00:00:03: Herzlich willkommen zum FHZ Podcast für Deutschland.
00:00:07: Es ist endlich wieder Montag, Montag der erste Juni und ich bin es wieder Corinna Butras aus Berlin.
00:00:15: Ja, es gibt erstmal Versöhnliches zu berichten.
00:00:18: das ist ja nie verkehrt!
00:00:19: Der angeschlagene CDU-Kanzler
00:00:22: Friedrich
00:00:22: Merz kam heute nämlich mit dem CDU-Hoffensträger Henrik Wüst im Sauerland zusammen.
00:00:29: Es waren lange geplantes Treffen, um gemeinsam
00:00:32: die NRW-Landtagswahl
00:00:34: im kommenden April vorzubereiten und süß versicherte bei dieser Gelegenheit dem Kanzler.
00:00:40: Lieber Friedrich, du hast die volle Unterstützung der CDU Nordrhein-Westfalen.
00:00:46: Ja und warum weiß ich auf diese Selbstverständigkeit hin?
00:00:50: Natürlich wegen der Gerüchte um einen möglichen Kanzlerputsch, den sich hier im politischen Berlin ja ziemlich hartnäckig gehalten haben.
00:00:58: in der vergangenen Woche obwohl sie doch erkennbar an den Hahn herbeigezogen waren können Sie alles nochmal nachhören und zwar bei meiner Kollegin Kathi Schneider am vergangenen Freitag.
00:01:10: Jetzt dominiert also wieder die Harmonie und die Hauptstadtjournalisten müssen sich andere lohnende Themen suchen, haben wir bei der FAZ natürlich schon längst getan.
00:01:19: zum Beispiel der Kollege Matthias Wiesuwa.
00:01:22: seine Recherche will ich Ihnen heute nämlich mal vorstellen.
00:01:25: es geht
00:01:26: um
00:01:27: die Wahlen für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.
00:01:30: Da tropft schon seit Jahren ein Wahlkampf, der nach ganz eigenen Regeln und ziemlich im Verborgenen läuft.
00:01:37: Es geht um einen Sitz im Sicherheitsrad also in jenem Gremium das als zentrale Schaltsstelle gilt und deswegen der geopolitischen Machtverhältnisse kaum mehr.
00:01:48: was bewegt Sie wissen es, USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien.
00:01:54: Das sind die fünf ständigen Mitglieder und es gibt noch zehn nicht ständige Mitglieder.
00:01:59: Jedes Jahr werden fünf von ihnen neu gewählt und das ist am Mittwoch der Fallen und Deutschland will unbedingt wieder in das Gremium her.
00:02:09: Heute haben wir die Gelegenheit, ziemlich ungewöhnliche Einblicke zu bekommen.
00:02:13: Dazu spreche ich gleich mit meinem Kollegen Matthias Wiesuwa der in der Samstagsausgabe der FFZ eine eindrückliche Reportage über diesen Wahlkampf veröffentlicht hat übrigens unter dem schönen Titel Vereinte Ambitionen und danach spreche noch mit Christoph Häusken den langjährigen außenpolitischen Berater von Kanzlerin Merkel.
00:02:36: Also jede Menge los hier, aber bevor wir so richtig durchstarten habe ich noch zwei Daten die sich bitte dick im Kalender anmalen.
00:02:44: Jedenfalls wenn Sie ein Interesse daran haben uns beim FAZ Podcast mal persönlich kennenzulernen da haben sie die Möglichkeit am fünfzehn Juni Da machen wir nämlich ein Live-Podcast in Frankfurt und am Samstag, den zwanzigsten Juni in Berlin.
00:03:02: Alle Details finden Sie
00:03:04: in den Shownotes.
00:03:06: aber jetzt geht es erstmal
00:03:08: los!
00:03:16: Normalerweise sitzt der Kollege Matthias Wiesuwa hier bei uns im Berliner Boot im zweiten Stock wenn er nicht gerade auf Reisen ist.
00:03:23: Er kümmert sich um die Außenpolitik begleitet den Außenminister quasi auf Schritt und Tritt.
00:03:29: Und jetzt ist er auch schon wieder unterwegs, und zwar nach New York zu ihm jener Wahl des Sicherheitsrates über die wir uns jetzt unterhalten wollen.
00:03:37: Herzlich willkommen Matthias!
00:03:38: Schön dass du dabei bist.
00:03:40: Ja hallo Corinna.
00:03:41: Sag mal wo erwischen wir dich denn gerade?
00:03:43: Tatsächlich reise ich diesmal nicht mit dem Außen Minister weil der nämlich schon in New York isst und ich fliege hinterher und steige grade in Frankfurt um in den Flieger nach New york um dann bei dem großen Finale am Mittwoch dabei zu sein beim großen Endspiel.
00:03:56: Und auf dieses Endspiel bereitet sich Vadefuhr bereits seit Freitag in New York schon vor und wirbt noch um die letzten Stimmen.
00:04:02: Ja, also
00:04:03: da
00:04:03: geht es hoch her und jetzt wollen wir erstmal umreißen, worum es geht!
00:04:07: wie die Ausgangslage aussieht.
00:04:10: Du hast ja, wie gesagt einen großen Text darüber geschrieben und da fand ich eine Passage sehr eindeutig wo du geschrieben hast die Mission lautet eine Blamage von Deutschland abzuwenden.
00:04:23: warum eigentlich blamage?
00:04:25: erzähl mal worum es geht
00:04:27: Weil es natürlich am Ende auch eine Frage ist, wie ein Land gewertet wird und gesehen wird von außen.
00:04:32: Und wie das Selbstverständnis dazu passt was andere dem Land dann auch zugestehen?
00:04:36: Das Selbstverständnissen von Deutschland ist natürlich eigentlich wenn man einen Permanenten setzt die Reform dazu liegen aber auf Eis.
00:04:42: da passiert nicht viel.
00:04:43: also hat man sich entschieden den für den Nichtständigen sitzt alle acht Jahre zu kandidieren.
00:04:47: das sind immer Sitze für eine Periode über zwei Jahre.
00:04:50: Da steht jetzt wieder an, das letzte Mal war Deutschland im Sicherheitsrat in den Jahr- und Neunzehn-Sicherts-Raten als nicht ständiges Mitglied.
00:04:57: Jetzt steht es wieder an für die Periodesebenundzwanzig, achtendzwanzige Wahl am Mittwoch.
00:05:01: Und Deutschland eben als große Mittelmachter als ein Land was Führung übernehmen will, was natürlich auch in Europa militärisch immer wichtiger wird.
00:05:07: Er hat natürlich selbstverständlich zu sagen, da gehören wir hin in den Sicherheitsrat.
