00:00:03: Herzlich willkommen beim FAZ Podcast für Deutschland an diesem Feiertag, den Donnerstag, den vierten Juni zu Teil zwei unserer Miniserie zur Fußball-Weltmeisterschaft.
00:00:16: Heute allerdings nur ganz kurz mit mir Andreas Grobock denn nach meinem langen Gespräch mit Jürgen Kaube Gestern, unserem Föhrteurausgeber.
00:00:25: Danke übrigens für Ihre Zuschriften!
00:00:27: Geht es heute weiter mit
00:00:30: dem
00:00:30: zweiten Teil und da präsentieren wir Ihnen unseren
00:00:33: Geschichts-Podcast
00:00:34: zur FußballWM,
00:00:38: in
00:00:39: Argentinien.
00:00:40: Sie erinnern
00:00:41: sich vielleicht an den Song von Udo Jürgens, der kommt auch gleich noch vor.
00:00:44: Buenos Dias Argentina – sie werden sich erinneren aber schön war damals in Buenos Aires eigentlich nur ganz wenig mit der Zeit, der Militärdiktatur, der Folter und den vielen Morden.
00:00:58: Die deutsche Nationalmannschaft die gesamte Delegation hat eigentlich entweder nichts gesehen oder zumindest was die Funktionäre angeht
00:01:07: bewusst
00:01:07: weggeschaut.
00:01:08: ich wünsche Ihnen auf jeden Fall jetzt sehr viel Spaß beim ersten halben Stunde unseres Geschichts Podcasts zur FußballWM
00:01:23: Buenos Aires, Donnerstag Erster Juni.
00:01:26: Die Frauen kommen immer donnerstags.
00:01:29: Sie tragen weiße Kopftücher, manche haben Fotos mitgebracht Gesichter von Söhnen und Töchtern.
00:01:34: Manche dieser Mütter tragen die Bilder seit Monaten mit sich, manchen seit über einem Jahr.
00:01:39: Gruppenbildungen und Proteste im Stehen sind verboten.
00:01:42: sie gehen im Kreis um die Pyramide in der Mitte des Platzes langsam schweigend mit dem Gesicht zur Casa do Sada zum Palast der Regierung.
00:01:50: Die Plaza ist voller, als sonst.
00:01:52: ausländische Journalisten sind gekommen.
00:01:54: Heute Abend spielt Deutschland gegen Polen Das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft nur wenige Kilometer von hier im Estadio monumental.
00:02:04: Diese Mutter spricht über das Regime.
00:02:06: Wir sind Lügnerinnen sagen sie.
00:02:08: wir liegen in unseren Betten und erfinden dass die Kinder verschwunden sind Aber es ist alles belegt.
00:02:12: Im Justizpalast liegen alle Aussagen Bei der Bundespolizei liegen alle Anzeigen Alles ist Bezeugt.
00:02:19: Die Frauen drängen sich um das Mikrofon.
00:02:21: Sie wollen reden, die Gelegenheit nutzen dass sie hört.
00:02:24: Eine Frau erzählt ihre Tochter war im fünften Monat schwanger als man sie holte.
00:02:28: Das Kind muss längst geboren sein.
00:02:30: Sie weiß nicht ob es lebt.
00:02:31: Sie sagt Man bringt die Kinder in Heime anonym namenlos.
00:02:35: auf ihre Fragen an die Behörden antwortet niemand.
00:02:37: Niemand sagt ihr Ob Ihre Tochter ob Ihr Enkel lebt.
00:02:46: Der Stadtteil Nunies je nach Messpunkt zwischen siebenhundert bis neunhundert Meter vom Estadio monumental wo das Eröffnungsspiel stattfindet.
00:02:53: Wer an diesem Tag durch die Avenida del Libertador fährt, sieht eine Mauer.
00:02:57: Dahinter ein gepflegtes Gelände – weiße Gebäude Das Schild am Tor Esquela Superior de Mecanica de la Armada Kurz Esma Mechanikaschule der Marine Nichts weiter.
00:03:08: Was hinter der Mauer ist, weiß man draußen.
00:03:10: nur teilweise Im Untergeschoss des Offiziers Casinos gibt es Räume ohne Tageslicht.
00:03:15: Die Häftlinge nennen ihn El Sotano den Keller.
00:03:19: Die Heftlinge tragen Kapuzen wenn man sie in andere Räumen bringt damit Sie die Wege nicht lernen.
