Grönland nach diesen turbulenten Tagen?

00:02:29: Ja, die Stimmung ist... Immer noch voller Sorge eigentlich.

00:02:32: Es gibt ja eine gewisse Erleichterung, weil Trump immerhin mal ausgeschlossen hat, dass er die Insel... mit militärischer Gewalt in seinen Besitz, in den Besitz Amerika springen könnte.

00:02:42: Aber man traut dem nicht so recht.

00:02:43: Eigentlich alle, mit denen ich gesprochen habe, sagen, die Krise sei nicht vorbei.

00:02:47: Die Menschen diskutieren weiter ständig darüber, sind voller Angst, aber auch voller Wut darüber, wie mit ihnen umgegangen wurde, mit ihrem Land, dass das quasi zu kaufen sein soll, dass der Trump das als ein Stück Eis bezeichnet hat.

00:03:01: Das erinnert stark die Menschen, glaube ich, an die Verletzungen.

00:03:04: die ihr Land historisch erlitten hat während der Kolonialzeit.

00:03:07: All die offenen Wunden wurden sozusagen da wieder berührt.

00:03:11: Und ich war viel unterwegs.

00:03:13: Ich war unter anderem auch in einem Angel- und Jagdgeschäft.

00:03:16: Da haben die mir erzählt, dass die Grönländer zwar jetzt nicht mehr Gewehre kaufen, denn viele von ihnen haben schon eins oder sogar mehrere, aber dass die Nachfrage nach Munition stark gestiegen sei, dass die Vorratspacks an sozusagen so Trockenahrung, die man irgendwie sich zu bereiten kann oder auch so Camping-Ausrüstung, die Nachfrage danach stark gestiegen sei.

00:03:39: Und als unlängst jeder Strom mal ausfiel, dachten alle, oh Gott, jetzt sind die Amerikaner da.

00:03:45: Also echt große Verunsicherung.

00:03:48: Die Leute machen sich große Sorgen.

00:03:49: Du hast ja auch mit einem Mitglied einer grünländischen Band gesprochen.

00:03:53: Christian Elsner von der Band Nanook.

00:03:56: Die haben wir auch am Anfang schon mal kurz gehört, am Anfang der Sendung.

00:04:00: Und ja, der hat ja auch davon erzählt, dass die Kinder manchmal vor Angst nicht schlafen konnten.

00:04:06: Unsere Kinder können manchmal nicht schlafen, weil sie Angst haben.

00:04:14: Sie sprechen über sie in der Schule.

00:04:18: Wir sprechen über sie mit unseren Freunden und Familie immer.

00:04:24: Aber was wird passieren?

00:04:27: Weil wir nicht wirklich wissen.

00:04:29: Wir sind nicht mit diesen Situationen in Greenland.

00:04:32: Wir haben ein peacevolles Land.

00:04:33: Es ist sehr ... Es ist sehr gefährlich.

00:04:37: Also er sagt, es war eine verrückte Zeit, es war Dauerthema in allen Gesprächen, weil keiner wirklich weiß, was passiert.

00:04:45: Das sei man einfach auch nicht gewohnt, diese ganze Stimmung in Grönland.

00:04:50: Und das sei schon wehrängstigend.

00:04:53: Ja, das ist man nicht gewohnt in Grönland.

00:04:56: Also, da gab es schon Angst vor einer Invasion, konkret, vor einer Invasion der USA, oder?

00:05:02: Die Angst ist eigentlich immer noch da.

00:05:04: Die sagen, es kann sein, dass Trump sich von einer Stunde anders überlegt.

00:05:08: Es gibt jetzt eine vorsichtige Erleichterung.

00:05:11: Es ist nicht mehr ganz so präsent die Drohung.

00:05:13: Aber alle sagen, es kann sich ganz schnell wieder ändern.

00:05:16: Man traut Trump nicht über den Weg.

00:05:18: Das ist auch keinen Wunder.

00:05:21: Jetzt hat Dänemark, das ist auch so ein Signal, viele Soldaten nach Grönland geschickt.