00:05:10: Das Problem ist nur es gibt für die europäischen Staaten nur zwei Plätze aber mit Deutschland drei Kandidaten und die anderen beiden Kandidat haben früher angefangen und das kann durchaus was passieren dass Deutschland diesmal zum ersten mal nicht reingewählt wird als nichtstelliges Mitglied Und das wäre natürlich schon ziemlich blamabel.
00:05:26: Jetzt musst du uns natürlich erzählen, wer die beiden anderen sind und warum sie schon so früh anfangen.
00:05:31: Gerne!
00:05:32: Das sind Österreicher.
00:05:33: im Portugal-Östereich hat schon das Jahr zwölf angefangen um die Stimmen zu werben mit der Kandidatur Portugal zwei tausend dreizehn.
00:05:39: Deutschland hatte es noch nicht gemacht weil man näher noch die Periode neunzehntzwanzig vor sich hatte und das ist einmal mal beim diplomatischen Kommort etwas schwierig zu sagen ich bewerbe wie schon für eine weitere während ich doch gerade noch drin bin oder erstmal reinkomme.
00:05:51: Man hat dann schon während dieser Periode, die eigene Kandidatur offiziell auch erklärt weil man halt das Problem gesehen hat mit Österreich und mit Portugal.
00:05:59: Das hat schon diplomatisch ein bisschen auf Stimmung gekostet.
00:06:04: trotzdem war aber völlig klar wenn man versteht und das hatte ich ja versucht in der Geschichte klar zu machen wie das Werben um Stimmen in der Generalversammlung der Vereinten Nationen wo gewählt wird in dieser Generalversammlung, wie das Wärmen um Stimmen geht.
00:06:16: Darum weiß man halt, dass es ein sehr transaktionales Vorgehen und dafür braucht man viel Zeit.
00:06:20: und der Vorsprung den Österreich und Portugal
00:06:22: haben."
00:06:23: Der kann eben zu einem großen Problem dadurch werden.
00:06:26: Also du nennst es jetzt ein transaktionales Vorgehen, also ist einfach ein Geben und Nehmen.
00:06:30: wir wollen von den Ländern.
00:06:32: Hundertdreinneunzig sind das die in der Generalversammlung sitzen und die dann wählen?
00:06:39: Den müssen wir Dinge versprechen damit sie uns wählen.
00:06:42: oder erzähl doch mal ein bisschen was über den Mechanismus dahinter stehen
00:06:46: Sehr gerne.
00:06:47: Das Problem ist, wir brauchen zwei Drittel dieser Stimmen.
00:06:49: Alle Stimmen sind gleichwertig bis vom kleinsten Inselstaat bis zu Amerikas und wie gesagt es gibt nur zwei Plätze für die Westeuropäer von den drei Kandidaten.
00:06:58: Wir brauchen zwei drittel der Stimmen.
00:07:00: das ist weil zwei Länder nicht abstimmen dürfen.
00:07:01: zurzeit Venezuela und Afghanistan haben ihre Beiträge nicht gezahlt.
00:07:05: sind das am Ende hundertundzwanzig Stimmen die Deutschland in dieser Generalversammlung braucht.
00:07:09: Und dann gibt es eine ganz einfache Sache die sogenannten Gegenseitigkeitsabsprachen.
00:07:13: Da ist es wirklich so, da weiß man einfach von einem Land okay die wollen irgendwann das und dass werden.
00:07:17: Zum Beispiel in sechs Jahren ins Sicherheitsrat.
00:07:19: dann sag ich einfach ihr wählt uns wir wählen euch.
00:07:23: Sowas haben sie zum Beispiel bei den Europäern wo das relativ lange schon absehbar ist.
00:07:27: wer wann im Sicherheitsrad möchte haben halt die Portugiesen und Österreicher lange schon machen können bevor die Deutschen damit angefangen haben.
00:07:33: Dann gibt es viele andere Länder die für andere Posten sich bewerben mitten im UN-System oder in dem Angehängensystem.
00:07:40: dann geht man daran und sagt ihr wollt doch da einen Posten haben wählt uns, wir wählen euch.
00:07:45: Und dann wird es aber noch komplizierter weil's da natürlich auch viele Staaten gibt die nicht wirklich kandidieren, weil sie einfach relativ klein sind und diese Apparate gar nicht haben.
00:07:52: und dann versucht man halt andere Sachen zu finden wie man mit denen halt Absprachen machen kann oder den halt entgegenkommen kann oder Kooperation findet wo man am Ende sagt okay wir hoffen auf eine einseitige Zusage oder auch nicht und damit ist noch kompliziert er wird.
00:08:07: Gibt das trotz?
00:08:08: All dieser Zusagen, die teilweise wirklich in diplomatischen Noten sogar schriftlich erteilt werden eine wahnsinnig große Spundkote.
00:08:15: Und man muss immer damit rechnen dass ganz viele Staaten, die zugesagt haben am Ende trotzdem nicht für Deutschland stimmen und man wird es nie richtig rausfinden weil die Wahl geheim ist.
00:08:22: Ja, wie hoch ist die Schwungquote?
00:08:25: Womit rechnet man?
00:08:26: Also erfahrene Diplomaten rechnen mit über zwanzig Prozent.
00:08:28: Das heißt, über zwante Prozent der Zusagen, die man glaubt zu haben muss man damit rechnet dass man sie am Ende doch nicht kriegt.
00:08:34: so rechnet Man auch im Auswärtigen Amt.
00:08:35: ich habe ja Florian Laudi begleitet er diese Kampagne seit zwei tausend zweieinzwanzig organisiert in der Zentrale in Berlin und Die Rechnern das schon alles mit ein.
00:08:43: hier haben große geheime Tabellen in verschiedenen Detail Tiefen.
00:08:47: gibt es diese Tabelle wo am Endeffekt halt immer mit eingerechnet wird, wie verlässlich ist die Zusage von diesem Land?
00:08:52: Wie ist die Erfahrung mit diesem Land.
00:08:54: Wie fest ist die Zusage?
00:08:55: Wer hat die Zusorge gegeben?
00:08:57: und das muss man immer wieder nachfragen bei jedem Regierungswechsel, bei jeder Krise, auch bilateralen Krise.
00:09:04: immer wieder Nachfragen.
00:09:04: Wie steht es um die Zusagen?
00:09:05: Steht die noch... Und man erlebt dann auch manchmal und auch das haben die Verantwortlichen in den letzten Wochen erlebt dass dann Länder anrufen und sagen ach Uppsala aber wir haben leider haben wir doch allen drei schon die Stimme vergeben.