00:03:23: Etwa fünftausend Menschen werden hier gefangen gehalten, gefoltert und in den meisten Fällen ermordet.
00:03:29: Mitten in der Stadt – in einem Wohnviertel mit Bussen die draußen vorbeifahren.
00:03:34: Die FVZ wird Jahre später bei der Übergabe des Geländes an Menschenrechtsorganisationen schreiben.
00:03:39: Zitat Konzentrationslager in Buenos Aires, während der Weltmeisterschaft.
00:03:56: Heute Abend wenn das Stadion jubelt ist das in der Esmar zu hören – im Stadionen?
00:04:01: – seventy-fünf tausend Menschen!
00:04:04: Ein Volksfest dass einfach passiert bei Fußball das kann.
00:04:07: Menschen zusammenbringen die sonst nichts teilen außer dieser einen
00:04:11: Leidenschaft.
00:04:12: Auf der Ehrentribüne General Jorge Rafael Videlha Der Staatschef Wiedeler spricht von Frieden, von Würde und Freiheit.
00:04:34: Er spricht vor Millionen Zuschauern weltweit.
00:04:37: Das Fernsehen überträgt zum ersten Mal in Argentinien in Farbe.
00:04:40: Die Welt schaut zu und sieht ein modernes Land jubelnde Menschen Was die Welt leicht übersieht – die Frauen mit den weißen Kopftüchern wenige Straßen entfernt Und die Mauer an der Avenida de Libertador.
00:04:57: Die Fußball-Weltmeisterschaften in Argentinien.
00:05:02: In den Stadien wehende Fahnen und Jubel, gleichzeitig lässt der Staat Menschen
00:05:06: verschwinden.".
00:05:07: Eine WM voller Widersprüche!
00:05:09: Und diese WM, die wollen wir uns in unserer Folge näher anschauen – und damit herzlich willkommen bei der Geschichtspotcast, dem Podcast der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Konrad Adenau Stiftung.
00:05:22: Ich bin Stefan Stahlberg
00:05:23: Und ich bin Michael Götz.
00:05:24: Diese Folge erscheint heute, am vierten Juni, exakt eine Woche bevor in Mexico City die größte Fußballweltmeisterschaft aller Zeiten eröffnet wird.
00:05:34: Ja bislang die größste!
00:05:36: Mal schauen was noch kommt.
00:05:37: Der FIFA kann man viel zutrauen... Am elften Juni spielt Mexiko gegen Südafrika das erste von einhundertvier Spielen an sechzehn Spielorten in drei Ländern den USA, Mexiko und Kanada.
00:05:51: Und wir fragen uns heute, kann man diese WM einfach als Fußballfest schauen?
00:05:55: oder steckt da was dahinter?
00:05:56: Was wir nicht ignorieren dürfen?
00:05:57: und haben wir diese Frage nicht schon einmal gestellt vor fast fünfzig Jahren.
00:06:19: Als Schaufenster, als Beweis seht her bei uns ist alles in Ordnung.
00:06:23: Ja Fußball als politisches Instrument darüber wollen wir heute sprechen und über die Frage, die uns durch diese Folge trägt nämlich kann Fußball wirklich unpolitisch sein?
00:06:34: Und wer profitiert eigentlich von dieser Behauptung?
00:06:37: Bevor wir ins Jahr nineteen-satze achten-siebzig gehen ein kurzer Blick ins Heute aber mit einer klaren Trennlinie gleich vorweg Die USA sind nicht Argentinien neunzeitauchten siebzig Kanada und Mexiko auch nicht.
00:06:49: Keine Militärdektatur, kein Verschwindenlassen als staatliches System.
00:06:53: Es gibt freie Medien, unabhängige Gerichte, Oppositionen und
00:06:56: Wahlen.".
00:06:57: Ja!
00:06:57: Und trotzdem gibt es rund um die WM-Karriere im Jahr zum Beispiel die Menschenrechtliche und Rechtsstaatliche Bedenken.
00:07:03: Z.B.,
00:07:04: die Migrations- und Abschiebepolitik der USA – die Rolle der Sicherheitsbehörden wie ICE bei der Turnierorganisation?
00:07:11: Praktische Hürden für Fans aus einzelnen qualifizierten Ländern bei der Einreise.
00:07:15: Ja, und in Mexiko wiederum geht es unter anderem um Fragen von Gewalt- und organisierter Kriminalität.