00:05:26: Was hast du davon mitbekommen vor Ort?

00:05:29: Die sind sehr präsent in der Stadt.

00:05:31: Man sieht immer wieder, Dänische Soldaten in den Straßen.

00:05:34: Man sieht die Patrouillenschiffe im Hafen von Nuuk, im großen Industriehafen, aber auch ringsum die Stadt patrouillieren.

00:05:41: Dänemark hat auf dem Höhepunkt der Krise hier Soldaten hochgeschickt.

00:05:44: Die Anzahl ist unklar.

00:05:45: Es geht wohl um einige hundert bis hin zu tausend.

00:05:49: Offiziell zum Training.

00:05:51: Sicherheit der Arktis wird da betont im Rahmen einer Trainingsmission Arctic Endurance.

00:05:58: Aber inoffiziell ist eigentlich klar, es geht auch darum, die Amerikaner abzuschrecken.

00:06:04: Nun kann das kleine Dänemark nicht die amerikanische Armee abwehren, aber es kann doch den Preis hochtreiben.

00:06:10: Also wenn hier Tod der NATO-Soldaten wäre, würde das für Trump zu einem deutlich größeren Problem werden.

00:06:15: Und in den dänischen Medien war auch zu lesen, dass der Einsatzbefehl wirklich lautete, hier die Insel zu vertreiben.

00:06:21: Und die Soldaten wurden wohl auch mit scharfer Munition hier zum Training in Anführungszeichen hochgeschickt.

00:06:26: Und ein Soldat hat mir auch erzählt, dass wirklich sozusagen die Gefahr einer Invasion akut war.

00:06:33: Und es hier Hinweise gab, dass die bevorstehen hätte können und dass diese Hinweise auch weiterhin noch vorhanden sind.

00:06:41: Aber offiziell heißt es eigentlich immer Training.

00:06:46: Auch zusammen mit den anderen

00:06:47: Partnern.

00:06:48: Ja, genau.

00:06:48: Das hat der dänische Armee-Chef Michael Hiltgart, mit dem du gesprochen hast, ja auch gesagt, er hat das alles ein bisschen heruntergespielt und hat auch nur von Training gesprochen.

00:07:34: Also es ist alles nur Training, manche Sachen.

00:07:36: Kann man eben nur dort trainieren.

00:07:37: und als du ihn dann mit dieser Aussage von dem Soldaten konfrontiert hast, da ... Ja, da war er ein bisschen verwundert und hat eine klare Absage erteilt.

00:07:49: Also eine Bedrohung habe es nicht gegeben oder gebe es nicht.

00:07:53: Ja, das ist sozusagen die offizielle Linie.

00:07:56: Man hält weiter die Hand ausgestreckt in Richtung der Amerikaner.

00:08:00: zeigt ihn aber implizit.

00:08:01: Okay, wir sind schon hier, wir sind präsent, wir würden diese Insel, die zum dänischen Königreich gehört, auch verteidigen.

00:08:07: Und bei dieser Übung, bei der ich da war, etwas südlich von Nuuk, so zwei Bootsstunden, habe ich gesehen, wie die dänischen Soldaten da ein... Wasserkraftwerk verteidigen oder das zumindest üben.

00:08:20: Und da konnte ich dann eben den Hülkart auch sprechen und den dänischen Verteidigungsminister, der ja auch diese offizielle Linie dann nach außen vertritt.

00:08:26: Aber es ist klar, auch dort immer wieder, wir sind präsent.

00:08:29: Ja, das scheint so der gemeinsame Kurs zu sein.

00:08:31: Also auch die grönländische Außenministerin Vivian Mordzfeld, die zeigt sich so ganz positiv und lobt die Treffen in Washington.

00:08:41: Da können wir auch nochmal kurz reinhören, dass du auch einen Ton mitgebracht.

00:08:47: Ich

00:08:48: fühle mich heute sicherer als ich nur

00:08:50: drei Wochen ago war.