00:09:15: Jetzt müssen wir mal gucken wie's ausgeht.
00:09:18: Ja, immerhin sind sie da ehrlich.
00:09:20: Das ist ja schon wirklich ganz erstaunlich!
00:09:22: Du sagst ja zurecht das weiß man am Ende auch mal gar nicht wer dann so richtig die Abweichler sind also eine Menge Klinken putzen.
00:09:31: Johann Wadefuhl unser Außenminister tut es selber wahrscheinlich nur bedingt.
00:09:35: du hast schon erwähnt wer da quasi der Hauptakteur ist nämlich Florian Laudi.
00:09:40: erzähle uns mal ein bisschen was ist das für einen Typ?
00:09:44: wie sieht sein Arbeitstag eigentlich aus?
00:09:48: Ich muss dazu sagen, dass Walfel das schon auch macht.
00:09:49: Also seitdem er Außenminister ist hat er quasi bei jedem Gespräch eigentlich dieses Thema angebracht weil die natürlich wissen wie gefährlich das ist und wie peinlich es für ihn wird wenn es nicht klappt.
00:09:58: Auch wenn er gar nicht wirklich die Schuld dafür hat, dass vieles so spät losgegangen ist.
00:10:01: Dementsprechend macht der viel und ist ja auch schon früher losgefahren um mit ganz vielen Leuten vor allem in New York zu werben.
00:10:07: da können wir vielleicht noch mal drauf kommen auf die Botschaft an New York.
00:10:10: der laudi ist halt ein Beamter, ein Diplomat.
00:10:13: Der steht jetzt für viele andere auch in seinem Team und auch für viele anderen Botschafter in der ganzen Welt mit ihnen zusammenarbeitet und organisiert diesen Wahlkampf seit Jahren was vor allem heißt er guckt ganz systematisch mit seinen Leuten in Berlin und dann mit den Botschaftern vor Ort oder den Vertretern vor Ort.
00:10:28: welche Länder wollen was?
00:10:29: Welche Länder wollen welchen Posten haben?
00:10:31: wenn die einen posten haben wollen versucht man sich so schnellst wie möglich zu melden.
00:10:34: Wenn die ein Problem haben, versucht man sich zu melden.
00:10:37: Es gibt zum Beispiel einen Beispiel was ich auch in dem Text bringe ist dann ein Land, wo hat man lange überlegt wie man mit den nahekommen kann?
00:10:43: Ein ganz kleiner Staat!
00:10:44: Man muss sich das ja wirklich mal vorstellen.
00:10:45: es sind ganz viele kleine Staaten die alles gleich recht haben mit der gleichen Stimmrecht.
00:10:49: da hat man herausgefunden sie brauchen Englischlehrer für ihre Diplomaten Ausbildung.
00:10:53: also hat man aus der eigenen Akademie Diplomatenakademie im Berlin hat man eine Englische Lehrerin hingeschickt Hat noch ein paar Klima-Kongresse gegeben hat natürlich damit einfach schlicht ein Viertel der Diplomaten dieses kleinen Landes ausgebildet, sich aber zugleich auch die Dankbarkeit erworben und am Ende eine Zusage.
00:11:09: Ob sie dann eingehalten wird werden wir sehen.
00:11:11: Und mit all diesen Daten, mit den Rückläufen füttert dieser Florian Laude mit seinen Leuten im Auswärtigen Amt halt diese Tabellen wo er wirklich abgezählt wird.
00:11:19: okay da haben wir eine Zusager an die Zusage glauben wir auch?
00:11:22: Da haben wir vielleicht nicht so sehr dran.
00:11:25: Und so weiter und sofort.
00:11:26: Und so behält er dann einen Überblick, wo müssen wir nacharbeiten?
00:11:28: Wo können wir hin?
00:11:29: Wo kommen die Stimmen her?
00:11:31: Das wechselt uns schwankend!
00:11:32: Also sagt auch gleich bei unserem ersten Treffen im letzten Jahr schon es gibt viele Auf- und Absstimmen während Entzogenstimmen kommen wieder zurück und das ist ein ziemlich harter Kampf glaube ich den eben jetzt... Ich habe ihn jetzt stellvertretender genommen weil er halt das koordiniert.
00:11:45: aber eben viele viele Diplomaten machen Und jetzt vor allem seit einigen Wochen und Monaten natürlich auch unsere Leute in New York, also unsere meine ich natürlich die deutschen Diplomaten.
00:11:53: Die dort jetzt dafür kämpfen, die jeweiligen Botschafter all dieser Länder zusammenzuhalten, denn die Botschafte selbst sind auch noch mal ein spezieller Faktor bei dieser Wahl.
00:12:02: Bist das so?
00:12:02: Warum?
00:12:03: Weil auch da wieder – wir müssen uns vorstellen – viele kleine mittlere Länder, Bürgerkriegsländer wirklich Mini-Länder mit ganz kleinen diplomatischen Apparaten.
00:12:12: Da ist gar nicht gesagt dass alle Botschaften, also UN-Botschafter, die in NewYork sitzen und am Ende abstimmen müssen am Mittwoch dass sie wirklich überhaupt eine Weisung erhalten aus ihrer Hauptstadt, dass die sich an diese Weisungen halten.
00:12:24: Dass sie sich nicht selbst für wichtig genug halten um einfach den zu wählen, den sie nett finden oder den die schöneren Empfänge gibt.
00:12:29: und dementsprechend muss man auch da sagen erfahrene Diplomaten das sind viele, viele Dutzende Stimmen über die Wetterheben.
00:12:34: Muss man auch diese Diplomaten umwerben in New York?
00:12:38: Und ihnen einfach das Gefühl geben gesehen zu werden?
00:12:40: ich war bei einem Empfang dabei wo man sonst auch normalerweise nicht so reinkommt wo es dann darum ging einfach dass der Außenminister da war und im deutschen Haus gegenüber der UN wahnsinnig viele dieser Botschafter empfangen hat.
00:12:52: Die sind natürlich formal alle protokollarisch unter seiner Ebene, aber er hat die halt empfangend, er hat mit den Fotos gemacht, hat die Hände geschüttelt und das geht auch darum, sie wollen einfach gesehen werden.
00:13:02: Und wenn dann ein Ausminister kommt und sagt bitte wählt uns zu einem Botschafer, dann kann auch das einen Effekt haben, das darf man nicht unterschätzen.
00:13:10: Es ist ja schon wirklich ein unglaublicher Aufwand Herr Wadefuhl, den ich ja eher so als sehr zurückhaltenden Menschen wahrnehme.
00:13:19: Aber da auch wie seine Rolle gefunden hat oder?