00:07:20: Und schließlich gibt's die Debatte über die politische Symbolik – Stichwort FIFA-Präsident Infantino und der WM-Pokal bei Donald Trump im Weißen Haus.
00:07:31: Eine Frage kommt bei fast jeder sportlichen Großveranstaltung auf und das auch schon seit einiger Zeit nämlich welche Verantwortung hat der Sport wenn er auf die Politik
00:07:40: trifft?
00:07:40: Ja, das ist so die Kernfrage.
00:07:42: Es ist dafür ein Paradebeispiel aber auch ein besonders hartes Beispiel.
00:07:47: Wir haben gerade diese WM bewusste als Thema für die Folge gewählt weil die Geschichte und die Geschichten um die WM herum nicht so oft erzählt werden und fast ein bisschen in Vergessenheit geraten sind.
00:07:59: Vor allem hier bei uns wird natürlich viel viel lieber auf!
00:08:04: Und nicht auf die Schmach von Cordoba Aber das machen wir natürlich heute auch.
00:08:14: Bevor wir wirklich in den Juni-Mann-June-undneinzehnten-undsiebzig eintauchen, müssen wir kurz zurück.
00:08:19: Zwei Jahre.
00:08:20: März-Näunzehnhundertsechsundsies.
00:08:23: In Argentinien putzt das Militär unter General Roche Rafael Videlha, Marine-Chef Emilio Massera und Luftwaffengeneral Orlando Agosti.
00:08:32: Die drei Männer inszenieren sich als Retter der Nationen.
00:08:37: Und wenn man verstehen will warum so viele Menschen das damals zunächst nicht Beginn eines Albtraums sehen, muss man die Lage vorherkennen.
00:08:45: Dazu habe ich mit Stefan Rinke gesprochen.
00:08:47: Er ist Professor für die Geschichte Lateinamerikas am Latein-Amerika-Institut und an der Freien Universität Berlin.
00:08:55: Und er beschreibt die Ausgangslage vor dem Putsch so...
00:08:58: Ja, siehzig war Argentinien in einer tiefen Krise.
00:09:02: Die Regierung von Isabel Perron war politisch schwach es gab massive wirtschaftliche Probleme, Inflation.
00:09:10: Die Leute streikten und politische Gewalt war an der Tagesordnung.
00:09:15: Das war nicht ganz neu.
00:09:16: das hatte die praktisch schon zehn Jahre lang Argentinien geprägt.
00:09:20: und zwar haben sich da linke Geriergruppen auch im Anschluss an die Kubanische Revolution auf der einen Seite und rechte Todesverdronen wie die bekannte AAA Gegenüber gestanden.
00:09:33: und die staatliche Repressionen, die sich vor allem gegen die Linken richteten, kam dann noch dazu.
00:09:38: Und in dieser Gemengelage präsentiert sich das Militär als Ordnungskraft.
00:09:44: Diese Selbstinszenierung, die funktionierte am Anfang so Rinke.
00:09:48: aber was dann kommt ist eben nicht Recht und Ordnung sondern eine Diktatur, die systematisch entführt foltert und mordet.
00:09:58: dass es vielleicht am schwersten zu verstehen, aber auch an anderen Beispielen zu sehen.
00:10:03: Die Regierung bestreitet einfach was sie macht.
00:10:07: Rinke sagt das besondere an Argentinien ist nicht nur die Härte sondern auch die Methoden.
00:10:12: Das war Teil einer ganzen Welle rechter Militärdiktaturen in Südamerika.
00:10:17: dazu zählten Chile Uruguay Paraguay Brasilien Bolivien und Die haben im Kalten Krieg dann unter dem Schlagwort des Antikommunismus auch gemeinsam Aktionen unternommen, im bekannten Netzwerk der Operation Condor.
00:10:35: Das Besondere wenn man so will an Argentinien war die Kombination aus Ausmaß und Methode.
00:10:40: also die haben zum einen nicht nur offene Repressionen ausgeübt sondern auch ein System das verschwinden lassen eingeführt Und der Staat hat das danach geleugnet, dass diese verschwundenen Inhäkchen je in seiner Gewalt waren.
00:10:57: Auch das ist nicht Argentinien alleine, das gab es auch im Brasilien und in Chile.
00:11:03: aber in dem Ausmaß macht es besonders...
00:11:07: Ein System des Verschwindenlassens.
00:11:10: Menschen werden nachts abgeholt, verschwinden in geheimen Haftzentren und der Staat leugnet anschließend überhaupt etwas damit zu tun haben.