00:08:53: Unsere Meinung, dass, wenn es nicht gut war, in Wassenton, um diesen Halt

00:08:59: zu machen, um diplomatisch

00:09:01: zu kommen, hat

00:09:02: mir Hoffnung.

00:09:04: Ganz schön windig da in Grönland.

00:09:06: Aber sie sagt, es gibt ihr Hoffnung, dass es zurückgekommen ist auf den diplomatischen Weg.

00:09:13: Aber ganz ehrlich, Julian, so richtig?

00:09:16: Trauen auch die Politiker Donald Trump nicht über den Weg?

00:09:21: Das sagen die zumindest offiziell, da sagen die nichts zu.

00:09:25: Aber wenn man die Menschen so spricht und auch, ich hab mit dänischen Polizisten gesprochen, die auch hier sind, die trauen dem alle nicht.

00:09:34: Die wissen, Trump ist sehr wechselhaft.

00:09:36: Das kann sich ganz, ganz schnell wieder ändern.

00:09:40: Nun war ja diese klare Position von Dänemark, die auch jetzt an der Seite stehen, Soldaten hinschicken, ganz wichtig in dieser Debatte, in diesem Streit mit Trump.

00:09:49: Aber wie ist denn eigentlich das Verhältnis von Grönland zu Dänemark aktuell?

00:09:55: Das ist ein sehr schwieriges Verhältnis.

00:09:58: Das ist ja historisch sehr belastet.

00:10:00: Grönland war früher Kolonie Dänemarks und hat sich auch hier lange aufgeführt wie ein... Kolonial.

00:10:07: Herren, also die Grönländer waren hier Menschen zweiter und dritter Klasse früher.

00:10:11: Und da gibt es sehr, sehr viele Wunden auf grönländischer Seite.

00:10:15: Die Gdänen haben hier Ressourcen abgebaut.

00:10:17: Sie haben auch Unrecht begangen.

00:10:19: Sie haben junge Frauen und Mädchen zwangssterilisiert.

00:10:23: Sie haben Kinder als Experiment aus den Familien herausgenommen und nach Dänemark geschickt.

00:10:29: Zugleich sagen einem auch viele Grönländer, Sie haben eigentlich Glück gehabt, dass es wenigstens Dänemark war, was hier Kolonie war.

00:10:36: Allen anderen Inuit-Völkern sei es sehr viel schlechter gegangen und die Dänen hätten auch Gutes gemacht.

00:10:41: Sie haben hier Bildung hergebracht, sie haben eine Gesundheitsversorgung hergebracht, die funktioniert und sie haben dieses ja wirklich riesige Land, was aber nur eine sehr, sehr kleine Bevölkerung hat, also siebenfünfzigtausend Menschen leben hier, nicht mal zwanzigtausend in Nuk.

00:10:58: Sie haben das auch nach vorne gebracht.

00:11:00: Und jetzt bemühen sie sich sichtlich, das Land auf Augenhöhe zu behandeln.

00:11:06: Aber nicht der reine Heilspringer und Retter, der nach dem es im Moment so klingt.

00:11:11: Das vergisst man immer so ein bisschen.

00:11:14: Ja, und aus dänischer Sicht wiederum auch ganz interessant die... Die erwarten so ein bisschen, dass die Grönländer sich jetzt auch doch bitte mal dankbar zeigen dafür, wie sehr man sich einsetzt in dieser Krise für das Land.

00:11:23: Aber jedes Wort des Dankes scheinen die Repräsentanten Grönlands zu vermeiden, natürlich auch aus historischen Gründen.

00:11:31: Sie betonen weiterhin, sie wollen unabhängig werden.

00:11:35: Ja, da fand ich auch ganz spannend, was Christian Elsner von der Band Nanook dazu gesagt hat zum Thema Unabhängigkeit und Dänemark.

00:11:42: Ich würde heute sagen, dass ich glücklich bin, dass wir nicht alleine sind, weil wenn wir ein independentes Land waren, denke ich, dass die Städte schon lange hier sind.

00:11:50: Also, im Moment bin ich ziemlich glücklich, dass wir in Danmark und NATO sind.