00:13:23: Ja er weiß halt was eine Aufgabe ist und hat glaube ich auch keine Schwierigkeiten damit diese anzunehmen weil wie sagt ihm doch weiß wie unangenehm das wohl ist wenn er Mittwoch in der Generalversammlung sitzt und dann fotografiert wird wenn er erfährt dass die Stimmen nicht ausreichen.
00:13:40: Genau, man hört jetzt im Hintergrund schon die ersten Ansagen im Flughafen-Terminal.
00:13:46: Aber du bist noch safe ja?
00:13:48: Also du hast noch kurz
00:13:49: Zeit?
00:13:50: Ja ich habe noch
00:13:50: Zeit.
00:13:53: Sag mal denn mich interessiert natürlich auch das ist ja wie gesagt ein unglaublicher Aufwand.
00:14:01: war es schon immer so wir reden hier jetzt über eine zweijährige Amtszeit sozusagen, die ja wahrscheinlich schneller vorüber ist als man denkt.
00:14:10: War dieser Aufwand schon immer so hoch oder ist das tatsächlich etwas was sich über die letzten Jahrzehnte so entwickelt hat?
00:14:17: Hast du dann ein Gefühl für dafür?
00:14:19: Ja, die Logik war schon immer gleich.
00:14:21: der Aufwand ist jetzt natürlich größer und es ist vor allem wirklich deshalb größer weil einfach dieser Rückstand den man hatte einfach wirklich groß war.
00:14:26: also es war völlig klar als der Laudi das Zweiundzwanzig übernommen hat dass man deutlich mehr ab als Zusagen hatte Und dass eben gleichzeitig in dieser, sagen wir mal Welt der Unordnung und der deutsche Anspruch immer mehr wurde natürlich Präsenz zu sein an diesem Sicherheitsrat.
00:14:40: Wo man dann halt auch mitwirken kann am Tisch der großen anderen Führungszeichen.
00:14:46: Es gab schon öfter engere Kampagnen also es gab zwei Tausend Zehn Mal eine Wahl da ging's gegen Portugal und Kanada.
00:14:53: Also auch Kanada gehört sich dieser Gruppe westeuropäischer und anderer Staaten.
00:14:58: Da war das schon ein ähnliches Verfahren und da habe ich auch mit einem Botschafter gesprochen, der damals in New York war.
00:15:02: Herr Wittig ist quasi alle Botschafte abgelaufen, alle damals hundertneinzig anderen Botschaften in New-York abgelufen umzuwerben weil das so eng war.
00:15:11: und dann hat man es knapp im ersten Wahlgang geschafft.
00:15:13: Das waren noch die Zeit von Guido Westerwelle.
00:15:15: Wir hatten zwei tausend achtzehn eine Wahl für die Periode neunzenzwanzig.
00:15:18: Da war lange Israel noch ein Konkurrent bis sie sich zurückgezogen haben.
00:15:22: Auch daher wäre er schon mal eng.
00:15:23: Auch da musste man intensiv werben.
00:15:26: Aber ich glaube wirklich in der Konsequenz und in der Dauer, in der Intensität ist das schon sehr einzigartig.
00:15:33: Weil es halt auch so eng ist wie noch nie.
00:15:36: Und sorgt das einfach umgekehrt für Missstimmung zwischen Deutschland, Österreich und Portugal?
00:15:42: Also den Dreien die sich jetzt um zwei Plätze bewerben.
00:15:45: oder ist man da sozusagen nur ein ehrlicher Wettbewerber?
00:15:51: Man versucht es zu vermeiden!
00:15:52: Die Deutschen versuchen bewussten Negativ-Campaining zu vermeidern.
00:15:55: Offiziell machen auch die anderen das nicht.
00:15:58: Es gibt einige Themen, die sehr wichtig sind.
00:16:00: Das sind dann politische Themen, wie gesagt wahrscheinlich nur an geringfügigen Einfluss haben aber dann vielleicht trotzdem den kleinen Ausschlag geben können.
00:16:08: da ist natürlich allen Frauen das Thema Gaza.
00:16:11: Da ist Portugal in Anführungszeichen aus ihrer Sicht was die Wahl angeht besser positioniert beim Globalen Süden.
00:16:18: Da haben Deutschland und Österreich andere Schwierigkeiten weil sie oft Doppelstandards vorgeworfen wird.
00:16:23: Also das musst du ein bisschen erklären.
00:16:25: Da geht es natürlich um das Vorgehen von Israel im Gaza-Konflikt, da hat sich Deutschland eben pro-Israelisch... positioniert mit deutlicher Kritik an einer Regierung, aber nichtsdestotrotz mit einem klaren Bekenntnis.
00:16:40: Und das könnte uns jetzt quasi zum Verhängnis werden.
00:16:43: oder wie schätzt du es ein?
00:16:45: Nicht zum Verhängnis, die Länder der Welt wissen ja, wie Deutschland dazu steht und aufgrund der historischen Verantwortung natürlich auch zu Israel steht und vor allem zu isst im israelischen Selbstverteidigungsrecht.
00:16:53: Aber natürlich ruft das immer wieder aufgrund des humanitären Leids im Gaserstreifen und auf Grund aber auch des Vorgehens der israelischen Regierung, was viele andere Teile in der Welt als völkerrechtswidrig betrachten.
00:17:05: Mit Blick auf die Kriegsführung wirft es halt auch mal wieder Kritik an den Deutschen hervor oder provoziertes Kritik.
00:17:11: da ist Portugal anders.
00:17:12: Portugal hat sogar letztes Jahr am September palästina schon anerkannt als Staat.
00:17:16: Deutschland und Österreich wiederum sind aber vergleichsweise ähnlich.
00:17:19: Es gibt zwar die Erzählungen, die man dann doch immer mal so hört dass die Österreicher ein bisschen flexibler geworden seien und vielleicht noch ein bisschen doch einsteuert ist da kritischer um quasi nicht allzu angreifbaren Anführungszeit zu sein bei diesem Thema.
00:17:31: Die Deutschen haben natürlich auch lange schon einen deutlich kritischeren Thron gegenüber dem Vorgehen der israelischen Regierung.
00:17:37: Die deutschen haben Palästina zwar nicht anerkannt waren aber bei der Anerkennungskonferenz in New York trotzdem als Zuhörer wenigstens dabei, also man versucht die Verbindung nicht abreißen zu lassen zum globalen Süden.
00:17:47: Aber
00:17:49: wie gesagt am Ende ist vieles transaktional aber einiges halt auch nicht.
00:17:52: und dass dann vielleicht doch ein paar Leute sagen ich will jetzt Deutschland nicht wenn mich das ärgert kann passieren.