00:11:19: Kein Terror, der vor aller Augen stattfindet.
00:11:22: Terror, das in einer Art Parallelwelt organisiert wird und nach außen mit Normalität überdeckt
00:11:29: wird.
00:11:45: Im Vorfeld der WM nimmt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gemeinsam mit Udo Jürgens den WMSong VENUS DIAS ARGENTINA auf.
00:11:53: Und wenn man sich Aufnahmen aus dem Tonstudio anschaut, kann man sagen, UdoJürgens hat definitiv von allen Beteiligten die größte Motivation zu singen!
00:12:02: Aber damals ist die singende Nationalmannschaft eben noch Traditionen.
00:12:05: Die hat mit Fußball ist unser Leben, ... ... und endet einundzwanzig Jahre später bei der WM... ... übrigens ja auch in den USA mit Farway in Amerika.
00:12:15: Ich kann mich dann noch daran erinnern an den singenden Jürgen Klinsmann.
00:12:24: Nee, ich weiß das nicht mehr.
00:12:25: Okay.
00:12:26: Ja Udo Jürgens sinkt, man saß in den seventy- acht Vom Sumprero der roten Sonne und dem Rio de la Plata.
00:12:32: Und offensichtlich denkt einfach niemand dran dass das Regime seine Opfer betäubt und aus Flugzeugen eben in diesen Fluss oder ins Meer werfen lässt.
00:12:39: Boah Ich weiss echt nicht ob udo jürgens das wusste dass die in den fluss geworfen wurden.
00:12:45: aber Das ist schon wirklich makaber.
00:12:48: und Gleichzeitig ist Die deutsche Gegenwart damals Aber auch geprägt von Gewalt.
00:12:54: Hier ist das deutsche Fernsehen
00:12:56: mit der Tagesschau.
00:13:31: Irmgard Möller verletzte sich bei einem Selbstmordversuch schwer.
00:13:36: Unklar bleibt der Schicksal von Hans-Martin Schleyer, zu seinen Entführern gab es auch am zweiten Tag nach Ablauf des Ultimatums keinen neuen Kontakt.
00:13:44: Der sogenannte Deutsche Herbst liegt keine zwölf Monate zurück.
00:13:48: die Schleierentführung Die Stürmung der Landshut in Mogadishu.
00:13:52: das Land ist vom RAF Terror erschöpft und gleichzeitig froh über ein Stück Normalität.
00:13:58: Und in diese Stimmung fällt die Weltmeisterschaft als großes gemeinsames Fernsehereignis.
00:14:03: für viele ablenkend.
00:14:05: Für manche auch ein Stück Rücke im Alltag.
00:14:08: und für die Diktatur in Argentinien natürlich die ganz, ganz große
00:14:11: Bühne.".
00:14:12: Aber die Bonner Regierung unter Kanzler Helmut Schmidt an der Spitze übt nicht wirklich laute Kritik an er runter oder an den Missständen.
00:14:20: Deutschland reist als amtierender Weltmeister an, ne?
00:14:24: Und zieht Ende Mai in das Quartier in Asko-Chinga.
00:14:28: Hier ein Ausschnitt aus einem AD-Beitrag.
00:14:35: Wir haben
00:14:47: anständige Betten, gute Matratzen.
00:14:49: Werzeug
00:14:50: ist deutsch?
00:14:51: Was wollen
00:14:51: wir eigentlich mehr?
00:14:53: Egal ob man Franz Lambert an der Hemd-Orgel zuhört, weiß nicht, ob ich so geweckt werden würde oder Rainer Bonhoff den wir gerade gehört haben, da bekommt man ja schon wirklich einen Eindruck was das für eine eigene kleine Welt im Mannschaftsquartier ist inklusive Herrenwitze über Frauenfußball.
00:15:08: Ab dem ich früher
00:15:09: doch etwas skeptisch gewesen bin glaube jetzt dass mit
00:15:13: Zunahme der besseren Technik und und auch
00:15:17: der körperlichen Vorzüge, der Damenfußball floriert.
00:15:23: Wir wissen
00:15:23: jetzt, dass so sehr viele Mannschaften schon im deutschen Fußballbund
00:15:27: spielen.
00:15:28: Ich glaube, dass mein Kapitän der Nationalmannschaft Werte Vogts derselben
00:15:33: Meinung ist.