00:12:00: Aber ich denke, dass es mit den Städten schon übergesehen ist.

00:12:09: Und wenn es auch übergesehen ist, dass wir noch auf... Wir haben mehr zu sagen und wir können diese Dinge in der Gesellschaft entwickeln.

00:12:27: Es gibt so viel Potenzial in Greenland, aber wir müssen die Ökonomie machen.

00:12:33: Also er sagt, er ist schon froh, dass Dänemark jetzt in der aktuellen Krise an Grönlands Seite steht, sonst hätten sie längst keine Chance gehabt gegen die Amerikaner.

00:12:44: Aber dann kommt schon auch der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit heraus und er sieht halt das große Potenzial, das Grönland hat und dass man eben auch nutzen sollte.

00:12:56: Aber mal ganz ehrlich, wie wahrscheinlich ist denn, dass Grönland unabhängig wird?

00:13:03: Ja, das ist eine schwierige Frage.

00:13:04: Ich glaube, das wissen auch die Grönländer zurzeit.

00:13:07: Selbst die, die auf eine Unabhängigkeit drängen, nicht so richtig zu beantworten.

00:13:10: Wenn man hierher kommt und von Osten Europa auskommt, überfliegt man ja erst mal dieses riesige Land.

00:13:18: Und dann kommt man hier an und denkt, was will eigentlich dieses kleine Land Dänemark mit diesem riesigen Areal?

00:13:23: Und ich glaube, viele Dänen fragen sich das ja gerade auch.

00:13:27: Aber Grönland wäre, stand jetzt überhaupt nicht in der Lage.

00:13:31: sich selbst zu verwalten und sich selbst zu regieren.

00:13:34: Es gibt weder die Ressourcen.

00:13:36: Dänemark schiebt ja jedes Jahr, ich glaube, vier Milliarden Kronen hierher.

00:13:41: Das würde anders gar nicht funktionieren.

00:13:42: Es gibt auch gar nicht das Personal.

00:13:44: Also es gibt, glaube ich, zweihundert grönländische Polizisten nur und sehr viel Dänische, die die hier unterstützen.

00:13:52: Das Thema bleibt weiter schwierig.

00:13:53: Alle grönländischen Parteien wollen ja eine Unabhängigkeit, aber die meisten eben nicht bald, weil sie Sorge haben, dass sie dann sehr schnell auf Seiten der USA landen würden.

00:14:02: und auch die Außenministerin, die grönländische Vivian Motzfeld hat sich früher sehr vehement für eine Unabhängigkeit ausgesprochen, aber ist da jetzt sehr, sehr viel zurückhaltender geworden.

00:14:14: Ja, da gibt es ja einige, also die früher so vehement dafür waren und jetzt ja zurückhaltender, vorsichtiger geworden sind, dass du ja auch noch mit einem ehemaligen Politiker gesprochen.

00:14:26: Ja, genau.

00:14:26: Ich habe auch mit Ackerlück Lünge gesprochen.

00:14:28: Das ist ein Aktivist, früherer Politiker, früherer Sozialarbeiter auch.

00:14:34: Und der war früher auch ein vehementer Befürworter der Unabhängigkeit oder größerer Souveränität.

00:14:40: Und er sagt im Grunde auch, ja, eigentlich können wir froh sein, so wie es ist und denemark habe auch sehr viel Gutes hergebracht.

00:14:47: Und damit stellt er sich auch so ein bisschen gegen die öffentliche Meinung hier eigentlich derzeit.

00:14:52: die doch sehr, die das Unrecht betont, was begangen wurde.

00:14:56: Ja, gut.

00:14:57: Ich meine, da geht es auch viel um Respekt vor der Kultur der Inuit, vor Identität, vor den Wurzeln.

00:15:04: Davon singt ja auch die Band Nanook viel.

00:15:08: Was würdest du sagen?

00:15:09: Ist das das Entscheidende?

00:15:11: Denken die Grönländer da genau so?