00:17:58: aber alle Diplomaten die Erfahnung und Erfahrung haben auch nicht nur aus Deutschland sagen schon ganz klar Gerade diese vielen kleinen Länder, die haben einfach ihre eigenen Themen und ihre eigene Probleme.
00:18:09: Und ja sie sprechen Gaza vielleicht anderbar am Ende geht es ihnen um ihre eigenen Sachen und das sind dann auch ganz andere.
00:18:14: Und umgekehrt gibt's ja auch wirklich noch andere Krisen auf der Welt wo über die man sozusagen genauso streiten könnte also zunehmend ja auch in Hintergrund geraten sind.
00:18:26: aber das ist sozusagen die Gemengelange.
00:18:28: dass muss man beachten bei den ganzen Positionierungen.
00:18:32: wie ist denn deine Pognose?
00:18:33: schaffen wir es oder nicht?
00:18:35: Ja, ich glaube am Ende wird Deutschland es schaffen.
00:18:37: Aber das ist ein Gefühl.
00:18:38: Also Deutschland hat halt einige Vorteile unter anderem halt dieses massive Netz an Auslandsvertretungen was natürlich viel größer ist als das von Portugal und von Österreich womit man halt relativ eng Fühlungen aufnehmen kann zu den all diesen kleinen Staaten.
00:18:52: Das machen Portugal und Österreich auch aber Deutschland macht in New York schon einen großen Aufriss und großes Programm um die Botschaft dazu umgarnen.
00:18:59: Und am Ende glaube ich dass haben Diplomaten mal referiert.
00:19:04: Und das Argument, glaube ich, trifft zu, dass gerade die kleineren Staaten dann doch ganz gerne vielleicht ein Land da reinwählen, wo sie davon ausgehen, dass es aufgrund seiner Größe vielleicht ein bisschen mehr gehört wird als dann vielleicht – und das tut mir jetzt ja leid von so einem Nachbarn Wien – weil natürlich auch das wird oft erzählt man geht davon aus, dass Portugal eigentlich durch ist und dass es eher eine Sache ist, die zwischen Berlin und Wien jetzt ausgetragen wird um den zweiten Platz.
00:19:28: Da würde ich Deutschland wie gesagt explizit vom Gefühl her wirklich in klein Deut aufgrund der ganzen Bedingungen vorne sehen und auf Grund der ganzen Kontakte des Netzwerkes, des riesigen deutschen Apparats, Diplomatie-Apparats da damit aller Kraft kämpft.
00:19:42: Wissen tu ich es nicht die Tabellen und Zahlen sind geheim?
00:19:46: In der Tat dann werden wir sehen wie's am Mittwoch ausgeht.
00:19:50: gleich sprechen wir noch Christoph Häusken den du ja auch gesprochen hast für diese Geschichte.
00:19:54: vielleicht erzählst du uns nochmal ein paar Takte über denen
00:19:57: genau
00:19:58: kennste nämlich schon sehr gut und lange.
00:20:00: Ja, sehr gerne.
00:20:01: Christoph Häusken war eben der UN-Botschafter Deutschlands bei der letzten Phase als Deutschland nichtständiges Mitglied im Sicherheitsrat war und war deswegen natürlich auch ein sehr interessanter Gesprächspartner für den Text, den ich da auch zitiere.
00:20:13: also das ist dann noch keine Geheimnisse, dass ich mit ihm geredet habe Und er hat auch wirklich mir diese Feinheiten des Werbebetriebs in New York wunderbar erzählt und ich glaube es wird ja auch dir wunderbar erzählen können wie er halt um die Botschafter dort geworben hat zu berichten, wie dann die Arbeit im Sicherheitsrat selber ist.
00:20:32: Und das war nicht immer einfach ums vorsichtig zu sagen und trotzdem glaube ich würde eher sagen dass es den Aufwand wert ist.
00:20:39: Ja prima also bin ich gespannt.
00:20:41: vielen vielen Dank dass du dir jetzt die Zeit genommen hast.
00:20:44: viel Erfolg viel Spaß in New York gute Reise.
00:20:48: Ich danke dir alles Gute.
00:20:52: ja und da haben wir ihn auch schon in der Leitung Ein Mann mit jahrzehntelanger umfassender außenpolitischer Erfahrung.
00:21:00: Christoph Häuskin, das darf ich noch ergänzen war unter Bundeskanzlerin Angela Merkel Außen- und Sicherheitspolitischer Berater Dann wie schon vom Kollegen Visua erwähnt ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen Und zuletzt Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz.
00:21:18: Da haben Sie liebe Hörerinnen und Hörern Ihnen womöglich auch schon in einer oder anderen Situation wahrgenommen.
00:21:24: freue mich jedenfalls sehr, dass ich Sie hier als Gast begrüßen darf, Christoph Häusgen.
00:21:29: Hallo Frau Budas!
00:21:31: Ja Herr HäusGen vielleicht erstmal an Sie die Frage... Ich war im Dezember bei den Vereinten Nationen und habe dort die UN als komplett blockierte Institution wahrgenommen.
00:21:44: Warum ist es dann aus Ihrer Sicht so wichtig das Deutschland wieder in den Sicherheitsrat kommt?
00:21:50: Ja, liebe Frau Budas.
00:21:52: Das ist leider so das nicht die Vereint insgesamt.
00:21:55: Es gibt viele Bereiche, die funktionieren gut aber gerade der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sehr blockiert ist derzeit.
00:22:03: Aber ich halte es trotzdem und lassen mich das vielleicht ein bisschen erklären für sehr wichtig dass sich Deutschland doch engagiert denn Der UN-Sicherheitsrat Die Vereintene Nationen gehören letztlich zum Fundament auch unserer Außenpolitik der deutschen Politik.
00:22:23: Wenn ich das vielleicht darstellt nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem verheerenden Holocaust, nachdem was Deutschland angerichtet hat haben wir ja ein Versprechen abgegeben.
00:22:34: Wir haben einen Versprechen abgegeben dass wir uns in Zukunft Recht richten und Konrad Adenau, der erste Kanzler hat das immer wieder betont.
00:22:43: Und so haben wir auf der einen Seite eine tolle Verfassung des Grundgesetzes um dass uns die ganze Welt oder viele beneiden.
00:22:49: dann haben wir in Europa es hinbekommen, dass wir nicht mehr wie zwischen eighteen-hunderts siebzehnundneunzeinhalbfünfvierzig in den Jahren drei schweige große Kriege hatten sondern Wir haben da nach dem zweiten Weltkrieg gesagt ab jetzt wollen wir die Konflikte, die es in Europa gibt Auf dem Verhandlungswege auf der Grundlage des Europas rechts lösen und das ist uns gelungen.