00:15:35: Ich habe zwar noch kein Spiel gesehen einer damenfußbar Mannschaft aber ich muss sagen das es vielleicht Probleme gibt mit
00:15:42: der Mann- und Raumdecke.
00:15:44: Ja, das war der Bundestrainer Helmut Schön und nach Mannschaftskapitän Bertie Fuchs.
00:15:48: Da wird klar in welcher Zeit wir sind und auch wie die Rollenbilder einfach klar verteilt sind Und es zeigt sich aber auch wie weit weg die Gespräche im Quartier der Nationalmannschaft von dem sind was in Argentinien eben sonst passiert.
00:15:59: Natürlich stellen sich da verschiedene Fragen.
00:16:01: vielleicht nicht hätten die Spieler alles wissen müssen Aber auf jeden Fall ich denke an die Mütter mit den weißen Kopftüchern Was wird sichtbar?
00:16:10: Und was bleibt unsichtbar?
00:16:12: Menschen verschwinden, Mütter, Väter, Söhne, Töchter und auch Enkel.
00:16:16: Im ganzen Land gibt es nach heutiger Forschung hunderte geheimen Haft- und Folterzentren.
00:16:21: Es werden häufig rund dreihundertfünfzig genannt aber die genaue Zahl hängt eben davon ab wie man zählt.
00:16:27: Menschenrechtsorganisationen sprechen von bis zu dreißigtausend Verschwundenen.
00:16:32: Die Zahlen schwanken weil Viele Fälle nie dokumentiert wurden, also es gibt auch niedrige Zahlen.
00:16:37: aber dass diese Fälle nicht aufgezeichnet wurden das war ja Teil der Methode.
00:16:41: Die
00:16:41: Täter die sahen sich nicht als Kriminelle sondern tatsächlich als Retter der Nation.
00:16:46: ihre Logik war wir führen einen Krieg gegen die Subversion und subversiv konnte fast alles heißen bewaffnete Gerier linke Ideen Gewerkschaftsarbeit studentischer Protest kritischer Journalismus manchmal schon ein bestimmtes soziales Umfeld.
00:17:00: Das Christliche daran war sicherlich nicht die christliche Barmherzigkeit, sondern eher diese Idee des Kreuzzugs.
00:17:07: Man behauptete, dass man die westliche und christliche Zivilisation gegen den Kommunismus verteidigen
00:17:13: müsse.".
00:17:13: Was für ein krasser Widerspruch von christlicher Moral zu sprechen und den Angehörigen die Möglichkeit zur Trauer gleichzeitig zu nehmen?
00:17:22: Und die Militärs haben Angst um ihr Ansehen!
00:17:25: US-Regierungsdokumente von CIA und Außenministerium, die heute einsehbar sind.
00:17:30: Die zeigen laut Rinke sehr deutlich – die Militärführung will die Morde diskret abgewickelt sehen um Argentiniens Image zu schützen.
00:17:39: Ja das führt zur unangenehmen Frage in jedem so gerateten Regime nämlich was wusste die Bevölkerung?
00:17:45: Und was hat sie geduldet?
00:17:47: Am Anfang hatte die Hunter durchaus Zustimmung oder zumindest Duldung in Teilen der Gesellschaft, vor allem bei denen, die nach Jahren der Gewalt und Krise wieder Ordnung wollten.
00:17:58: Zumal die Mittelschicht, die Unternehmer konservative Kreise auch Teile der Medien.
00:18:04: Aber man muss die Akzeptanz, wenn man sich das anschaut.
00:18:08: Man muss vorsichtig sein weil es keine freie Öffentlichkeit gab.
00:18:11: also viele schwiegen sicher auch nicht weil sie damit einverstanden waren sondern schlicht weil sie Angst hatten vor Verfolgung.
00:18:18: was bis neunzehnt achtundsiebzig bekannt war war dass Menschen verschwanden.
00:18:22: das wusste man.
00:18:24: Angehörige wussten ist menschenrechtsgruppen.
00:18:27: Auch viele Journalisten wussten es.
00:18:29: Rinke verweist auf einen Mechanismus den man aus anderen Diktaturen kennt.
00:18:34: Man will es nicht so genau wissen und schaut nicht so hin.
00:18:37: Aber man kann auf jeden Fall sagen, als im Juni, die Kamerateams aus aller Welt ins Land kommen ist Argentina eben kein unbeschriebenes Blatt mehr.
00:18:45: Man weiß dass da Menschen verschwinden!