00:15:13: Es geht viel einfach um Respekt und Identität?

00:15:18: Ja, ich glaube schon, die haben das Gefühl, dass sie ... lange nicht genügend gesehen wurden von Dänemark.

00:15:23: Das hat sich jetzt geändert, die Dänen versuchen, auch Grönland im Königreich zu halten, ihnen wie gesagt jetzt auf Augenhöhe zu begegnen, ihnen mit Respekt zu begegnen.

00:15:33: Vielleicht dient dieser neue Umgang, vielleicht dient auch die Krise jetzt langfristig dazu, dass das gelingen wird, dass Grönland gehalten wird im Königreich.

00:15:43: Dänemark vielleicht dann mit etwas mehr Souveränität als jetzt noch.

00:15:47: Dann hätte das Ganze wenigstens auch noch was Gutes.

00:15:52: Julian, wie lange bist du jetzt noch in Grönland?

00:15:56: Ich fliege heute zurück.

00:15:57: Da bleiben wahrscheinlich viele, viele Eindrücke.

00:16:00: Hier bei uns schneit übrigens auch gerade.

00:16:02: Also kommst du quasi vom Schnee in den Schnee.

00:16:06: Ja, es war auch gar nicht so viel kälter hier als jetzt in Deutschland, glaube ich, die Tage.

00:16:10: Heute ist es kälter.

00:16:12: Und das fühlt sich sehr viel kälter an hier am Meer.

00:16:14: Alles klar, Julian.

00:16:15: Vielen Dank für das Gespräch.

00:16:16: Danke dir für die Eindrücke.

00:16:18: Ich danke dir.

00:16:23: Ja, also in Grönland traut man dem vermeintlichen Frieden mit Trump nicht.

00:16:28: Die Gespräche laufen, aber jeder rechnet damit, dass Trump jederzeit seine Meinung wieder ändern kann.

00:16:33: Wer die Launen und die Wut-Trumps in den letzten Wochen auch abbekommen hat, ist der ja eigentlich enge verbündete Großbritannien.

00:16:41: Und das hat sogar noch weitere Kreise gezogen bis zu einer kleinen Insel im indischen Ozean.

00:16:47: Was es damit auf sich hat, darüber spreche ich jetzt mit unserem Korrespondenten in London, Johannes Leithäuser.

00:16:53: Hallo, ich grüße Sie.

00:16:54: Ich grüße Sie auch.

00:16:56: Ja, Herr Leithäuser, beim Thema Grönland war Großbritannien, Kerstdamer auch ganz klar, hat sich auf die Seite Dänemarks und Grönlands gestellt.

00:17:05: Trumps Wunsch nach einer Übernahme eine klare Absage erteilt.

00:17:09: Das kam nicht so gut an in Amerika, oder?

00:17:16: Reaktionen, die in London sehr überrascht hat, weil Donald Trump plötzlich dann eine andere Insel oder ein Inselarchipel entdeckt hat, das mitten im indischen Ozean liegt und diese Chagos-Inseln beherbergen eine Militärbasis, die von Amerika und Großbritannien gemeinsam genutzt wird.

00:17:35: Diese Inseln sind in einem Vertrag an Mauritius weitergegeben worden, den London ausgehandelt hat vor einiger Zeit.

00:17:44: Mit dem Einverständnis Amerikas ursprünglich, da es ja um den Erhalt der gemeinsamen Basis ging, also der Militärstützpunkt soll für weitere hundert Jahre bestehen bleiben, aber die Hoheit über die Inseln soll an Maurizius übergehen.

00:17:59: und plötzlich In einem dieser unberechenbaren News-Tweets, die Donald Trump immer raushaut, hat er das als eine große Dummheit genannt, also quasi den britischen Premierminister, der als Dummkopf bezeichnet.

00:18:12: Okay, gehen wir da vielleicht nochmal einen Schritt zurück, diese Chagos-Inseln im indischen Ozean.

00:18:17: Da muss man ja schon auf der Landkarte suchen unten in der Mitte zwischen Afrika und Australien im Mitten im indischen Ozean.