00:23:10: Das gelingen in Brüssel, dass es uns mit dem europäischen Gerichtshof in Luxemburg gelungen.
00:23:15: und wir haben in Europa heute die längste Periode des Friedens in der Geschichte Europas dieses Kontinentes.
00:23:21: Das muss man sich immer wieder Inneren Rufen und der Dreiklang wird vollendet mit dem, was zum gleichen Zeit wie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, in Europa nach dem zweiten Weltklieg global nach dem zweiten weltlich versucht wurde.
00:23:34: Mit der Gründung der Vereinten Nationen eine Grundlage zu schaffen mit der Krachter der Vereinte Nationen, mit der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte das Konflikte im Zukunft auf friedlichem Weg gelöst werden.
00:23:46: Dass es eben nicht zu Konflikten kommt sondern dass man darüber dann im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen diskutiert.
00:23:53: Das ist zugegebenermaßen nur teilweise geglückt, es hat halt ein Krieg das nicht verhindern können dass sich die Großmächte und an vielen Orten auch Stellvertreterkriege dann stattgefunden haben.
00:24:09: aber es ist dann zum Beispiel nach dem Ende Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist es gelungen, auch in New York.
00:24:16: Das war so goldene Zeiten der Vereinten Nationen den neunziger Jahren bis hin Anfang der zweitausender Jahre dass es funktionierte auch im Sicherheitsrat und wir sind jetzt in einer negativen Phase.
00:24:28: aber lassen mich trotzdem das nochmal betonen und warum das eine historische Verpflichtung für Deutschland ist in Deutschlands Interesse ist.
00:24:37: Wir wollen nicht das weltweit sich das Recht des stärkeren durchsetzt und wir müssen darauf achten, dass die Stärke des Rechts weiter gilt.
00:24:46: Und dann müssen wir auch in Zeiten in denen China, in den Russland, in denen die USA unser alter Verbündeter eben keinen Wert mehr in vielen Bereichen auf internationales Recht und völkerrecht legen sondern ganz klar sagen unsere Interessen gehen vor.
00:25:02: da muss ein Land wie Deutschland gegenhalten einer der größten Beitragszahler sind.
00:25:08: Wir sind die drittstärkste Volkswirtschaft, kommt Deutschland gerade in schweren Zeiten eine ganz besondere Aufgabe zu sich für die Durchsetzung des internationalen Rechtes einzusetzen im Sicherheitsrat dann auch präsent zu sein weil dort alle Themen auf die Tagesordnung kommen auch wenn sie nicht unbedingt gelöst werden.
00:25:27: aber doch kommen Sie zur Sprache und da muss Deutschland seine Stimme erheben.
00:25:32: Stimmt denn jetzt der Befund eigentlich, wenn man sagt die UN ist in der größten Krise ihrer Geschichte?
00:25:39: Also, wenn wir es so sehen.
00:25:43: China, Russland und die USA legen keinen großen Wert aufs Volk.
00:25:49: Wenn wir gleichzeitig sehen dass die USA ihre finanziellen Beiträge und sie sind aufgrund des Verteidungsschlüsse etwa um zwanzig Prozent der Kosten, der Beiträge kommen aus China.
00:26:02: Die sind praktisch ganz des wenigen Ausnahmen blockiert.
00:26:06: China zahlt schlecht, andere zahlen schlecht also finanziell steht sie auf wackeligen Beinen.
00:26:13: und ja insgesamt ist es in diese Organisationen in einer großen Krise aber ein Grund mehr mit Deutschland sich zu engagieren.
00:26:25: Genau, also davon will ich sie auch gar nicht abbringen.
00:26:27: Aber es ist in der Tat schon eine bemerkenswerte Situation wenn ja immerhin alle drei der vielleicht entscheidenden Player in diesem Zusammenhang wirklich keine Interesse am Völkerrecht haben sondern ehrlich gesagt auch kein Interesse richtig an den Vereinten Nation.
00:26:48: oder sich das falsch?
00:26:50: Ja!
00:26:50: Wir sehen das sehr selektiv.
00:26:54: Es gibt schon Teile der Organisationen in denen Interesse ist, wir beobachten im Übrigen auch unter Organisationen der Vereinten Nationen wo Amerika rausgeht oder wo Amerika die USA weniger aktiv sind dass China versucht in eine Lücke zu stoßen.
00:27:11: China hat in vielen Bereichen möchte es die Vereintene Nationen dann Lenken aufgrund der Tatsache, dass sie dann vielleicht ja stärkste Kraft sind und die Vereinten Nationen in eine Richtung lenken.
00:27:28: Die auch uns nicht passt deswegen.
00:27:31: Ich bin Rheinländer und Optimist.
00:27:33: Ja es ist schlimm!
00:27:35: Es ist schlimm was passiert aber das war schon unter George Bush Junior.
00:27:39: Das war bei Trump eins.
00:27:41: Es ist jetzt bei Trump zwei.
00:27:43: Es gab durch immer wieder Bemühungen der USA zurückzukommen.
00:27:48: Und ich setze letztlich darauf, dass Amerika langfristig dann doch zum Schluss kommt, das auch für dieses Land es durchaus Sinn macht, dass man sich nach internationales Recht richtet.
00:28:03: Denn Amerika wird wirtschaftlich relativ nicht stärker andere werden stärker und irgendwann glaube ich werden noch Amerikaner erkennen Das es durchaus Sinn macht, sich auch mit gleichgesinnten Durchsetzung des Völkerrechts einzusetzen.
00:28:18: Da sind wir nicht.
00:28:20: aber Joe Biden zum Beispiel auch Obama haben durchaus in diese Richtung gedacht.
00:28:24: also ich gebe da die Hoffnung nicht aus.
00:28:25: Wir sind jetzt in einer Dürreperiode sozusagen, da müssen wir durch und da muss Deutschland jetzt alles tun um zu verhindern dass es weiter Bach abgeht.
00:28:36: Ja und ist ja auch durchaus interessant, dass sie sagen China hat sehr wohl den Wert erkannt.
00:28:40: Und versucht jetzt das in seinem Sinne zu lenken.
00:28:44: also nicht komplettes Desinteresse.
00:28:46: ein wichtiger Punkt vielleicht beschreiben Sie mal nun haben sie ja selber einige Zeit verbracht als Botschafter vor Ort als ständiger Vertreter.
00:28:56: die saßen mit am Tisch.
00:28:59: Wie muss man sich denn solche Verhandlungen vorstellen?
00:29:01: Sie haben ja von Vladimir Putin zum Beispiel gesagt, der hat ein Gespür für Schwäche.