00:18:47: Die runter versucht natürlich die WM für sich zu nutzen.
00:18:50: sie ist ein gigantisches Modernisierungsprojekt nach innen wie nach außen.
00:18:55: Also klar, für die runter war die WM ein riesiges Modernisierungs- und Propaganda-Projekt.
00:19:01: Die haben neue Stadien bauen lassen oder auch alte renoviert.
00:19:04: Sie haben Pressezentren eingerichtet, Kommunikationstechnik ausgebaut das Farbfernsehen eingeführt.
00:19:10: Klar, das war ein enormer Push!
00:19:12: Die Diktatur will sich als modern, als effizient und vor allem als stabil präsentieren.
00:19:17: Die wollten ja auch Investoren anlocken.
00:19:20: Gleichzeitig haben sie auch Elernzviertel geräumt oder versteckt.
00:19:23: Ein Beispiel dafür ist die Villa Trenta Iuno in Buenos Aires, eines der großen armen Viertel der Stadt.
00:19:29: Da leben neunzehntsechsen-siebzig laut offiziellen Zahlen ungefähr vierundzwanzigtausend Menschen und bis Ende neunzelneuchen-sebzig waren es dann noch rund zweitausend.
00:19:38: Wo die anderen hingekommen sind, ist weitgehend unbekannt
00:19:41: Und das argentinische Fernsehen überträgt die WM zum ersten Mal in Farbe.
00:19:46: ein modernes leuchtendes Bild des Landes.
00:19:49: Und in dieses Bild auf den damals kleinen Fernsehern, da passt eben nicht alles.
00:19:54: Was nicht ins Bild passt wird beseitigt oder unsichtbar
00:19:57: gemacht.".
00:19:58: Die Diktatur betreibt für diese WM aktiv im Mitpflege.
00:20:01: Eine US-amerikanische PR-Agentur wird beauftragt das Bild des Regimes im Ausland auch zu polieren – Das Ziel?
00:20:08: Argentinien soll gastfreundlich wirken kein Militärstart und
00:20:12: absolutes
00:20:12: Fußballland natürlich!
00:20:14: Und der entscheidende Partner dabei die FIFA.
00:20:17: Ja, Fußball war in Argentinien ja immer mehr als Sport.
00:20:21: War ein Ort an dem nationale Identität, Stolz, soziale Herkunft und politische Gefühle zusammenkam.
00:20:28: Deshalb war die WM für die runter so attraktiv.
00:20:31: Und man kann natürlich auch die Frage stellen warum hat die FIFA da nicht gesagt das machen wir dann?
00:20:37: Nicht nun.
00:20:38: zum einen war die wm schon neunzeigundsechszig zugesprochen worden also lange vor den Putsch entscheidend ist aber Man hat Argentinien das Turnier nicht entzogen.
00:20:48: Die FIFA schaute über diese politischen Verhältnisse hinweg und behandelte die WM also als organisatorische Frage, für die runter war das natürlich Gold wert?
00:20:57: FIFA-Präsident Joao Avelage dankt bei der Eröffnung der argentinischen Regierung persönlich für die großartige Arbeit.
00:21:04: ohne ein einziges Wort zur Diktatur – nach allem was wir wissen, hat sich die FIFA bis heute nicht zu den Verbrechen dieser Diktatur geäußert.
00:21:11: Rinke benennt es ja sehr klar, wegschauen ist auch eine Haltung!
00:21:15: Dass dich runter Kontrolle über dieses Turnier will, also absolute Kontrolle zeigt auch ein Ereignis das sich bereits neunzehntsechsen-siebzig abspielt.
00:21:24: Oma Actes ist seit sechs Wochen der Cheforganisator der Weltmeisterschaft und er ist auf dem Weg zu einer internationalen Pressekonferenz aber plötzlich blockiert einen Lieferwagen sein Auto und fünf Männer springen auf die Straße und erschießen ihn.
00:21:40: Die offizielle Version ist ein Anschlag der Monteneros, einer links-revolutionären Stadtgerehe.
00:21:47: Allerdings hatte Oma Aktis im Vorfeld Kritik an den explodierten Kosten der WM und an der Korruption geübt.
00:21:54: Und das ist doch etwas was diese WM so besonders ausmacht – die direkte Verbindung von Fußball und politischer Gewalt.
00:22:02: Das wird auch an einem Ort, von dem wir zu Beginn schon gehört haben, besonders deutlich!