00:18:24: Ein extrem wichtiges Land hatte Trump da in seinem Tweet gesagt, sind die Inseln denn strategisch wirklich so wichtig?

00:18:33: Die Inseln sind sicherlich von großer militärischer Bedeutung, einfach, weil es nicht sehr viele Möglichkeiten gibt, in dieser riesigen Region Schiffe oder Flugzeuge zu stationieren und sogar, wenn man jetzt an die aktuellen Konfrontationen denkt, Amerikas mit Iran.

00:18:53: haben diese Inseln eine Bedeutung, denn von dort ist es nicht so sehr weit an den persischen Golf tatsächlich.

00:18:59: Ah, okay.

00:19:00: Und deswegen ist das Trump dann plötzlich eingefallen, dass es da ja auch noch was gab.

00:19:05: Aber ist das denn richtig, was er da sagt, dass Großbritannien diese Insel... oder die ganze Inselgruppe verschenken will?

00:19:14: Von Verschenk ist es sogar mehr als ein Geschenk, denn Großbritannien überweist da noch Milliardenbeträge hinterher.

00:19:23: Allerdings eben als eine Art Leasinggebühr dafür, dass die Militärbasis auf der größten Insel für weitere hundert Jahre erhalten bleibt.

00:19:32: Und dass dieser Vertrag zustande gekommen ist, den übrigens die konservative Vorgängerregierung hier in London auch schon verhandelt hat.

00:19:39: einfach nicht fertig geworden ist.

00:19:41: Das liegt daran, dass die Befürchtung gestand, dass Großbritannien sonst vor einem internationalen Gerichtshof verklagt werden könnte.

00:19:49: zur Rückgabe der Inseln oder zur Weitergabe an Mauritius, wem die eigentlich gehören.

00:19:54: Da gibt es verschiedene Ansprüche.

00:19:57: quasi das letzte ungeklärte koloniale Erbe Großbritanniens, das da mit dem indischen Ozean liegt, das wurde den Franzosen mal abgejagt zu Napoleons Zeiten, die es vorher besessen haben, die Portugiesen waren auch schon da.

00:20:11: Es war einmal eine Verwaltungsgemeinschaft mit Maurizius und deswegen soll es Maurizius jetzt quasi übernehmen.

00:20:17: Über das Schicksal der Einwohner, die da mal drauf gelebt haben.

00:20:20: Übrigens, da kann man auch geteilter Meinung sein, denn ein Rückkehrrecht ist nach wie vor ausgeschlossen.

00:20:26: Es geht also nur... quasi um die völkerrechtliche Ruhrheit.

00:20:31: Und jetzt, wenn ich das aber richtig verstehe, ist diese gemeinsame Militärbasis, um die es Trump ja eigentlich geht, die ist durch diesen Vertrag aber gesichert und bleibt weiterhin in britisch-amerikanischer Hand, richtig?

00:20:45: Genau.

00:20:45: Es gibt also dann alle möglichen Mutmaßungen.

00:20:48: Hier haben jetzt auch die jetzt in der Opposition sitzen, Konservativen.

00:20:52: bemerkt, dass es auf Moritzes ein Regierungswechsel gab, dann hieß es der neue Ministerpräsident Sitze auf dem Schoß von China.

00:21:00: Wer weiß, was der dann mit diesen Inseln anstelle.

00:21:03: Der Vertrags sieht aber vor, wie gesagt, dass für weitere neunundneinzig Jahre die Militärbasis in Britsche Hand bleibt, das Umland nicht bebaut werden darf und das ist sogar eine Verlängerungsoption auf weitere Jahrzehnte geben soll.

00:21:17: Okay, also dann hatte das auch noch nicht mehr so richtig Hand und Fuß, was Trump da gesagt hat.

00:21:20: War das einfach nur quasi, weil er wütend aufs Dharma war wegen Grönland?

00:21:26: Oder wie erklären Sie sich das?

00:21:28: Das war bestimmt der spontane Auslöser.