00:29:08: Kann man das sozusagen auch auf seine Vertreter dann an dem Tisch übertragen?
00:29:12: Ist es sozusagen der russische Ansatz, Schwächen aufzuspüren?
00:29:16: Absolut!
00:29:18: Russische Diplomaten müssen sie wissen gehören zu den Bestausgebildeten.
00:29:23: Das heißt wenn es einen Thema gibt beim Sicherheitsrat eine Resolution zu diskutieren, wird ein Sachverhalt zu diskutiert.
00:29:31: Russen schauen immer und ganz genau auf alle Details, alle Vorgänge und finden dann irgendetwas wo sie Kritik an denjenigen äußern können die gerade Sie kritisieren.
00:29:45: also deswegen ganz wichtig früh aufstehen Akten gut kennen, Resolution gut kennen.
00:29:51: als nicht ständiges Mitglieds sind ja immer nur zwei Jahre.
00:29:55: da sind sie Unterlegen den ständigen Mitgliedern, die das ja seit vielen Jahren können.
00:30:02: Und da müssen sie hell wach sein und da können Sie was machen!
00:30:06: Ich will Ihnen vielleicht nur Beispiele geben wie Sie so ein bisschen als nicht ständiges Mitglieds die Sache aufmischen können.
00:30:14: also ich hätte für Hörer nochmal klar es gibt Fünf ständige Mitglieder, die sind immer im Sicherheitsrat.
00:30:21: Und dann gibt es jedes Jahr werden von den nichtständigen Zehen fünf neu gewählt und dann ist man für zwei Jahre da.
00:30:30: Was ganz wichtig ist – und da habe ich in meiner Zeit auch zusammen mit den Kollegen sehr drauf geachtet – dass die zehn gewählten.
00:30:38: Wir haben das immer gesagt wir sind die Gewählte.
00:30:40: Die Ständigen haben wir nicht ständig genannt sondern die Nicht-Gewählton.
00:30:46: Subtil!
00:30:47: Herr Heusken, genau.
00:30:49: Wir haben uns regelmäßig getroffen um zu sehen ob wir nicht an einem Strang ziehen können bei gewissen Sachen.
00:30:57: denn ohne die Nichtständigen also ohne die Gewählten bekommt man keine Mehrheiten hin.
00:31:03: und da versuchen alle immer der Ständigen nicht so sehr Frankreich und Großbritannien aber Russland China USA haben immer versucht ein Spalten zu treiben in diese Zehen Und da kann man entgegenarbeiten, dass man sich gegenseitig unterstützt was die Programme anbelangt und so.
00:31:20: Und dann müssen sie als nicht ständiger auch mal ein bisschen Aufmerksamkeit gewinnen und ich habe dann in meiner Zeit, die Zuhörer kennen vielleicht diesen Saal des Sicherheitsrates sehr eher... Ehrwürdig, aber sehr dunkel.
00:31:36: Ich habe dann gesagt wir machen jetzt einfach mal die Vorhänge auf.
00:31:40: Da soll Licht rein Transparenz in den Sicherheitsrad.
00:31:42: Da gab es irgendwann einen Aufschrei Aber ich konnte das als Vorsitz.
00:31:46: der Vorsitz ins Sicherheitsrat wechselt monatlich und ich hatte dann zweimal den Vorsitz Und dann hab' ich den vorangeöffnet.
00:31:54: da kam Licht rein in das All und dass hat mir Aufmerksamkeit gewählt.
00:31:57: oder Dann hat einer meiner Mitarbeiter hatte kann mit der Idee Wir hatten ein Thüringer Schreiner, der hatte uns zur Verfügung gestellt eine selbstgezimmerte Sanduhr.
00:32:10: Die habe ich dann als Vorsitzender aufgestellt und sehr sandbrauchte fünf Minuten.
00:32:16: das war die Begrenzung der Redezeit über die man sich geeinigt hat und damit die Leute sich daran halten hab ich das da hingestellt.
00:32:24: Das klingt so ein bisschen nach Klamauk aber es gab Aufmerksamkeit dann die Arbeit dort auch belebt und es wurde darüber gesprochen, also so bekam man Aufmerksamkeit.
00:32:39: Wir haben das natürlich auch inhaltlich gemacht wenn ich darüber gerade auch sprechen kann.
00:32:44: wie gesagt wir hatten zweimal Vorsitz und im Sicherheitsrat und beim ersten Vorsitz das war zwanzig.
00:32:54: Im April haben wir ein Thema auf die Tagesordnung gesetzt, die uns sehr beschäftigt hat im Konflikt.
00:33:01: Nämlich der Gebrauch von sexueller Gewalt in Konflikten.
00:33:04: Wenn Sie sich anschauen konflikte das geht heute im Nahen Osten im Iran Das geht in Afrika.
00:33:10: Es ist ganz schrecklich wie viel sexuelle Gewalt benutzt wird.
00:33:14: und um das auf die tagesordnung zu bringen Resolution entworfen, wo das verurteilt wird.
00:33:22: Aufklärung geraten wir zu medizinischer Hilfe auch zur Aufklärungen.
00:33:28: und dann haben wir da eine große Sitzung gemacht.
00:33:31: Da kam unser Außenminister Maas in und da hatten wir einmal Clooney die sie ihm vielleicht den Namen sagt.
00:33:39: Dann hatten wir
00:33:40: die Frau von George Clooney, die er auch als Menschenrechtsanwälter tätig ist.
00:33:44: Wir hatten Dr.
00:33:45: Mukwege Das ist ein Arzt aus dem Kongo, der diese Frauen behandelt.
00:33:53: Die Opfer von sexueller Gewalt ist ja den Nobelpreis gewonnen.
00:33:57: und da wir dieses Thema auf die Tagesordnung gebracht und es hat funktioniert.
00:34:03: Es hat geklappt dass man alle bekam und dieser Resolution zugestimmt haben.
00:34:08: dazu gehört auch das kann ich vielleicht auch noch sagen zu, Trotz aller Auseinandersetzungen, die man hat.
00:34:15: Also ich habe den russischen Kollegen regelmäßig angegriffen seinerzeit natürlich nach wie vor wegen des Ukraine-Kriegs.
00:34:23: das war in der Zeit nach dem Minska Abkommen aber nach wie vorher nicht umgesetzt.
00:34:28: das war noch vor dem Vollangriff.
00:34:32: hab ihn kritisiert auch für das was die Wagner Truppe in Afrika macht oder was gegenüber im Balkan wo sie da eine schlechte Rolle spielen.
00:34:41: Aber es war wichtig, dass man eine persönliche Beziehung unterhält und so habe ich dann eh mal wieder angemacht in den Kollegen und dann kriegt die denn der SMS Christoph kommst du heute einmal vorbei?