00:22:08: Die Mechanikerschule der Marine in Buenos Aires.
00:22:11: Das größte Folterzentrum der Diktatur.
00:22:13: Nach Schätzung werden dort rund fünftausend Menschen festgehalten, nur wenige überleben.
00:22:18: Heute ist auf dem Gelände ein Erinnerungsort Unesco Welterbe – Ein Museum!
00:22:22: Das Gelände liegt nicht weit vom Estadio monumental entfernt Dem Stadion des Eröffnungsspiels und des Finales Und je nach Windrichtung hört man den Torjubel im Folterkeller.
00:22:31: Und das gibt Berichte, dass die Heftlinge froh waren wenn ein Spiel lief weil die Folterer dann mal eine Pause machten um Fußball zu schauen.
00:22:40: Im
00:22:40: Umfeld der WM oder vielmehr mittendrin gibt es eine Figur die leicht übersehen wird.
00:22:46: César Luis Minotti Nationaltrainer Argentiniens von hier aus war politisch links und er betont während der wm wir spielen für die Menschen nicht für Militär und Nation.
00:22:59: Und nach dem WM-Titelgewin, als einer von wenigen Prominenten überhaupt unterschreibt er dieser Minotti einen öffentlichen Aufruf für die Mütter der Plaza de Mayo.
00:23:11: Sie sollen Auskunft über ihre verschwundenen Angehörigen bekommen!
00:23:14: Da denkt man ja irgendwie.
00:23:15: ein einfacher Schritt.
00:23:16: ne jetzt ist er erfolgreicher Nationaltrainer hat den Weltmeister trainiert auch noch ausgerechnet in Argentinien dem Fußball verrückten Land und übersehen tut ihnen jetzt keiner.
00:23:27: Wie findest du, dass Stefan hätte das vorher machen müssen?
00:23:30: Ja wahrscheinlich hat er in den Umständen vorher nicht die Möglichkeit dazu gesehen und hatte vielleicht auch nicht den Rückenwind des WM-Titels dabei.
00:23:39: Und selbst obwohl eben der Erfolgstrainer ist kommt die Reaktion des Verbandspräsidenten Julio Crononar ganz prompt.
00:23:45: Er droht mehr noch dynamisch mit einem Rauswurf.
00:23:47: natürlich wird auch in dem System, dass sich unpolitisch gibt diese Unterschrift unter der Petition politisch gewertet.
00:23:56: Apropos politische Wertung, jetzt kommt nämlich noch was.
00:23:59: Bei unseren Recherchen zum Thema ist uns noch ein Ereignis aufgefallen das in Argentinien stattfand und in Deutschland politisch Wellen schlug.
00:24:08: Im Quartier der deutschen Nationalmannschaft tauchte nämlich Hans Ulrich Rudel auf.
00:24:13: Der war im Nationalsozialismus Kampfpilot.
00:24:16: Ja, das war natürlich schon ein echter Skandal.
00:24:19: Rudel war ja nicht nur ein einfacher Soldat sondern der war eine Figur, der extrem rechten Nachkriegsnetzwerke auch.
00:24:27: Der hatte sich fünfundvierzig nach Argentinien abgesetzt auf der sogenannten Rattenlinie und hat in Argentinianen oder auch Unterstützungsstrukturen für NS-Angehörige aufgebaut.
00:24:40: mehr als dreißig Jahre später im Umfeld der deutschen Nationalmannschaft auftauchen konnte, also nach dem Eichmann-Prozessen und so weiter.
00:24:47: Das sagt viel aus über die blinden Flecken in der deutschen Nachkriegsgesellschaft gerade auch unter den Sport
00:24:53: funktionieren.".
00:24:54: In der ARD-Sportschau vom vierzehnten Juni aus in den Aten-Siebzig antwortet DFB Präsident Hermann Neuberger auf die Frage ob man dann nicht mit Zitat mehr Fingerspitzengefühl hätte agieren müssen.
00:25:06: Ich sehe sie als gar nicht peinlich an, ich sage das in aller Offenheit.
00:25:10: Wir haben nur immer wieder erklärt wir sind absolute Freunde treten ein für die Menschenrechte in der ganzen Welt In Ost, Süd, West und Nord.
00:25:22: Nur
00:25:22: hängen wir unsere Auffassung nicht so sehr zum Fenster hinaus, denn dieses durch das Fensterhinaus proklamieren und reden nutzt nichts und bringt niemanden weiter.