00:21:31: Es gab hier in London noch eine weitere Äußerung, Trumps, die für Großsensätzen sorgte, als er der Ansicht war, die NATO habe Amerika ja nie geholfen.

00:21:40: und in Afghanistan, was ja immer ein NATO-Einsatz war nach dem Angriff.

00:21:45: Auf das World Trade Center Anfang der Zweitausende.

00:21:49: Da hätten sich die Verbündeten ja immer hinter der Front schönen Abseits gehalten.

00:21:54: Und das war ein Einsatz, bei dem immerhin mehr als vierhundert britische Soldaten gefallen sind.

00:22:00: Ja, und deutsche Soldaten ja auch, ne?

00:22:01: Also hier hat es ja auch auf

00:22:04: den Schlagzeichen.

00:22:06: Aber es ist auch so, dass Trump natürlich Freunde hat in Großbritannien, die ihm womöglich manchmal Sachen ins Ohr flüstern.

00:22:13: Dazu gehört Nigel Farage, der Chef der rechtspopulistischen Reformpartei hier.

00:22:19: Und wer weiß, ob der nicht so lange über die Chagos Inseln in Washington geplaudert hat, dass Trump dann irgendwann gesagt hat, ach so, aha, dann wollen wir dem Stammer mal einen quasi auf die Mütze geben.

00:22:36: Ja, weil er es damals eben klar sich in dieser Grünlanddebatte gegen Trump gestellt hat.

00:22:42: Was schon ein Kurswechsel war, denn vorher hat die britische Regierung angesehen, ist Washington immer so eine Art Schmusekurs.

00:22:52: versucht, seitdem Trump ins Abend gekommen ist.

00:22:54: Also es gab gleich am Anfang, als der hiesige Premierminister das erste Mal in Washington war bei Donald Trump, diese Einladung zum Staatsbesuch bei König Charles und ein nie da gewesener zweiter Staatsbesuch.

00:23:08: Und die Briten haben also versucht, diese Trumpsche Vorliebe für superlative jede Art zu bedienen und haben ihn hier dann auch hoffiert nach Strich und Faden.

00:23:19: haben auch ein paar günstigere Zollbedingungen ausgehandelt als beispielsweise die Europäische Union.

00:23:26: Aber in dieser Sache plötzlich gab es eine klare Kante an Saga aus London, lasst die Finger von Grönland.

00:23:32: Okay, und dann hat er das gleich um die Ohren gehauen, kriegt mit den Chagos-Inseln.

00:23:35: Wie wird denn eigentlich in Großbritannien auf dieses Abkommen insgesamt geblickt, wenn ich dann noch mal darauf zurückkommen darf, auf diese Chagos-Inseln?

00:23:44: Naja, es ist, wie gesagt, sehr umstritten.

00:23:47: Die Regierung steht auf dem Standpunkt.

00:23:49: Sie habe quasi damit die Militärbasis gesichert und das sei der einzige Weg gewesen.

00:23:54: Und erinnert daran, dass die jetzige Opposition auch schon in diesem Sinne verandelt hat.

00:23:59: Während konservative und Reform UK nun sagen, das war überhaupt ganz unnötig, wir hätten das einfach behalten sollen und auf diese Argumente, dass es uns nicht gehört, gar nicht eingehen müssen.

00:24:11: Das kann man natürlich auch weiterverfolgen, aber immer mit der Gefahr, dass es dann plötzlich Urteile gibt, die andere sagen völkerrechtliche, ist das Förder der Menge nicht die Tendenz, dass wir uns immer mehr eigentlich nicht anders halten, was wir mal seinen internationalen Regelbergen vereinbart haben in der Nachtwuchszeit.

00:24:31: Nun, fragt man sich ja, wie viel, also nach diesen zwei Sachen, Sie haben ja auch gesagt, für Empörung hatte auch gesorgt, dass Trump sich über den Afghanistan-Einsatz geäußert hatte.

00:24:44: Wie viel liegt denn Trump an einem guten Verhältnis zu Großbritannien noch?