00:34:53: Ich hab ne neue Ladung Wodka.
00:34:54: hier wollen wir mal probieren.
00:34:56: das mag ihren hören jetzt unmöglich erscheinen aber Als Diplomat müssen sie das machen.
00:35:02: Sie müssen irgendwie immer sehen, dass die Gesprächskanäle offen halten und...
00:35:08: Und wie war denn der gemeinsame Wort gerade dann?
00:35:10: Also worüber spricht man denn in so einer Situation?
00:35:14: Kann man da nochmal anders Zugriff oder Zugang finden?
00:35:18: Ja, die Residenz des Russien-Bodschers war in der Nähe meiner Residenze, der deutschen Residenzen.
00:35:23: also es war gar nicht soweit, dann kommt man rüber und dann versucht man erst mal überhaupt nicht über Substanz zu sprechen, sondern versucht persönliche Beziehung aufzubauen.
00:35:34: Und dann zeigt er einem irgendwelche Andenken die er dort hat oder so eine kleine ingelegene Terrasse, die er da hatte.
00:35:40: Dann zeigte was ihr für tolle Weine habt und so.
00:35:43: und dann macht man schon Witze.
00:35:45: ich sage hier wenn du Champagner hast oder sowas oder Sekt also ich trinke keinen Krimsäck der gehört euch nicht.
00:35:51: Also sowas kann man ja schon machen aber eher inner In einer guten Art und Weise.
00:35:56: Es gibt welche, mit denen es ganz schwierig ist zum Beispiel mit dem chinesischen Botschafter Mit dem bin ich auch häufiger in Klinsch gekommen wegen der Behandlung Der Minderheiten der Uiguren im Lande Tiberta Und mit dem war's schwer sondern auf eine persönliche Basis zu kommen.
00:36:13: aber mit dem Russen ist es zu dem Zeitpunkt gelungen und das war dann hilfreich um eine solche Resolution, wo es ja um etwas Wichtiges geht.
00:36:25: Wie gesagt, sexuelle Gewalt in Konflikten hat er letztlich zugesteckt.
00:36:31: Ich kann Ihnen aber auch das zweite Beispiel geben, wo's nicht geklappt hat.
00:36:36: Wir hatten dann ja leider in der Zeit Corona und das war ganz schwierig.
00:36:41: In Coronazeiten ist sehr schnell, ist der Sicherheitsrat online gegangen.
00:36:45: Das sagt man sich an den Kacheln gegenüber.
00:36:49: Ganz schlecht!
00:36:50: Ich habe dann auch sehr darauf gedrängt so schnell wie möglich zusammen mit anderen dass man wieder zusammen kam was dann auch erfolgte.
00:36:58: Sagen Sie und wie müsste man sich das jetzt vorstellen?
00:37:01: Zum Beispiel im aktuellen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, zum Beispiel eine Krise die uns wahnsinnig beschäftigt.
00:37:10: Die auch sehr festgefahren erscheint kann der Sicherheitsrat in diesem Fall überhaupt realistischerweise was tun?
00:37:20: Das kommt natürlich regelmäßig auf die Tagesordnung.
00:37:23: Dann geht es darum, das war ja vor schon vor sechs Wochen der Fall, dass versucht worden ist eine Resolution zu verabschieden in der die Freiheit der Schifffahrt untermauert wurde und in der dann auch entsprechende Forderungen gestellt wurden.
00:37:39: Es ist dann gescheitert aber was ich gehört habe, war man doch durchaus hoffnungsfroh dass es durchkommen würde.
00:37:47: Es war eine ganz interessante Konstellation, weil die Emirate hatten das, die Vereinten Aramischen Emiraten besonderes und die Goldstaaten besonders gedrückt und es ist dann letztlich an einem Veto von Russland gescheitert.
00:38:02: Und das ist insofern interessant, als da die Konstellation Russland-VIE.
00:38:07: normalerweise sind sie sehr eng miteinander und da hat es dann auch ziemlich geschäppert was ich gehört habe zwischen den Emiraten und Russland.
00:38:15: Das sind so Sachen, die da sind vielleicht Details aber interessant.
00:38:19: Also hätte es ein bisschen mehr Vodka gebraucht.
00:38:22: Es hört sich an wie ein sehr mühseliges Geschäft.
00:38:26: Offenbar ein sehr lohnendes.
00:38:27: herzlichen Dank für Ihre Einblicke, Herr Häuskin.
00:38:30: Sehr gerne, Frau Kudass!
00:38:35: So das war ja also der FZ Podcast für Deutschland heute mit einer ungewöhnlichen Recherche zum UN-Sicherheitsrat.
00:38:44: Mählen Sie sich gerne mit Feedback wie immer unter podcastetfazett.de.
00:38:50: Ja, und jetzt gibt's noch Informationen von mir zu unseren Live-Events.
00:38:55: Am Montag den fifzehn Juni also genau in zwei Wochen treffen wir uns wieder mal in der Bar Schuka in Frankfurt und zwar zusammen mit dem Kollegen Christian Müskins, denen sie hoffentlich alle aus unserer sechsteiligen Podcast Serie die vor Wehsteu kennen.
00:39:13: Und unsere Recherche dort nehmen wir mal zum Anders etwas größer nachzudenken und zwar über Deutschland im Umbruch.
00:39:22: Was hält denn die Gesellschaft eigentlich zusammen, wenn Gewissheiten wie die Legende VW eigentlich wegbrechen?
00:39:30: Und das wollen wir gemeinsam tun – gemeinsam nachdenken mit dem Historiker Werner Plumpe und mit Dariere Schramm, dem Sprecher des jungen Wirtschaftsforums!
00:39:40: Wenn Sie kommen wollen sichern sie sich gerne schnell ein paar Tickets für den Abend.
00:39:44: noch sind einige da.
00:39:46: Und dann haben wir noch ein Live-Event für Sie, und zwar am Samstag den zwanzigsten Juni hier bei uns im Berliner Büro.
00:39:55: Da haben wir nämlich Tag der offenen Tür und um elf Uhr nehme ich einen Live-Podcast mit den beiden Kollegen Egalose und Mona Jäger auf – und zwar zum Zustand der Koalition!
00:40:08: Also das sind unsere Pläne.
00:40:10: Ich darf mich noch bedanken bei den Kollegen Kevin Gremmel und Johanna Westermann für die Mitarbeit an dieser Sendung.
00:40:18: Morgen begrüßt sie für den Rest der Woche mein Kollege Andreas Krobock, ich sage machen Sie es gut!
00:40:25: Und bis bald tschüss.