00:25:32: Wir gehen andere
00:25:33: Wege.".
00:25:33: Also der Reporter hat ja nur nach mehr Fingerspitzengefühl, mehr Sensibilität gefragt – und dann so eine Antwort?
00:25:40: Naja gut aber ich würde mal sagen Neue Berger wusste auch was der Reporter damit eigentlich sagen wollte ….
00:25:48: Wenn man aus heutiger Sicht drauf schaut, war die sehr höflich würde ich sagen oder?
00:25:52: Absolut ja.
00:25:53: Aus heutiger Gesicht sind es natürlich insgesamt unfassbare Vorgänge.
00:25:57: aber auch zu WM in der Militärdiktatur äußern sich die Spieler nur in eine Richtung Hier hintereinander Rüdiger Abramtschik von Schalke Nullvier Ronny Warm vom MSV Duisburg und Klaus Fischer der Mannschaftskollege von Abramschik.
00:26:12: alle drei haben Stürmer gespielt.
00:26:15: Ich spiele in Argentinien Fußball, wenn ich spielen
00:26:17: sollte.
00:26:18: Und dann habe ich mit mir
00:26:19: selber Probleme in
00:26:20: Argentina
00:26:21: und kann mich also um diese Angelegenheit
00:26:23: nicht
00:26:23: kümmern.".
00:26:24: Das ist eine Sache der
00:26:24: Regierung
00:26:26: und die müssen da eben handeln und auch entscheiden.
00:26:28: oder haben wir überhaupt nichts mit zu tun?
00:26:31: Also die politischen
00:26:31: Zustände in Argentinen interessiere mich überhaupt
00:26:35: nicht,
00:26:35: muss ich ehrlich zugeben.
00:26:36: Ich konzentriere mich auf die
00:26:38: Fußball-Weltmeisterschaft.".
00:26:39: Und dann haben wir noch ein Zitat von Mannschaftskapitän Berthi Vogts Der sagt und ich zitiere ihn jetzt mal, Argentinien ist ein Land in dem Ordnung herrscht.
00:26:50: Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.
00:26:54: Rinke hat diesen Satz in unserem Interview kommentiert knapp aber präzise.
00:26:59: Und ja wenn man dann an Berti Vogts Liktum sich erinnert Er habe nichts gesehen was was irgendwie schlimm gewesen sein könne.
00:27:07: Dann haben die auch durchaus Erfolg gehabt Ja zumindest bei den sagen wir mal etwas bescheidener, intellektuell bestückten Gruppierungen.
00:27:19: Zurück nach Argentinien und dem Blick der Regierung dort auf das Turnier.
00:27:23: Diese WM ist zu groß geworden um sie zu verlieren nicht nur sportlich.
00:27:29: die Welt schaut zu.
00:27:30: ja wenn da das Bild gibt wenn die Mannschaft ausscheidet dann steht auch die runter nicht nur als sportlicher Verlierer dar.
00:27:37: was dass für den argentinischen Weg durch dieses Turnier bedeutet?
00:27:41: Das hören wir uns jetzt an
00:27:44: Argentiniens Weg zur ersten Weltmeisterschaft, noch dazu im eigenen Land.
00:27:50: Der Turniermodus unterscheidet sich grundlegend von heutigen Weltmeisterschaften.
00:27:54: Es gibt nach der Vorrunde kein CO-System mit Achtel oder Viertelfinals.
00:27:59: So, an dieser Stelle schalten wir uns hier mit dem FACET Podcast für Deutschland aus!
00:28:05: Sie dürfen natürlich gerne weiter hören – ich kann Ihnen sagen die Folge dauert noch fast eine weitere halbe Stunde aber dafür müssen sie in unseren Geschichtspotkast sehen.
00:28:17: Sehen Sie?
00:28:17: Das ist unsere Art von Folter oder zumindest auf die Folter spannen.
00:28:22: Wir wollen natürlich, dass Sie auch den FZ-Podcast Geschichte abonnieren und ja ich kann Ihnen nur sagen es lohnt sich.
00:28:29: da waren so viele spannende folgen und wenn sie die Folge zu WM seventy acht jetzt weiter hören möchten dann bitte wechseln Sie den Kanal denn link dazu finden Sie in den Schaunuts.
00:28:40: also das war's von mir und ich wünsche Ihnen einen sehr schönen Abend
00:28:44: und wir an
00:28:45: uns morgen wieder.