00:24:52: Also ich glaube, Trump America First liegt nur abgestuft.

00:24:57: Ich denke mal Russland und China sind die Mächte, die er ernst nimmt auf der Welt.

00:25:01: Dann kommt erst mal lange Zeit nichts.

00:25:03: Ich glaube, dass er eine emotionale Bindung an Großbritannien hat.

00:25:07: Schließlich stammt seine Mutter aus Schottland.

00:25:11: Er hat ja hier auch investiert und Privatbesitz und Golfplätze etc.

00:25:16: Aber ich glaube, dass er Deswegen keine größere Rücksicht auf Großbritannien nehmen würde, wenn es ihm gerade gegen den Strich geht als auf andere Länder.

00:25:28: Es gibt noch eine Besonderheit.

00:25:30: Er hat durchaus Hochachtung, glaube ich, für das Britsch Königshaus, weil das etwas ist, was man, also tausend Jahre Traditionen kann man mit Geld doch nicht so einfach kaufen.

00:25:40: Und angeblich hat in dieser Afghanistan Sache auch der König selbst, also Charles, Washington wissen lassen, dass Trump da einen Schritt zu weit gegangen ist, indem er die Leistung der britischen Soldaten herabgesetzt hat.

00:25:54: Jedenfalls gab es dann zwar keine Entschuldigung, aber einen korrigierenden Tweet von Donald Trump, kurz Zeit später, der die Tapferkeit der britischen Streitkräfte lobte die Unerreichtsein in der Welt außer von den amerikanischen Designen noch besser.

00:26:11: Okay, aber da hat der König dann doch noch mal.

00:26:14: mit einem Machtwort ist er dann durchgedrungen zu Trump.

00:26:17: Das wissen wir nicht, weil das natürlich niemals öffentlich wird, aber wir können es vermuten.

00:26:24: Okay, Herr Leithauser, ganz herzlichen Dank für die Einschätzung und diese interessanten Erläuterung zu den Chagos-Inseln, die man sich jetzt mal auf der Landkarte anschauen kann.

00:26:35: Danke Ihnen.

00:26:35: Ich danke Ihnen

00:26:36: und schöne Grüße nach Frankfurt.

00:26:43: Das war es für heute vom FAZ Podcast für Deutschland und eine Sache habe ich vergessen am Anfang noch zu sagen.

00:26:50: Viele von Ihnen haben sich möglicherweise gewundert, dass heute nicht der Live-Podcast hier bei uns gesendet wurde.

00:26:56: Den hatten wir angekündigt zum Thema Tread Wives und Alpha Männern und da müssen wir einfach sagen, die Autorin Hannah Lümann, die mit auf der Bühne war, Die war schwer erkältet, hatte kaum Stimme und so hatten wir leider keine Gelegenheit, dieses Gespräch heute zu senden.

00:27:17: Aber ich kann Ihnen sagen, wir werden das irgendwann nochmal nachholen und nochmal über dieses Thema sprechen, denn es ist ein spannendes Thema und unsere Kollegin Livia Gerster, die lässt dieses Thema auch so schnell nicht wieder los.

00:27:30: Also freuen Sie sich drauf, da kommt nochmal etwas.

00:27:34: Und ja, mir bleibt es noch, mich heute zu bedanken.

00:27:37: Ganz herzlich bei Laura Rohbahn, bei Sandra Klüber und bei Bengi Topchu für ihre großartige Unterstützung.

00:27:44: Und dann möchte ich mich noch von Ihnen verabschieden und sage tschüss und bis morgen!

Über diesen Podcast

Der Nachrichten-Podcast der F.A.Z. mit exklusiven Interviews zu aktuellen Themen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft. Der Podcast für Deutschland bietet Montag bis Freitag um 17 Uhr hintergründige und kontroverse Diskussionen mit F.A.Z.-Redakteuren.

Sie können den Podcast auch hier hören: www.faz.net/podcasts/f-a-z-podcast-fuer-deutschland/

von und mit Frankfurter Allgemeine Zeitung

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